Muss eine neue Veranstaltungshalle her?

Null Bock auf Heilbronn - meiden große Stars die Buga-Stadt?

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9.500 Zuschauer waren am vorvergangenen Wochenende im Heilbronner Wertwiesenpark. 17.500 wären möglich gewesen.
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Die Heilbronner Harmonie ist in die Jahre gekommen. Und wirklich große Künstler sieht man in Heilbronn nur selten.

+++Update: 24. Juni+++

Rea Garvey und die Kelly Family sind die größten Stars, die in Heilbronn in diesem Jahr auf der Bühne stehen. Und doch war vor gut einer Woche bei Weitem nicht volles Haus im Heilbronner Wertwiesenpark. Bräuchte Heilbronn echte Weltstars, die sonst nur in Berlin, Köln und München spielen? Gibt es überhaupt genügend Interesse an solchen großen Konzerten. Und grundsätzlich: Wo sollen die Megastars - falls sie denn kommen - überhaupt spielen?

Auf der Facebookseite von echo24.de lösten die enttäuschenden Besucherzahlen vom Konzertwochenende im Heilbronner Wertwiesenpark eine lebhafte Diskussion aus. Die vielfache Meinung: "Echte" Stars haben keinen Bock auf Heilbronn, weil die Stadt keine entsprechende Konzert-Infrastruktur vorzuweisen habe. Eine Userin schreibt, dass die öffentliche Anbindung zum Heilbronner Wertwiesenpark fehle und generell zu viel Verkehr in Heilbronn herrsche, dass die Fans schon allein deshalb keine Tickets kaufen.

Bildershow: Tolle Stimmung bei Rea Garvey im Wertwiesenpark

Heilbronner Harmonie: Zu alt und schlechte Akustik

Ein User fordert: "Baut endlich eine Großveranstaltungshalle wie in Ludwigsburg, sonst bleibt Heilbronn eine Provinz in Sachen Konzerte und Sportveranstaltungen." Ein weiterer Kommentator bestätigt: "Die Großveranstaltungshalle wäre seit Jahren nötig." In Sachen Technik und Akustik sei die Harmonie ja schon ziemlich in die Jahre gekommen. Eine Userin: "Ich gehe da auf kein Konzert mehr."

Bilder: So war die Stimmung beim Konzert der Kelly Family in Heilbronn

Würde aber eine neue, moderne Halle das Problem wirklich lösen? Wenn aufgrund des völlig überbordenden Freizeitangebots der Gegenwart auch Großkonzerte nur im Pool der Optionen mitschwimmen, findet sich vermutlich auch unter besseren Bedingungen keine zufriedenstellende Nachfrage. Mal ganz davon abgesehen, dass Heilbronn nun mal nicht die Größe und Bekanntheit von Köln, Berlin, München oder Stuttgart hat.

Heilbronn: Neue Veranstaltungshalle nach der Buga?

Manche Facebook-Nutzer hoffen, dass sich in Sachen Veranstaltungshalle nach der Buga in Heilbronn was tut. Denn auch wenn sich in Heilbronn einiges zum positiven verändert und in der Stadt derzeit ein neues Selbstbewusstsein herrscht, zu dem sicher auch die Entwicklungen rund um die Buga beigetragen haben: Selbst mit einer der Mannheimer SAP-Arena vergleichbaren Halle wird Heilbronn wohl langfristig nicht die allererste Geige in Sachen Konzerten spielen. Aber unbekannte Acts sind Rea Garvey, die Kelly Family und im vergangenen Jahr Adel Tawil ja nun auch nicht gerade.

Sängerin Pink ist 2010 in Heilbronn aufgetreten.

Heilbronn: Die Toten Hosen und Pink waren schon da

Aber Die Toten Hosen und Pink, die 2013 beziehungsweise 2010 in Heilbronn gespielt haben, sind nun mal noch eine Nummer größer. Nur sind die eben im Frankenstadion in Heilbronn aufgetreten. Ein User meint: "Das Frankenstadion ist weitaus besser für Konzerte geeignet [als der Wertwiesenpark]." Nur stellt sich die Frage, ob es in Heilbronn heute und in Zukunft überhaupt ein Interesse an Konzerten solcher Größenordnung gibt.

 

+++Update: 21. Juni+++

9.500 Besucher in drei Tagen. Das klingt zunächst nicht schlecht. Wenn man aber Kapazitäten von 17.500 Plätzen und Kosten von 700.000 Euro zu decken hat, ist das einfach zu wenig. Mit gerade einmal knapp über 50 Prozent Auslastung waren die drei Konzerte im Heilbronner Wertwiesenpark von Kris Kristofferson, Rea Garvey und der Kelly Family entschieden zu wenig nachgefragt. Rolf Weinmann, der mit seiner Agentur Provinztour in Neuenstadt die Konzerte veranstaltet hat, spricht gegenüber echo24.de von einem Defizit im mittleren bis oberen fünfstelligen Bereich.

Hat der Veranstalter Provinztour mit Kristofferson, Rea Garvey und der Kelly Family einfach auf die falschen Acts gesetzt? Waren die Preise mit 60 Euro und mehr einfach zu teuer? Ist das Konkurrenzangebot zu groß? Oder haben die Heilbronner generell wenig Lust auf Konzerte? Vor allem das Konzert von Kris Kristofferson im Heilbronner Wertwiesenpark war mit 900 Zuschauern wenig nachgefragt. Weinmann: "Kristofferson hatte zum Beispiel in Wuppertal, was ja auch keine Weltstadt ist, doppelt so viele Besucher wie in Heilbronn."

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Heilbronner Konzerte: Nähe zu Mannheim und Stuttgart entscheidend

Ist also das Heilbronner Publikum zu speziell? Weinmann: "Da kann man kein Pauschalurteil fällen. Das variiert von Veranstaltung zu Veranstaltung. Natürlich ist der Heilbronner Markt durch die Nähe zu Mannheim und Stuttgart kein einfacher und es herrscht immer noch bei vielen die Meinung vor, dass Qualität nur auswärts zu finden ist. Das ist einfach nicht richtig, aber irgendwie nur sehr schwer aus den Köpfen der Leute zu bekommen."

Letztendlich spielt sicher die große Anzahl des Veranstaltungsangebots ebenfalls eine Rolle. Auch beim Blacksheep-Festival in Bad Rappenau-Bonfeld und beim Würth-Open-Air in Künzelsau treten bekannte Acts auf. Wer es lieber alternativ und metallisch mag, der ist beispielsweise beim Sunstorm-Open-Air in Nordheim, beim Boarstream-Festival in Mulfingen-Buchenbach oder beim "Viel & Draußen"-Festival in Heilbronn gut aufgehoben. Und auch die Buga wirbt mit rund 5.000 Veranstaltungen im Rahmen der Blumenschau

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Konzerte im Heilbronner Wertwiesenpark: Löhne steigen, die Ticketpreise auch

Und auch die generelle Entwicklung auf dem Konzertmarkt macht die Situation für Veranstalter nicht einfach. Rolf Weinmann erklärt: "In den vergangenen Jahren sind nicht nur die Gagen extrem gestiegen, sondern auch die örtlichen Kosten wie Bühne, Technik, Personal, Security, GEMA und Ausfallversicherung."

Regelmäßige Konzertbesucher kennen zudem den Trend zu immer ausgefeilteren Lichtkonzepten und Pyroeffekten - und die kosten natürlich ebenfalls. Logische Folge: Die Ticketpreise steigen - und die Veranstalter machen, wie im Fall der Konzerte im Heilbronner Wertwiesenpark, trotzdem Verluste.

Rea Garvey spielte in Heilbronn vor 3.800 Zuschauern.

Konzerte im Wertwiesenpark: Gute Shows für gutes Geld

Wäre es da nicht im Sinne aller, das Show-Spektakel etwas herunterzufahren? Veranstalter Weinmann erklärt: "Wie aufwendig eine Show gestaltet wird, entscheiden ja nicht wir, sondern der Künstler. Wir müssen das dann nur umsetzen. Und ich glaube schon, dass die Leute durchaus bereit sind, für eine gute Show auch gutes Geld zu bezahlen. Nichtsdestotrotz würde ich mir manchmal wünschen, dass das 'Immer-mehr-Prinzip' beim Aufwand und bei den Preisen auch mal gestoppt wird."

Konzerte in Heilbronn: Zuschauer lieben, was sie kennen

Und auf welche Events fahren die Heilbronner ab? "Generell haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Heilbronner bei Veranstaltungen gerne das konsumieren, was sie kennen. Neue Trends als erstes in Heilbronn zu präsentieren, ist nicht unbedingt die beste Idee."

Ob es die Open-Air-Konzerte im Heilbronner Wertwiesenpark auch in Zukunft geben wird, lässt Weinmann derzeit noch offen. Aber auch auf dem Konzertmarkt gilt: Was nicht ausreichend nachgefragt wird, hat langfristig wohl kaum Zukunft. Und wer für den Fortbestand einer liebgewonnenen Tradition ist, sollte diese am besten schon heute unterstützen. Sonst ist die Trauer im Nachhinein oft groß.

+++Ursprungstext 19. Juni+++

Das Wetter war prächtig, die Künstler gut aufgelegt und die Fans begeistert. Im Rückblick klingt es wie ein rundum gelungenes Konzertwochenende im Heilbronner Wertwiesenpark. Und doch könnten es die letzten großen Open-Air-Konzerte im Wertwiesenpark gewesen sein. Denn aus wirtschaftlicher Sicht waren die Shows von Kris Kristofferson am Freitag, Rea Garvey am Samstag und der Kelly Family am Sonntag niederschmetternd.

Zur Kelly Family sind rund 4.800 Fans in den Heilbronner Wertwiesenpark gekommen, bei Rea Garvey waren es immerhin noch 3.800. Mit gerade mal 900 Zuschauern blieb die Show von Kris Kristofferson weit hinter den Erwartungen zurück.

Heilbronner Wertwiesenpark: Zu wenige Konzertbesucher

Rolf Weinmann, Geschäftsführer des Veranstalters Provinztour, erklärt im Rückblick auf Nachfrage von echo24.de: "Es waren insgesamt drei tolle Konzerte, die Künstler, die Stimmung auf, vor und hinter der Bühne und auch die Fans waren phantastisch, das Wetter hat gepasst, aber es waren einfach zu wenige Besucher da."

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9.500 Gäste stehen einer Gesamtkapazität von 17.500 Zuschauern gegenüber. Macht eine Auslastung von knapp über 50 Prozent. Nicht genug, um die anfallenden Kosten von mehr als 700.000 Euro für das Konzertwochenende im Heilbronner Wertwiesenpark zu decken. Weinmann: "Ich rechne mit einem Defizit im mittleren bis oberen fünfstelligen Bereich."

Heilbronner Wertwiesenpark: Waren die falschen Stars da?

Hat Provinztour für die Konzerte im Heilbronner Wertwiesenpark mit Kris Kristofferson, Rea Garvey und der Kelly Family auf die falschen Acts gesetzt? "Kris Kristofferson ist ein Weltstar, der vermutlich zum letzten Mal in Europa auf Tour war, da hätten wir schon mehr Besucher erwartet", erklärt Weinmann. In anderen Städten seien die Tickets des US-Countrysängers wesentlich besser verkauft worden.

Rea Garvey spielte am Samstag vor knapp 4.000 Zuschauern im Heilbronner Wertwiesenpark.

Weinmann selbstkritisch: "Vielleicht waren wir etwas zu ambitioniert und der Künstler und seine Musik sind zu speziell. Bei einer dreitägigen Veranstaltung muss man schauen, dass es möglichst wenig Überschneidungen gibt und für jede Altersgruppe was dabei ist."

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Heilbronner Wertwiesenpark: Auch Konzerte in der Zukunft?

Und was heißt das nun für zukünftige Konzerte im Heilbronner Wertwiesenpark? Weinmann kann noch nicht sicher sagen, ob es die Open Airs, für die im vergangenen Jahr beispielsweise Adel Tawil und Sarah Connor gebucht waren, weiterhin geben wird. Der Konzert-Veranstalter erklärt: "Jetzt müssen wir erst mal das Ergebnis dieses Jahres analysieren und sacken lassen, dann sieht man weiter."

Generell möchte Weinmann sein Open-Air-Engagement zurückfahren. "Und da reduziert man natürlich am ehestens dort, wo nicht wirtschaftlich zu arbeiten war, also zum Beispiel in Heilbronn."

Eine strategische Neuausrichtung und größere oder kleinere Bands zu buchen, kommt für Weinmann nicht infrage: "Insgesamt gesehen fahren wir mit unserem seitherigen Konzept ziemlich gut. Und bei Stadion-Acts liegt das finanzielle Risiko im siebenstelligen Bereich, das ist in Heilbronn sehr schwer zu erwirtschaften. Und kleinere oder auch kostenlose Veranstaltungen gibt es in der Region schon genug."

Bilder: Sarah-Connor-Fans stehen im Regen

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