110 Millionen Haftungsgrenze in Deutschland 

Nach Thomas-Cook-Pleite: Regierung will Kunden finanziell helfen - Heilbronner könnten profitieren

+
Die Thomas-Cook-Pleite sorgt für allerlei Unmut bei den Reisekunden.
  • schließen

Die Bundesregierung will Pauschalurlaubern des insolventen Reiseunternehmens Thomas Cook finanziell helfen. Bekommen auch betroffene Heilbronner ihr Geld zurück? 

  • Nach Pleite von Thomas-Cook blieben viele Reisende auf ihren Kosten sitzen. 
  • Die Schadenssumme liegt weit über der Versicherungssumme, mit der die Kunden abgesichert waren.  
  • Nun will die Bundesregierung Thomas-Cook-Kunden finanziell helfen. 

Die Bundesregierung will Pauschalurlaubern des insolventen Reiseunternehmens Thomas Cook nach Angaben der ARD finanziell helfen. Dabei gehe es um jenen Betrag, für den der zuständige Versicherer nicht aufkommen werde.

Nach Thomas-Cook-Pleite: Versicherungsschutz reicht nicht aus - Regierung will helfen 

Update, 11. Dezember 2019: Nach der Pleite des deutschen Reisekonzerns Thomas-Cook im November hatte die Versicherung  mitgeteilt, dass die Betroffenen einen Schaden von 250 Millionen Euro gemeldet hätten. Denn anders als Individualtouristen sind die Pauschalurlauber versichert, wenn ihr Reiseveranstalter pleite geht und die gebuchten Ferien ausfallen. Doch im Fall von Thomas-Cook zeigten sich die Grenzen der gesetzlichen Sicherung - da die Haftungsgrenze der Versicherung in Deutschland bisher bei 110 Millionen Euro liegt.

Im Fall der Thomas-Cook-Pleite reichen die 110 Millionen Euro jedoch nicht aus. Aufgrund dessen ist eine Debatte entbrannt, wer den ausstehenden Betrag nun übernimmt. Erste Anwälte haben sich bereits in Stellung gebracht. Sie werfen der Bundesregierung vor,geltendes EU-Recht nicht korrekt umgesetzt zu haben, berichtet die dpa. Die EU-Richtlinie verpflichte Mitgliedstaaten dazu, Pauschalreisenden im Falle einer Insolvenz des Veranstalters einen finanziellen Komplettschutz. Das aber habe der deutsche Staat bisher versäumt! 

Thomas-Cook-Pleite: Folge von Fehlentscheidungen

Erstmeldung, 4. Oktober 2019: Die Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook kam für viele Reisende und Reisebüros überraschend. Für Reisebüro-Inhaber Mohamed El Awdan aus Heilbronn war es jedoch die logische Folge zahlreicher Fehlentscheidungen der Führung des Reise-Giganten. "Das ist schlechtes Management. Thomas Cook ist entstanden, weil ein inkompetenter Manager den Namen geändert hat", sagt der Leiter des Reisebüros Travel Point in der Heilbronner Innenstadt. 

"Condor und Neckermann waren sehr berühmte Namen auf dem deutschen Markt. Auf dem englischen Markt hat Thomas Cook keinen Namen, weil das eine Reisebürokette und kein Reiseveranstalter ist. Durch diese Fehlentscheidungen kam dieser große Konzern ins Wanken." 

Heilbronner Experte: Thomas-Cook-Pleite war abwendbar

Awdan, der nach eigener Aussage seit der Insolvenz von Hetzel-Reisen im Jahr 1994 alle großen Pleiten in der Reisebranche mitgemacht hat, sieht aber auch die allgemeine Situation auf dem Markt als Problem. "Eigentlich gibt es seit fast 30 Jahren Turbulenzen bei den großen Reiseveranstaltern. Die versuchen, miteinander zu fusionieren. Aber manchmal klappt das nicht", erklärt Awdan. Hierbei gehe es laut Awdan oftmals auch nicht mit rechten Dingen zu. Auch die Pleite von Thomas Cook, wäre seiner Ansicht nach mit einem Überbrückungskredit, wie Condor ihn in Deutschland erhalten hat, zu verhindern gewesen. Dieser war aber von der britischen Regierung blockiert worden.

Mohammed El Awdan vom Heilbronner Reisebüro Travel Point: "Das ist schlechtes Management."

Den Online-Reisebüros gibt der Heilbronner Awdan ebenfalls eine Mitschuld an der Pleite von Thomas Cook. Neben der Konkurrenz für die klassischen Reisebüros haben diese sehr hohe Provisionen von den Reiseveranstaltern wie Thomas Cook verlangt. "Thomas Cook zahlt im Schnitt elf Prozent, die Online-Portale verlangen 15,16, 20 Prozent.", sagt der Inhaber des Heilbronner Reisebüro Travel Point. Der Brexit hat seiner Meinung nach hingegen keinen Einfluss gehabt.

Nach Thomas-Cook-Pleite: Glück im Unglück für Reisebüros

Trotz allem seien die Reisebüros bei der Thomas-Cook-Pleite mit einem blauen Auge davongekommen: "Wir haben Glück im Unglück gehabt, weil es nach den Sommerferien passiert ist. Wäre es am Anfang der Sommerferien passiert, wie in anderen Konkursfällen, hätte uns das mehr beschäftigt." Hinzu kommt der Sicherungsschein, der seit Anfang der 90er Jahre bei Pauschalreisen verpflichtend ist. Hier kritisiert Awdan die zuständige Zürich Versicherung jedoch hart: „Die Züricher Versicherung hat eine zu niedrige Versicherung abgeschlossen. Und so verlieren die Kunden einen Teil ihres Geldes“, sagt Awdan. Auch Bundesregierung trage eine Mitschuld, die die Summe in ihrem Gesetzt zu niedrig festgelegt hat. Zudem gelte die Summe für alle insolventen Anbieter innerhalb eines Geschäftsjahres.

Um das zu verhindern, begleitet der Heilbronner Awdan die Kunden mit seinem Reisebüro Travel Point durch den Prozess. Neben Reisenden, die bei ihm gebucht haben, bietet er auch Touristen, die online gebucht haben, diesen Service an. "Es ist ein sehr großer Aufwand für uns, um den Kunden zu begleiten, bis er seine Reise antreten kann. Es gibt ja jetzt zwei Anbieter, die Alternativen für den Kunden bieten", sagt Awdan. 

Thomas Cook: FTI und Schauinsland Reisen springen ein

Bei den Urlaubsrettern handelt es sich um Schauinsland Reisen und FTI. Da bei Schauinsland jedoch 20 Prozent Stornogebühren anfallen können, sollte der Reisende doch mit Thomas Cook fliegen, rät Awdan zu FTI. Hier bucht der Kunde eine Option, die er  "bis zu fünfmal verlängern kann", bis er weiß, ob seine Reise mit Thomas Cook stattfindet oder eben nicht.

Von Simon Mones

Das könnte Sie auch interessieren