Der „Gerippte Brachkäfer“ und seine Verwandten

Angriff von oben: Mai- und Junikäfer in der Region Heilbronn

Junikäfer auf einer Rosenblüte: Durch das warme und trockene Wetter der vergangenen Wochen haben die Käfer ihren Reifeprozess besser überstanden als üblich.
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Für Mai- und Junikäfer ist aktuell Flugzeit. Doch wieso fliegen die Tierchen eigentlich so unkoordiniert, und sind sie gefährlich? (Symbolbild)
  • Christina Rosenberger
    vonChristina Rosenberger
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Unbeholfen fliegen sie durch die Gegend und attackieren Menschen — Mai- und Junikäfer sind aktuell wieder in und um Heilbronn unterwegs. Alle Fakten und Gefahren.

Achtung! Tiefflug! Überall in der Region ist momentan in der Dämmerung Ausweichen angesagt, denn für Mai- und Junikäfer ist Flugjahr — und die kleinen Tierchen sind leider nicht besonders zielsicher, wenn sie so durch den Abend taumeln. Sie verheddern sich in Haaren, fliegen einem ins Gesicht, oder knallen gegen die Windschutzscheiben diverser Autos. Doch sind Mai- und Junikäfer nur nervig, oder auch gefährlich?

Der Lebenszyklus eines Mai- oder Junikäfers ist ein merkwürdiges Phänomen. Die Tiere verbringen nämlich den Großteil ihres Lebens unter der Erde. Die Larven der Käfer, die man auch unter dem Namen Engerlinge kennt, leben zwei bis fünf Jahre lang im Erdreich und verpuppen sich erst im Frühjahr des dritten Jahres. Im Mai oder Juni, wenn das Wetter in der Region um Heilbronn endlich wärmer wird, schlüpfen die ausgewachsenen Käfer schließlich. Tagsüber verstecken sie sich und in der Dämmerung warmer Nächte kriechen sie dann hervor.

Maikäfer oder Junikäfer: Wo ist der Unterschied, und wie gefährlich sind sie?

Die Käfer sind dann teilweise in großen Schwärmen unterwegs und haben es ziemlich eilig mit der Nahrungssuche — besonders Blätter von Laubbäumen schmecken sowohl den Junikäfern gut. In ihrer Käferform haben die Tierchen dann nur zwei bis drei Monate zum Leben. Denn schon nach der Paarung lassen die Männchen ihr Leben, die Weibchen legen Ende Juli ihre Eier und sterben dann.

Unter den Begriff Junikäfer fällt übrigens nicht nur eine bestimmte Käferart. Mit der Bezeichnung sind meist verschiedene Maikäfer-Arten gemeint. Die Bekannteste ist der sogenannte „Gerippte Brachkäfer“. Aber wieso sind Mai- und Junikäfer eigentlich so untalentierte Flieger? Das liegt laut dem mdr an ihrer Anatomie. Die Tierchen können zwei Zentimeter lang sein und haben zudem einen recht rundlichen Körper. Doch die Käfer haben es auch gar nicht nötig, besser zu fliegen.

Mai- und Junikäfer: Wieso fliegen die Tierchen so unkoordiniert?

René Sievert vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) erklärte dem mdr, dass Junikäfer nachts fliegen, wenn Vögel oder andere Fressfeinde schlafen. Beim Flug orientieren sie sich vor allem am Horizont. Außerdem liefert Sievert eine mögliche Antwort darauf, wieso Mai- und Junikäfer immer wieder auf Menschen landen. Er geht davon aus, dass die Tierchen einen aufrecht laufenden Menschen mit Bäumen verwechseln könnten.

Angst braucht man vor Mai- und Junikäfern übrigens nicht zu haben. Laut t-online.de sind die „Torkelkäfer“, wie sie auch genannt werden, überhaupt nicht gefährlich. Sie beißen und stechen nicht. Gefährlich sind da schon eher die Engerlinge — wenn auch nicht unmittelbar für den Menschen.

Maikäfer und Junikäfer — wie man Engerlinge bekämpfen kann

Denn die Larven der Junikäfer schädigen Wurzeln und Pflanzen. Die unersättlichen Maden vertilgen dabei große Mengen an Wurzelwerk — besonders die von Laubbäumen. Im schlimmsten Fall bringen Engerlinge die Bäume sogar zu Absterben — und selbst Rasenflächen sind nicht vor ihnen sicher. Deshalb gilt es jetzt, den Käfern die Eiablage zu erschweren, bevor die Population ihrer Larven im Herbst weiter ansteigt.

Dabei hilft es laut baumpflegeportal.de zum Beispiel, Pflanzscheiben mit Bodendeckern zu bepflanzen, oder sie zur Flugzeit der Käfer, also jetzt, abzudecken. Und eine Taktik, die sogar einen schönen Nebeneffekt hat, ist: Die natürlichen Fressfeinde der Mai- und Junikäfer zu wie Igel und Vögel im Garten zu unterstützen. Eine „wilde“ Ecke im Garten zieht die Insektenfresser beispielsweise an. Somit wäre gleich auf mehreren Ebenen der Natur etwas Gutes getan.

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