Betroffene sind auch Männer

Gewalt gegen Männer: Wo gibt es Hilfe?

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Auch bei Männern kommt häusliche Gewalt vor. (Symbolbild)
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Häusliche Gewalt kann in Einzelfällen auch Männer betreffen. Eigene Beratungsstellen, die unverbindlich Helfen, gibt es in Heilbronn aber noch nicht.

  • Bei häuslicher Gewalt bieten die Beratungsstellen in der Region Heilbronn Hilfe an.
  • Häusliche Gewalt zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten, Kulturen und beide Geschlechter.
  • Innenministerium startet Pilotprojekt zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt.

Hilfe bei häuslicher Gewalt: Pilotprojekt "Bekämpfung häuslicher Gewalt" gestartet

Update vom 10. Februar: Jeden Tag gibt in einer Beziehung brutale Schläge, körperliche Misshandlung oder psychische Erniedrigung. Das Schlimme: Oft kommen diese Verbrechen gar nicht ans Licht - aber die Täter ungestraft davon. Aus Angst und Scham kommt es nicht zur Anzeige, die Verbrechen werden nach außen hin vertuscht. Aber das muss nicht sein! In Heilbronn gibt es anonym und kostenfrei Hilfe, zum Beispiel bei der Diakonie Heilbronn oder beim Verein "Frauen helfen Frauen". Hier finden die Betroffenen ein offenes Ohr und werden - bei Bedarf - in eines der Frauenhäuser in Deutschland vermittelt.

Um künftig noch gezielter gegen häusliche Gewalt vorzugehen, wurde jetzt das Pilotprojekt "Bekämpfung Häuslicher Gewalt" ins Leben gerufen. Herzstück dieses Projekts ist eine hochmoderne, wissenschaftliche Risikoeinschätzung sowie eine daran gekoppelte Koordinierungsstelle. Konkret werden die Abläufe bei Häuslicher Gewalt von polizeilichen Expertinnen und Experten genauer untersucht und Vorschläge zur weiteren Verbesserung erarbeitet. Die Vorschläge reichen dabei von einer Risikoanalyse bis hin zum Opferschutz und individuell erarbeiteten Empfehlungen.

Hilfe bei häuslicher Gewalt: Pilotprojekt schon in intensiver Testphase

Schon seit Ende letzten Jahres wird das Pilotprojekt in den Polizeipräsidien Mannheim und Ulm erprobt. Angelehnt ist das von Innenminister Thomas Strobel gestartete Projekt an ein in Kanada entwickeltes Prognoseinstrument, kurz: ODARA. Ergänzt wurde es durch ein für die Polizei in Baden-Württemberg wichtiges Bewertungsbarometer. In der Praxis analysiert die Polizei, mithilfe eines Fragebogens, jeden Fall von häuslicher Gewalt genau und teilt diesen in verschiedene Risikostufen ein. Durch diese besondere Art der Risikoeinschätzung lassen sich die dringend notwendigen Folgemaßnahmen für die Betroffenen besser einschätzen. Strobl: "Bei Gewalt muss unser Blick vor allem in Richtung der Opfer gehen. Ihnen muss man helfen, sie muss man schützen." Ob das mit dem neuen Ansatz besser gelingt, wird sich zeigen.

Investiert wurde zumindest viel. Das zeigen die für das Projekt eingerichteten Koordinierungsstellen in den Polizeipräsidien, die vor allem Raum für den notwendigen Informationsaustausch zwischen den einzelnen Stellen schaffen sollen. Ziel dieser Arbeit soll sein, "Opfer von Häuslicher Gewalt absolut passgenau zu unterstützen und ihnen zu helfen“, erklärt Dr. Stefanie Hinz, Landespolizeipräsidentin von Baden-Württemberg. Gespannt sein kann man auf die Auswertung der Ergebnisse, die nach Abschluss der Testphase präsentiert werden sollen.

Heilbronn: Häusliche Gewalt an Männern ist kein Tabu-Thema mehr

Update vom 23. Januar: Von Stalking über Körperverletzung bis hin zur Vergewaltigung - Gewalt-Delikte in der Partnerschaft sind häufiger als man denkt. 2014 erfasste das Bundesamt für Familie, Jugend und Senioren 126.230 Fälle von partnerschaftlicher Gewalt - 2018 waren  es schon 140.755. Was dabei die wenigsten wissen: Auch die häusliche Gewalt gegenüber Männern ist ein immer wieder diskutiertes Thema. Man spricht zwar von Einzelfällen, "trotzdem haben wir auch immer wieder männliche Betroffene von häuslicher Gewalt in unserer Beratungsstelle, erklärt Alexandra Gutmann, die auf ihre 25-jährige Berufserfahrung zurückblicken kann.

Hilfe bei Gewalt: Männerhaus in Heilbronn?

Aber wohin als Betroffener? Ein reines "Männerhaus" gibt es nicht.  Beratungsangebote sind grundsätzlich auf Frauen ausgelegt - eine speziell auf Männer ausgerichtete Beratungsstelle gibt es in der Region nicht, erklärt Gutmann auf Nachfrage von echo24.de. Männliche Betroffene aus Heilbronn sind daher oft auf allgemeine Beratungsstellen angewiesen. Das können beispielsweise psychologische Anlaufstellen sein, wie sie beispielsweise von der Diakonie Heilbronn oder der Caritas angeboten werden.

"Dies liegt zum einen daran, dass Männer oft mehr Möglichkeiten haben, wenn sie von häuslicher Gewalt betroffen sind", erklärt Silvia Payer, die Frauenbeauftragte der Stadt Heilbronn. Meist haben diese einen größeren finanziellen Spielraum oder können im Akutfall bei Familie oder Freunden unterkommen, erklärt Payer weiter. Oft passe es auch nicht zum klassischen Rollenbild, dass sich Männer Hilfe suchen.

Heilbronn: "Häusliche Gewalt bei Männern passt nicht zum Rollenbild"

Von einem konsequenten Eingreifen sieht man aufgrund der wenigen Einzelfälle zurzeit ab, trotzdem müsse man die Beratungsstellen ausbauen und sich auch auf männliche Betroffene spezialisieren, erklärt Gutmann. Das fängt bei männlichen Beratern in Beratungsstellen an und geht bis hin zu reinen "Männerhäusern", wie sie in größeren Städten teilweise schon geplant sind.

Klar ist aber: Häusliche Gewalt an Männern, ob psychisch oder verbal, ist mittlerweile keine Illusion mehr - ob man als Betroffener in Heilbronn die passenden Hilfsangebote in Anspruch nehmen kann, ist stattdessen fraglich.

Doch nicht nur die Partnerschaft ist immer wieder Schauplatz von Gewalttaten. Erst diese Woche waren die Ausschreitungen vor dem DEL2-Derby der Heilbronner Falken gegen die Bietigheim Steelers Hauptgesprächsthema unter den Fans.

Häusliche Gewalt gibt es öfter als man denkt

Erstmeldung vom 17. Januar: Verprügelt, verletzt und oft aufs Schlimmste misshandelt – jede Stunde wird eine Frau in Deutschland, statistisch gesehen, von ihrem Mann gefährlich verletzt. Doch häufig bleiben die Fälle von häuslicher Gewalt gegen Frauen unerkannt – aus Angst, aber auch aufgrund von Schamgefühlen.

Heilbronn: Zwei Frauenhäuser bieten Schutz und Beratung bei häuslicher Gewalt

Hilfe im Ernstfall, Beratung, Begleitung und Schutz im Fall von häuslicher Gewalt gegen Frauen – das sind nur ein Teil der Aufgaben, die die Frauenhäuser in der Region Heilbronn bewältigen müssen. Doch Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung in der Bevölkerung zahlen sich aus: Hilfsangebote werden verstärkt wahrgenommen.

Heilbronn: Häusliche Gewalt gegen Frauen kennt keine kulturellen Unterschiede

Führen kulturelle Unterschiede zu einem steigenden Bedarf an Hilfsangeboten bei Gewalt gegen Frauen in Heilbronn? "Dazu gibt es natürlich Statistiken. Fakt ist: Häusliche Gewalt geht durch alle Bevölkerungsschichten", erklärt Alexandra Gutmann, Leiterin der Beratungsstelle gegen häusliche Gewalt der Diakonie Heilbronn

Ulrike Allinger, Mitarbeiterin im Frauenhaus von "Frauen helfen Frauen" in Heilbronn, erklärt sich die höhere Anzahl von Migrantinnen in Frauenhäusern in Heilbronn durch die fehlende Verankerung in der Gesellschaft. "Einheimische Frauen haben in der Regel größere Netzwerke, einen Freundes- und Verwandtenkreis und die finanziellen Ressourcen, um eine eigene Wohnung zu finden."

Häusliche Gewalt in Heilbronn: Signale richtig deuten

Ist eine Frau häuslicher Gewalt ausgesetzt? Nicht immer lässt sich das eindeutig bestimmen. Diese Verhaltensweisen können aber ein Hinweis sein:

  • Sozialer Rückzug: Die Betroffenen meiden die Öffentlichkeit sowie den Kontakt zu Freunden oder Familie.
  • Psychische Erkrankungen: Körperliche Gewalt wird oft durch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Suizid-Gedanken begleitet. "Oft ist auch ein erhöhter Suchtmittel-Konsum ein mögliches Signal", erklärt Gutmann.
  • Körperliche Verletzungen: Ständig auftretende Verletzungen sind ungewöhnlich. Blaue Flecken, Wunden oder Schrammen können somit ebenfalls ein Hinweis auf häusliche Gewalt sein.

Häusliche Gewalt gegen Frauen: Wie können Betroffene und Zeugen in Heilbronn reagieren?

"In akuten Fällen von häuslicher Gewalt gegen Frauen ist die Polizei der richtige Weg", sagt Gutmann. Ansonsten kann es sinnvoll sein, als Vermittler an eine Beratungsstelle zu verweisen. Vorurteile gegenüber Hilfsangeboten müsse man abbauen. Grundsätzlich gilt: Als Opfer und Helfer bei häuslicher Gewalt vorsichtig sein! Dass heißt auch: Telefon- und Browserverlauf löschen. Gutmann: "Sprecht die Betroffenen an!" Unter der bundesweit einheitlichen Rufnummer 08000-116016 kann man sich rund um die Uhrin verschiedenen Sprachen beraten und bei Bedarf an eine Beratungsstelle, wie die von der Diakonie Heilbronn, vermitteln lassen. 

"Hier machen wir eine individuelle Analyse nach dem Ampel-Schema. Grün bedeutet nicht gefährdet, Orange heißt schutzbedürftig aber nicht stark bedroht, Rot heißt: akute Gefahr – sofortige Maßnahme erforderlich. Ein Umzug ins Frauenhaus, möglichst weit weg, wird dringend empfohlen. "In der Regel passiert das innerhalb weniger Tage", erklärt Gutmann.

Heilbronn: Begrenzte Plätze und begrenzter Aufenthalt im Frauenhaus nach häuslicher Gewalt?

Wie lange man im Frauenhaus bleiben kann, hängt vom individuellen Fall ab. "Theoretisch kann eine Frau so lange unterkommen, solange sie Hilfe benötigt", erklärt Allinger. Nach zwölf Monaten fällt die Finanzierung durch den Staat weg. Anschließend kann die Frau auf Kosten der Träger weiter im Frauenhaus wohnen. Man stehe bei häuslicher Gewalt gegen Frauen in Kontakt mit der Obdachloseneinrichtung. In der Regel fänden die Frauen aber durch die Stadtsiedlung Heilbronn innerhalb eines Jahres eine eigene Wohnung, sagt Allinger.

Heilbronn: Hilfe bei häuslicher Gewalt gegen Frauen

Beratungsangebote in Heilbronn gibt es bei der Mitternachtsmission der Diakonie und bei Verein "Frauen helfen Frauen".

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