Legionellen im Trinkwasser?

Nach Legionellen-Todesfällen im Kreis Heilbronn: Maßnahmen wurden ergriffen

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Ein Legionellen-Ausbruch im Kreis Heilbronn hat zwei Todesopfer gefordert. Das Gesundheitsamt hat mehrere Maßnahmen ergriffen, um weiteren Infektionen vorzubeugen.

Update, 22. Juli: Im Landkreis Heilbronn hat es einen Legionellen-Ausbruch gegeben – zwei Personen sind an einer Infektion mit den Erregern gestorben. Die Legionellen hatten bei fünf Menschen zu gefährlichen Lungenentzündungen geführt. Das Landratsamt Heilbronn teilt mit, dass auch heute keine weiteren Fälle von Legionellose bekannt geworden sind.

Alle aufgeforderten Firmen haben gegenüber dem Gesundheitsamt den Nachweis erbracht, ihre Anlagen überprüft zu haben. Es ist allerdings durchaus möglich, dass die Ursache des Ausbruchs nicht gefunden werden kann, da Anlagen bereits im Zuge des normalen Betriebsablaufs desinfiziert wurden und Legionellen nicht mehr nachzuweisen sind.

Zusätzlich sind beim Landratsamt einige Anrufe von Firmen mit Verdunstungskühlanlagen eingegangen, die mitteilten, dass diese die Anlage vorsichtshalber bereits desinfiziert haben, obwohl sie keine Anordnung des Landratsamts erhalten haben.

Legionellen im Landkreis Heilbronn: So kann einem Ausbruch vorgebeugt werden

Das Landratsamt Heilbronn hat zum Thema Legionellen noch einen Tipp: Aufgrund der coronabedingt notwendigen Lockdowns waren im Allgemeinen viele Einrichtungen lange geschlossen. Durch die Schließungen wurden auch die Wasserleitungen in den Einrichtungen lange nicht gespült. Es wird allgemein empfohlen, dass Leitungen, die länger nicht in Gebrauch waren, gespült werden. Dies gilt generell - auch ungeachtet der momentanen Situation. Zusätzlich können Privathaushalte grundsätzlich die Heiß-Wassertemperatur auf über 60 Grad einstellen, da Legionellen bei diesen hohen Temperaturen absterben, heißt es in der Pressemitteilung.

Legionellen im Kreis Heilbronn: Landratsamt gibt Update nach Todesfällen

Update, 19. Juli: Nach dem Ausbruch von Legionellen im Landkreis Heilbronn ist das Landratsamt weiter auf der Suche nach der Ursache. Die Erreger hatten bei fünf Menschen zu gefährlichen Lungenentzündungen geführt, zwei Menschen waren sogar ums Leben gekommen.

Wie das Landratsamt am heutigen Montag mitteilt, müssen drei Firmen ihre Verdunstungskühlanlagen von Experten desinfizieren lassen. Bislang wird vermutet, dass die Legionellen sich über zerstäubtes Wasser aus einer solchen Anlage verbreitet haben könnten.

Heilbronn: Nach Legionellen-Ausbruch mit Toten - Landratsamt gibt Update

„Die angeschriebenen drei Firmen sind verpflichtet die ordnungsgemäße Desinfektion bis Mittwoch 21. Juli beim Landratsamt nachzuweisen“, heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung. Sollte der Nachweis nicht erfolgen, prüfe das Gesundheitsamt eine „Betriebsuntersagung“.

Trotz der Befürchtung, dass es zu einer weiteren Ausbreitung der Erreger kommen könnte, wurden bislang allerdings keine weiteren Fälle von Erkrankungen gemeldet. Auch „Anrufe von besorgten Bürgern“ seien bislang ausgeblieben heißt es vom Landratsamt.

Heilbronn: Zwei Tote durch Legionellen in der Region

Erstmeldung, 17. Juli: Im Weinsberger Tal im Kreis Heilbronn sind bereits zwei Menschen durch Legionellen ums Leben gekommen. Insgesamt infizierten sich nach Angaben des Landratsamtes bislang fünf Männer und Frauen und erlitten gefährliche Lungenentzündungen. Die Patienten stammten aus Obersulm, Ellhofen, Weinsberg und Löwenstein, teilte das Amt am Donnerstag (15. Juli) mit. Es handele sich überwiegend um Männer mittleren und älteren Alters.

Legionellen sind kleine Bakterien, welche weltweit verbreitet sind und am besten in warmem Süßwasser gedeihen. Die optimalen Lebensbedingungen für Legionellen sind Temperaturen zwischen 25 und 50 Grad. Ab 60 Grad werden Legionellen abgetötet. Legionellen können bei Menschen Krankheiten auslösen – von grippeartigen Beschwerden (Ponitac Fieber) bis hin zu schweren Lungenentzündungen (Legionärskrankheit oder auch Legionellen-Pneumonie).

Die Inkubationszeit beträgt für das Pontiac-Fieber, also eine „Legionellose“ ohne Lungenentzündung, zwischen 5 und 72 Stunden, die Legionärskrankheit bricht zwei bis zehn Tage nachdem sich infiziert wurde, aus. Es wurden aber auch schon längere Inkubationszeiten von 16 bis 26 Tage beobachtet, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtet.

Zwei Legionellen-Tote im Raum Heilbronn: So übertragen sich die potenziell tödlichen Bakterien

Die Erreger werden häufig durch zerstäubtes Wasser übertragen, etwa in Duschen, Whirlpools, durch Luftbefeuchter oder über Wasserhähne. Sie können auch in Warmwassererzeugungs- und Warmwasserverteilungsanlagen, Wasserbädern, Schwimmbädern und Klimaanlagen leben. „Mensch-zu-Mensch-Übertragungen spielen bei Legionellosen in der Praxis keine Rolle. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher nur in einem Fall beschrieben“, heißt es auf der Seit des RKI.

Eine Übertragung von Legionellen ist prinzipiell durch Kontakt mit Leitungswasser möglich, wenn die Legionellen in die tiefen Lungenabschnitte gelangen. Nicht jeder Kontakt mit Wasser, in den Legionellen vorkommen, führt zwingend zu einer Gesundheitsgefährdung. Erst das Einatmen des bakterienhaltigen Wassers als Bioaerosol kann zur Infektion führen. Das Trinken von legionellenhaltigem Wasser ist für Personen mit intaktem Immunsystem keine Gesundheitsgefahr.

Legionellen-Erkrankungen und Tote in Heilbronn – wie gefährlich ist Leitungswasser?

Experten des Heilbronner Gesundheitsamtes gehen allerdings derzeit nicht davon aus, dass verunreinigtes Trinkwasser die Ursache für die Infektionen ist. Die Erkrankten wohnten in unterschiedlichen Orten, es gebe mehrere Wasserversorger. „Auch die umliegenden Kläranlagen wurden beprobt“, sagte eine Sprecherin des Amtes geegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Wir gehen davon aus, dass die Ursache in einer Verdunstungskühlanlage zu finden ist.“ Das Gesundheitsamt befürchtet allerdings, dass es nicht bei fünf Fällen bleiben könnte.

Die deutsche Trinkwasserverordnung schreibt eine regelmäßige Untersuchungspflicht durch geschultes Personal auf Legionellen vor. Diese betrifft alle Unternehmer und sonstigen Inhaber von Trinkwasser-Installationen mit Großanlagen zur Trinkwassererwärmung, sofern aus diesen Trinkwasser abgegeben wird und es zu einer Vernebelung – zum Beispiel beim Duschen – kommt. In Deutschland ist der direkte oder indirekte Nachweis von Legionellen meldepflichtig.

Legionellen-Infektionen gibt es weltweit. „Deutschland liegt mit einer Meldeinzidenz von 1,7 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner (2018) leicht unter dem aktuellen europäischen Durchschnitt von 1,8 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner“, heißt es auf der Seit des Robert-Koch-Instituts (RKI). Allerdings wird von einer Dunkelziffer ausgegangen. „Aus Studieninformationen wird die tatsächliche Inzidenz nicht-Krankenhaus-assoziierter Fälle von Legionärskrankheit auf etwa 18 bis 36 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner geschätzt.“

Legionellen-Erkrankungen in Heilbronn: Wer ist besonders gefährdet?

Der erste Fall aus dem Kreis Heilbronn sei vor mehr als einer Woche von einem Krankenhaus in Bad Friedrichshall gemeldet worden. Die beiden verstorbenen Männer hatten laut Gesundheitsamt eine Vorerkrankung und waren 49 und 81 Jahre alt. Eine Legionellen-Pneumonie lässt sich in der Regel mit geeigneten Antibiotika wirksam bekämpfen. Das Pontiac-Fieber erfordert keine antibiotische Therapie. Hier wird in der Regel nur eine symptomatische Behandlung empfohlen.

Besonders anfällig für Legionellen sind Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und mit bestimmten Grunderkrankungen wie zum Beispiel Diabetes sowie Herz- und Lungenleiden. Auch Raucher und ältere Menschen gelten als gefährdeter. Männer erkranken zwei- bis dreimal so häufig wie Frauen, erklärt das RKI. Bei etwa fünf bis zehn Prozent der Patienten verläuft die Erkrankung tödlich.

Baden-Württemberg scheint es momentan ganz schön zu erwischen. Denn – mal abgesehen von dem Coronavirus – breitet sich aktuell auch das Hantavirus aus. Und auch in der Luft droht eine Gefahr für die Gesundheit: Die Tigermücke. Aber nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere geht momentan ein gesundheitliches Risiko von Gewässern aus: Eine Tierseuche breitet sich in Baden-Württemberg aus, welche von Hunden übertragen wird und Flusskrebse sterben lässt.

Dennoch gilt: Kein Grund zur Panik – die Wahrscheinlichkeit bei einem Verkehrsunfall zu sterben, ist in allen Fällen viel höher. Eine gesunde Vorsicht und eine schnelle Reaktion bei Auftreten von Symptomen ist allerdings angemessen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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