Urteil gegen die 22-jährige Mutter wurde verkündet

Ausgesetztes Baby: Mutter (22) in Heilbronn zu Haftstrafe verurteilt

Vor dem Gebäude des Landgerichts Heilbronn steht ein Hinweisschild. (Archiv)
+
Eine 22-jährige Mutter stand wegen versuchten Totschlags vor dem Heilbronner Landgericht und wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. (Archivbild)
Alle Autoren
    schließen
  • Lisa Klein
    Lisa Klein
  • Christina Eppel
    Christina Eppel
  • Fabio Bernhardt

In Heilbronn wurde am Mittwoch eine 22-jährige Frau vor dem Landgericht verurteilt – sie hatte ihr Baby im September 2021 am Feldrand in Schwäbisch Hall ausgesetzt. 

Update, 25. Mai: Es ist ein tragisches Schicksal, das am Mittwoch vor dem Landgericht Heilbronn behandelt wurde – eine 22-jährige Frau hatte Anfang September 2021 ihr erst wenige Stunden altes Baby auf einem Weg am Stadtrand von Schwäbisch Hall ausgesetzt. Glücklicherweise konnte der Junge rechtzeitig von einer Passantin entdeckt werden, wurde umgehend in ein Krankenhaus gebracht und hat überlebt. Dennoch musste sie sich wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten. Das Urteil: Eine mehrjährige Haftstrafe.

Landgericht Heilbronn verurteilt Mutter wegen ausgesetztem Baby

Die junge Frau hatte sich erst mehrere Wochen nach der Tat freiwillig bei der Polizei gemeldet. Im Zuge der Verhandlung gestand die 22-jährige Mutter bereits, ihren Säugling ausgesetzt zu haben. Das Motiv: Verzweiflung und Ratlosigkeit. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, sieht die junge Frau ihre Tat mittlerweile als „riesengroßen Fehler“.

Die Staatsanwälte sind der Ansicht, die 22-jährige Angeklagte habe sich durch das Verlassen ihres Neugeborenen zumindest „mit der Möglichkeit seines Todes abgefunden.“ Die geforderte Strafe: Vier Jahre und drei Monate Gefängnis. Die Verteidigerin der jungen Mutter forderte eine Bewährungsstrafe, denn der Fall sei „an Emotionalität und Leid für alle nicht zu überbieten.“ Ihre Mandantin werde, so die Verteidigerin, die Last „für immer mit sich tragen.“

Letztendlich kam es zu einer mehrjährigen Haftstrafe. Drei Jahre muss die junge Mutter ins Gefängnis, wie der SWR berichtet. „Weinend und laut schluchzend nahm die 22-jährige Mutter das Urteil auf“, heißt es. Ihre Haftstrafe muss sie nicht in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Schwäbisch Gmünd absitzen, sie darf selbst entscheiden, wie sie die Reststrafe verbüßen wird. Das Gericht scheint die Emotionalität rund um diesen Fall anzuerkennen: Laut SWR soll der Vollzug so gestaltet werden, dass er sowohl dem Rechtsstaat als auch den beiden Kindern der jungen Frau gerecht werde.

Landgericht Heilbronn: Neugeborenes auf Feldweg ausgesetzt – Mutter angeklagt

Erstmeldung, 10. März: In Heilbronn hat heute Vormittag der Prozess gegen eine 22-jährige Frau begonnen. Ihr wird versuchter Totschlag am eigenen Kind vorgeworfen. Laut Anklage hatte die junge Mutter im September 2021 ihr nur wenige Stunden altes Baby an einem Feldweg zurückgelassen. Nun gestand die 22-Jährige ihre Tat vor dem Heilbronner Landgericht.

Die junge Frau zeigte sich am ersten Verhandlungstag in Heilbronn reuevoll. „Ich habe einen riesengroßen Fehler gemacht, den ich nicht wieder gut machen kann“, bekannte sich die Täterin schuldig und beschrieb laut einer Erklärung ihres Verteidigers: „Ich habe keine Erklärung für meine Tat. Ich habe nach der Geburt meines Kindes nur wie ein Roboter funktioniert.“

Versuchter Totschlag in Heilbronn? Mutter setzte ihr Baby wohl auf einem Feldweg aus

Doch was war genau passiert? Laut Anklage hatte die damals 21-Jährige ihr Baby im September 2021 in eine weiße Plastikwanne gelegt und es auf einem Feldweg zurückgelassen. Zunächst fehlte jede Spur der Mutter, bis sich die Angeklagte nach fünf Wochen bei der Polizei meldete. Der Säugling wurden nach dem Fund direkt ins Krankenhaus gebracht.

Die Staatsanwaltschaft teilte der dpa mit, dass die Frau dem Jungen wohl kurz vor dem Aussetzen auf dem Feldweg eine unverträgliche Kuhmilch zum Trinken gegeben hatte. Dadurch habe sie sich mit der Folge des Todes ihres zurückgelassenes Kind abgefunden. Ermittlungen seitens der Staatsanwaltschaft bestätigten diese Angaben. Der Säugling war zu dem Zeitpunkt wohl erst wenige Tage alt gewesen.

Vor der 1. Schwurgerichtskammer sind im Prozess insgesamt fünf Verhandlungstage eingeplant, außerdem wurden 17 Zeugen und zwei Sachverständige geladen – die Angeklagte sitzt bereits seit Mitte Oktober in Untersuchungshaft.