Wegen versuchten Totschlags

Messer-Attacke in Asylheim: Täter vor Gericht

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Für Richter Roland Kleinschroth ist das kein neuer Fall: Zwei Asylbewerber geraten in eine heftige Auseinandersetzung und können es nicht gut sein lassen.

In einem Heilbronner Asylheim artet die Situation am 5. April 2016 komplett aus. Am Abend zuvor haben zwei Flüchtlinge eine heftige Auseinandersetzung, sie schlagen unter anderem mit Pfannen aufeinander ein - doch die tatsächlich schlimme Tat geschieht erst am darauffolgenden Tag. Nun muss sich einer der beiden wegen versuchten Totschlags vor dem Heilbronner Landgericht verantworten - und der zeigt sich alles andere als kooperativ.

Der 34-jährige, angeklagte D. hat bereits ein erstes Verfahren am Amtsgericht hinter sich - hierbei erhielt er ein Urteil von zehn Monate wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft und sogar er selbst legten allerdings Berufung ein. Richter Roland Kleinschroth will dem Angeklagten klarmachen: "Das Amtsgericht hat den Fall an uns weitergeleitet - jetzt sind wir im Schwurgericht gelandet, wo wir lebenslängliche Strafen verhängen können, das sollten Sie vorab wissen."

Nach der Auseinandersetzung am Vorabend musste D. ins Krankenhaus eingeliefert werden. Als er am nächsten Tag in die Asylunterkunft zurückkehrte, wendete er sich umgehend an den Sozialbetreuer und forderte den Umzug in eine andere Unterkunft. Der Grund: Er wollte sich kein Zimmer mehr mit dem Geschädigten K. teilen.

Als ihm klargemacht wurde, dass dies nicht möglich sei, spitzte sich die Situation zu. Zuerst eine hitzige Diskussion, dann plötzlich geht D. mit einem Küchenmesser auf K. zu. Er setzt dazu an, mit dem Messer den Halsbereich seines Opfers zu treffen - in letzter Sekunde geht der Hausmeister der Unterkunft aber dazwischen und fixiert D. am Boden, bis die Polizei kommt.

Seitens des Angeklagten folgen am ersten Prozesstag im Heilbronner Landgericht nur wirre Aussagen, Widersprüchlichkeiten und Lügen. Zuerst meint er, er habe nie die Absicht gehabt, K. zu verletzen. Bei der Polizei sagte er aus, er wollte K. mit dem Messer ins Gesicht stechen.

Kleinschroth wirft die Frage der Rache in den Raum: "Kann es sein, dass Sie dermaßen wütend wegen des Vorabends waren und weil Sie kein anderes Zimmer bekommen konnten, dass Sie ihn bedrohten und bereit waren, zu stechen?" D. sagt: "Das ist richtig. Natürlich war es ein Fehler von mir, aber ich gebe zu, dass ich das alles gemacht habe."

Der Hausmeister des Asylheimes ist einer der Zeugen am ersten Prozesstag. Er ist sich sicher: "Wäre ich nicht dazwischen gegangen, säßen wir heute wegen eines anderen Falles hier." Und auch D.s Sozialbetreuer meint: "Hätte ich ihn nach dem Vorfall nicht zurückgehalten, hätte er erneut den Kontakt zu K. gesucht."

Die Chancen für den 34-Jährigen stehen also eher schlecht. Kleinschroth: "Da Sie den Hals angepeilt haben, wollten Sie eine Region im Körper treffen, die hochgradig gefährlich ist. Wir machen hier klare Ansagen, die Kammer kennt keinen Schmerz. Wenn wir etwas ankündigen, dann ziehen wir das auch durch."

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