Pleitewelle der Krankenhäuser

Krankenhaus Rating Report 2021: Schlechte Wirtschaftslage – auch in Heilbronn?

Intensivstation
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Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser hat sich 2019 erneut verschlechtert. (Symbolbild)
  • Julia Cuprakowa
    VonJulia Cuprakowa
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Laut Krankenhaus Rating Report lagen 13 Prozent der deutschen Krankenhäuser 2019 im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr. Doch die SLK-Kliniken Heilbronn haben vorgesorgt.

Die Corona-Pandemie hatte Deutschland die letzten 1,5 Jahre fest im Griff. Während der Corona-Wellen waren die Intensivstationen – auch in Baden-Württemberg – fast komplett ausgelastet. Demnach könnte man meinen, dass die deutschen Krankenhäuser einen enormen Gewinn durch die Pandemie gemacht haben. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser in Deutschland hat sich im Jahr 2019 erneut verschlechtert. Das geht aus dem Krankenhaus Rating Report 2021 hervor.

Laut Bericht lagen 13 Prozent der deutschen Krankenhäuser im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr. Unter anderem sind auch die Jahresergebnisse gesunken. 33 Prozent der Kliniken schrieben auf Konzernebene einen Jahresverlust – 2018 waren es noch 31 Prozent. Im Jahr 2019 betrug das durchschnittliche Jahresergebnis 0,8 Prozent der Erlöse, im Jahr 2016 waren es noch 2,2 Prozent. Doch wie steht es um die Kliniken in Baden-Württemberg? Schreiben die Krankenhäuser des Landes, wie zum Beispiel der SLK-Kliniken-Verbund Heilbronn auch rote Zahlen? echo24.de hat beim SLK-Management nachgefragt.

Krankenhaus Rating Report 2021: Wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser hat sich erneut verschlechtert

Wie der Krankenhaus Rating Report 2021 weiter erläutert, seien die seit 2017 anhaltende Stagnation der Leistungsmenge für die schlechte wirtschaftliche Lage ausschlaggebend. Außerdem sank aufgrund der Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 die stationäre Fallzahl um dramatische 13 Prozent, in den ersten Monaten der Pandemie vorübergehend sogar um 30 Prozent.

Im Jahr 2020 waren 2 Prozent aller Betten und 4 Prozent aller Intensivbetten durch Covid-19-Patienten belegt. Auch im Jahr 2021 dürfte die Ausnahmesituation mit deutlich geringerer Leistungsmenge als 2019 bestehen bleiben, wie presseportal.de berichtet und beruft sich dabei das Ergebnis der siebzehnten Ausgabe des „Krankenhaus Rating Report“, der im Rahmen des „Hauptstadtkongress 2021 – Medizin und Gesundheit“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Er wurde gemeinsam vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen (BIB) und der HIMSS erstellt.

Krankenhaus Rating Report 2021: Schlechte Wirtschaftslage - aber nicht in Heilbronn

Doch wie steht es nun um die SLK-Kliniken Heilbronn? Auf Anfrage teilte die Stabsstelle der Unternehmenskommunikation echo24.de mit, dass SLK-Kliniken nicht von erhöhter Insolvenzgefahr betroffen sind. Denn: „In den vergangenen Jahren wurden zukunftsweisende Entscheidungen getroffen, wodurch der SLK-Verbund strukturell stabil aufgestellt ist.“

Im Klartext heißt das: Die Gesellschafter – die Stadt und der Landkreis Heilbronn – habe in den vergangenen Jahren viel investiert, um den SLK-Kliniken-Verbund stabil aufzustellen. Aber auch die staatlichen Ausgleichszahlungen hatten einen positiven und unterstützenden Effekt und nicht nur auf die SLK-Kliniken Heilbronn. Was versteht man unter Ausgleichszahlungen genau?

Ausgleichszahlungen als kleiner Booster für deutsche Krankenhäuser

Wie es im Krankenhaus Rating Report weiter heißt, wurden im Jahr 2020 insgesamt rund 10,2 Milliarden Euro für die Einnahmeausfälle der Krankenhäuser in Form von Ausgleichszahlungen ausgezahlt. Solche Einnahmeausfälle entstanden durch das Freihalten von Krankenhausbetten und Intensivbetten für die Covid-19-Patienten, erklärte ein Sprecher der SLK-Kliniken in Heilbronn.

Die Ausgleichszahlungen lagen in der Summe höher als die durch die Leistungsreduktion hervorgerufenen Mindererlöse der Krankenhäuser, sodass die Erlöse 2020 bei den somatischen Krankenhäusern durchschnittlich um etwa 3,7 Prozent und bei psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken durchschnittlich um etwa 10,6 Prozent zugenommen haben. Entsprechend dürfte sich die wirtschaftliche Lage der Kliniken 2020 kurzzeitig verbessern und 73 Prozent im „grünen“ sowie 9 Prozent im „roten“ Bereich liegen.

Krankenhaus Rating Report 2021: Schlechtes Rating für Baden-Württemberg - Heilbronn eine Ausnahme?

Trotz der Ausgleichszahlungen dürften sich die „zukunftsweisenden Entscheidungen“ des SLK-Verbundes ausgezahlt haben. Denn auch wenn große Krankenhäuser typischerweise ein besseres Rating haben als kleine und die Zugehörigkeit zu einer Kette sich positiv auf das Rating auswirkt, schneidet Baden-Württemberg am schlechtesten im Rating ab. Dasselbe gilt auch für Niedersachsen/Bremen.

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