Die Lichtspielhäuser kommen langsam wieder in Gang

Filmpaläste in Corona-Krise: Droht ein massenhaftes Kino-Sterben?

  • Daniel Hagmann
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Kaum Neustarts, vorsichtige Zuschauer. Wegen des Coronavirus mussten Kinos Umsatzverluste hinnehmen. Wie sieht die Zukunft von Cinemaxx und Co. in Heilbronn aus?

  • Im Coronavirus-Lockdown mussten Kinos wie das Cinemaxx in Heilbronn monatelang schließen.
  • Wegen der Abstandsregeln können die Kino-Betreiber ihre Säle bei Weitem nicht voll besetzen.
  • Wie sieht die Zukunft der Kinos aus?

Gerade Unterhaltungsfans fühlen sich in der Coronavirus-Zeit wie im falschen Film: Erst hatten die Kinos monatelang geschlossen. Nun, da die Lichtspielhäuser langsam wieder öffnen, bedeutet Vollbesetzung in den Kinosälen mehr leere als besetzte Plätze - selbst, wenn das Zuschauerinteresse da ist. Die Coronavirus-Hygieneregeln machen Abstände von mindestens eineinhalb Metern zwischen fremden Zuschauern auch in den Heilbronner Kinos im K3 und im Marrahaus notwendig.

Und außerdem: Neue, spannende Filme bleiben bislang vergleichsweise aus. Die großen Verleiher halten sich in Sachen Blockbuster-Veröffentlichungen eher zurück. Oder sie wählen, wie Disney, alternative Veröffentlichungswege: Das eigentlich fürs vergangene Frühjahr angekündigte Live-Action-Remake des Trickfilms "Mulan" kommt nun gar nicht in die Kinos, sondern ist für Zuschauer nur gegen zusätzliche Gebühr auf der neuen Streaming-Plattform "Disney+" abrufbar.

Heilbronn: Kino-Betreiber Cinemaxx kehrte als erstes nach Corona-Lockdown zurück

Es wirkt für Kino-Betreiber und Zuschauer auf den ersten Blick wie ein Teufelskreis in der Coronavirus-Zeit: Sind die Säle wie im Cinemaxx oder dem Arthaus-Kino in Heilbronn nur bedingt besetzt, halten die Studios ihre Filme zumindest teilweise zurück. Bei nur bedingt attraktivem Programm suchen sich die potenziellen Kino-Zuschauer - gerade jetzt, im Sommer -andere Freizeitbeschäftigungen. Auch wenn etwa die Badeseen im Raum Heilbronn ebenfalls nur eingeschränkt zugänglich sind. Doch die zögernden Zuschauer, die natürlich auch teilweise gesundheitliche Bedenken haben, halten die Auslastung der Säle gering - und das stimmt wiederum die Filmstudios nachdenklich, ob, wann und auf welchen Vertriebswegen sie ihre Filme der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Anaconda beißt sich also selbst in den Schwanz.

Doch wie gehen die Kino-Betreiber mit der aktuellen Situation um? Stimmen die sehr wohl anstehenden Blockbuster positiv oder droht in den kommenden Monaten gar ein deutschlandweites Kinosterben? Seit einigen Wochen hat auch das Cinemaxx-Kino im K3 in Heilbronn wieder geöffnet.

Frank Thomsen, der bundesweite Geschäftsführer des Kinounternehmens Cinemaxx, das auch in Heilbronn Gäste begrüßt, erklärt auf echo24.de-Nachfrage, dass Cinemaxx nach einem Rekordjahr 2019 und einem starken Start ins neue Jahr gut gewappnet in die aktuelle Situation gegangen sei. "Wir haben uns bewusst dazu entschieden, als erster Kinobetreiber Deutschlands an den Markt zurückzukehren! Wir wussten, dass es keine großen Filme geben würde. Insofern sind wir mit unseren Besucherzahlen zufrieden." Seit der Wiedereröffnung habe Cinemaxx bereits 400.000 Zuschauer deutschlandweit in den Sälen begrüßt.

Heilbronn: Leitsystem in Cinemaxx-Kino sorgt für Sicherheit

In Sachen Mindestabstand in den Kino-Sälen würde der Cinemaxx-Geschäftsführer zumindest ein Überdenken der aktuellen Situation begrüßen. Auch in Heilbronn. Thomsen: "Bei allem was wir tun, hat die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Gäste höchste Priorität. Die gesetzlichen Abstandsvorgaben von mindestens 1,5 Metern waren sicherlich notwendig, als Grundregel für alle Lockerungen mit Blick auf das langsame und vorsichtige Hochfahren von Freizeitaktivitäten ab Mitte Mai. Nichtsdestotrotz schränkt diese Restriktion den Kinobetrieb massiv ein, da nur maximal 30 Prozent der Sitzplätze zur Verfügung stehen. Es ist nun nach drei Monaten sicherlich an der Zeit, diese einschneidende Beschränkung auf den Prüfstand zu stellen."

Frank Thomsen ist Geschäftsführer des Kinounternehmens Cinemaxx.

Die Sicherheit und der notwendige Abstand seien bei Cinemaxx durch die großzügigen Säle und Foyers gewährleistet. Es gibt in Coronavirus-Zeiten in den Cinemaxx-Kinos ein Leitsystem und Abstandsmarkierungen. Maskenpflicht gilt im gesamten Kino. Während man auf seinem Platz sitzt und den Film schaut, dürfen die Zuschauer ihre Mund- und Nasenbedeckung allerdings absetzen. "Aus meiner Sicht gilt es, die Abstandsregeln sukzessive zu mindern, im ersten Schritt auf einen Meter, sofern diese Distanz noch nötig ist in Anbetracht der aktuellen Fallzahlen. Dies würde uns Kinobetreibern eine Auslastung von gut 50 Prozent ermöglichen", erklärt der Cinemaxx-Geschäftsführer der Kette, die auch im Heilbronner K3 ein Kino betreibt.

Gibt es in der Coronavirus-Krise ein Happy End für die Kinos?

Das aktuelle Film-Angebot schätzt Thomsen als vielfältig ein: Highlights vor der Schließungsphase wie "Die Känguru-Chroniken" und "Der Unsichtbare" - auch im Cinemaxx-Kino in Heilbronn treffen auf wieder gezeigte Klassiker wie die "Harry-Potter"-Reihe und "Zurück in die Zukunft" sowie auf spannende Neustarts wie "Unhinged" und "Takeover: Voll vertauscht". Und so langsam stehen auch wieder die ersten großen Blockbuster in den Startlöchern: Am 26. August startet der heiß ersehnte Thriller "Tenet" von Christopher Nolan noch in diesem Jahr sollen "Wonder Woman 1984", "James Bond - Keine Zeit zu sterben" sowie "Jim Knopf und die Wilde 13" in die Kinos kommen.

Angesichts dieser Aussichten ist Thomsen von einem Happy End für die Kinos nach der Coronavirus-Krise überzeugt: "Als Unternehmensgruppe glauben wir felsenfest an Kino! Vor der Pandemie gab es in ganz Europa Rekorde bei den Besucherzahlen; Kino liegt im Trend und wird immer mehr besucht." Mehr zu kämpfen haben da schon Videotheken: Das Empire in Heilbronn etwa ist eine der letzten Möglichkeiten in Baden-Württemberg, in alter Tradition Filme auf DVD oder BluRay auszuleihen.

Arthaus-Kino Heilbronn: Abstand im Kino sollte geringer ausfallen

Michael Roesch vom Arthaus-Kino in Heilbronn erklärt ebenfalls: "Auf Dauer ist es sehr wichtig den Mindestabstand zu reduzieren, nur so können dauerhaft Kinos, Filmverleiher und Produzenten rentabel arbeiten. Ich denke aber, dass die Maßnahmen sinnvoll waren und sind, und das sicher Experten besser entscheiden können ab wann der Mindestabstand gelockert werden kann. Und das größere Problem ist derzeit sicher der Mangel an hochwertigen Filmstarts." Schließlich sei es schwer, einen 200-Millionen-Dollar-Film zu refinanzieren, wenn Kinos in vielen Ländern nicht offen sind.

Probleme machen dem Arthaus-Kino in Heilbronn nicht nur das überschaubare Film-Angebot, sondern auch das Sommerwetter. Roesch: "Insgesamt muss ein Kino wie unser Arthaus-Kino in Heilbronn rund 1.500 Besucher in der Woche erreichen." Das sei momentan nur schwer möglich. Das Scala-Kino in Neckarsulm, das Roesch ebenfalls betreibt, wird sogar erst im Oktober wieder öffnen, "da wir die Zeit nutzen, um technische Arbeiten durchzuführen. Das Kino ist seit dem Corona-Lockdown geschlossen. Der Betrieb in Neckarsulm wäre momentan aufgrund der Sitzplatzanzahl auch nicht wirtschaftlich."

Der Start von "Tenet" in der kommenden Woche gebe allerdings Grund zur Hoffnung. Roesch vom Arthaus-Kino in Heilbronn: "Das Kino wird nicht an Bedeutung verlieren, da bin ich ganz sicher. Es ist einfach ein ganz anderes Erlebnis einen Film im Kino, auf der riesigen Leinwand und mit vielen anderen Filmfans gemeinsam zu sehen." 

Heilbronn: Bald geringere Abstandsregeln für Kino-Besucher?

Auch der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) mit Sitz in Berlin würde die Verringerung des Abstandes von derzeit 1,5 Metern begrüßen. Schließlich seien Filmfans laut einer Studie des Hermann- Rietschel-Institut (HRI) an der TU Berlin während eines Kinobesuchs nur einem Bruchteil der Aerosolmenge ausgesetzt, wie sie es etwa im Umfeld eines Büroarbeitsplatzes wären. Der Hauptunterschied zwischen Kino und Büro: Während einer Filmvorführung wird deutlich weniger gesprochen.

Ein weiterer Vorteil der Lichtspielhäuser: Die Räume sind gut belüftet. Christine Berg vom HDF-Vorstand fordert daher, die 1,5-Meter-Abstandsregel zu reduzieren. Die Sicherheit der Gäste sei schließlich gewährleistet. Berg: "Nur wenn die deutschen Kinos ihre Kapazitäten erhöhen können, wird es verstärkt neue Filme geben. Und nur dann sind die Kinos in der Lage, diese Krise überhaupt zu überleben." Jonas von Fehrn-Stender, HDF-Vorstandsassistent, berichtet auf echo24.de-Nachfrage, dass sowohl in Österreich und Frankreich als auch in Nordrhein-Westfalen und Sachsen im Kino bereits die Ein-Meter-Abstandsregel gelte. Kommt also die Verringerung der Abstandsregel deshalb folgerichtig auch bald für Heilbronn?

Seit die Kinos nach dem Coronavirus-Lockdown wieder geöffnet haben, bemerkt auch der Hauptverband Deutscher Filmtheater ein großes Interesse der Zuschauer, Filme wieder im Kino zu genießen. Einem Kino-Sterben sei nur entgegenzuwirken, wenn man den Teufelskreis aus Abstandsregelung und geringer Anzahl an Neustarts durchbreche. Unter den aktuellen Bedinungen könne man die Kinos nur zu 20 Prozent auslasten. Der Start von Nolans "Tenet" in der kommenden Woche spende hierbei Hoffnung. Von Fehrn-Stender: "Hollywood kommt zurück und darüber sind wir sehr froh." Und dass Filme auch in Zeiten der Krise positive Geschichten hinsichtlich der Zuschauerreaktionen schreiben können, zeigt etwa die komplett in Heilbronn entstandene Komödie "Faustdick".

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: Pixabay

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