Eltern sind besorgt

Kinderporno-Skandal: Presse von Gespräch ausgeschlossen

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Vor einem Info-Gespräch mit Eltern wird bekannt, dass ein ehemaliger Kindergartenleiter jetzt sogar wegen schweren sexuellen Missbrauchs in Haft sitzt. Die Presse darf am Gespräch nicht teilnehmen. 

In Kleingruppen stehen die Eltern vorm Heilbronner Wartberg-Gemeindehaus der evangelischen Kirche zusammen, schütteln den Kopf. Es wird viel diskutiert. Die Stimmung schwankt zwischen Anspannung und Fassungslosigkeit. Denn am Donnerstagnachmittag vor dem Informationsgespräch für betroffene Eltern hat sich der Anlass krass verändert: Statt um den Besitz von Kinderpornos seitens eines ehemaligen Kindergartenleiters geht es jetzt auch um Produktion und um schweren sexuellen Missbrauch.

Die Frage vieler Eltern liegt auf der Hand: Ist mein Kind betroffen? Die Öffentlichkeit will Ähnliches wissen: Was hat der mutmaßliche Täter sich noch alles zu Schulden kommen lassen? Antworten darauf gibt es plötzlich wieder nur intern. Die Presse wird vom Gespräch ausgeschlossen.

Aber von vorn: Alle Besucher sammeln sich in einem bestuhlten Raum, ein Vertreter der Gesamtkirchengemeinde, die zum Info-Gespräch eingeladen hat, tritt ans Mikrofon: "Eine Sache vorab, die Presse ist anwesend. Ich weiß nicht, wie es ihnen damit geht. Sie müssen das entscheiden, es geht ja heute um Sie und Ihre Kinder. Wie geht es Ihnen damit, dass die Presse hier ist?" Wie es IHM damit geht, ist an seinem Ton zu hören. Ein Vorab-Gespräch mit den Pressevertretern oder dem Elternbeirat zur gemeinsamen Absprache im Umgang mit dem Thema gab es nicht. 

Die Diskussion nimmt ihren Lauf. Eine Frau will Öffentlichkeit: "Wir haben es doch der Presse zu verdanken, dass wir heute hier sitzen." Ein Mann widerspricht ihr: "Das haben wir den Ermittlern zu verdanken." Eine weitere Besucherin spricht sich für die Presse aus, sie bittet darum, dass Zitate vorher autorisiert werden, bevor sie veröffentlicht werden, sieht dann kein Problem darin, die Presse am Termin teilhaben zu lassen.

Der Mann am Mikrofon äußert sich wieder: "Deshalb sprechen wir darüber. Es geht ja heute um Sie. Sie müssen sagen, ob sie dieses Gespräch lieber in geschütztem Rahmen führen möchten." Heißt im Umkehrschluss: Mit anwesender Presse sei der Rahmen nicht mehr sicher. Prompt reagiert eine Mutter: "Ich möchte dies lieber in sicherem Rahmen und ohne Presse besprechen." Dabei ist aus redaktioneller Sicht selbstverständlich, dass das Thema im Hinblick auf mögliche weitere Opfer äußerst sensibel zu behandeln ist.

Eine Elternebeirätin aus dem Wilhelm-Busch-Kindergarten plädiert für einen Mittelweg: "Ich bin sehr für die Presse, verstehe aber natürlich die Bedenken. Wir könnten das Gespräch in einen öffentlichen und einen nicht öffentlichen Teil splitten, sodass die Pressevertreter den Raum verlassen und wir dann weitere Fragen unter uns klären können. 

Dieser Vorschlag wird allerdings nicht zur Diskussion gestellt. Der Kirchenvertreter am Mikrofon ruft zur Abstimmung auf: "Wer ist dafür, dass die Presse bleibt?" Zwölf Personen. "Wer ist dafür, dass die Presse geht?" Bei zwölf hört er auf zu zähen - und sagt: "Das sind mehr. Also dann bitte..."

Die Sicht der Eltern ist absolut nachvollziehbar. Natürlich wollen sie Klärung. Hoffen, dass ihre Kinder nicht betroffen sind. Auch die Angst vor der Veröffentlichung von sensiblen Daten ist verständlich. Doch dem Wunsch nach Aufklärung seitens der Kirche entspricht das nicht. Transparenz wäre wünschenswert gewesen. Für Nachfragen zum Ergebnis des gestrigen Abends ist das zuständige Krisenteam bislang telefonisch nicht erreichbar.

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