Hier gibt's alle Neuigkeiten zum Verfahren gegen den Erzieher Kevin F.

Kinderporno-Skandal: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter!

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Ex-Erzieher Kevin F. wurde vom Heilbronner Landgericht zu 5 Jahren Haft verurteilt.
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Der pädophile Ex-Erzieher aus Heilbronn hatte einen kleinen Jungen mehrfach sexuell missbraucht.

Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern zwischen Mitte 2012 und Anfang 2018 in 19 Fällen, Produktion von Kinderporno-Medien - und dazu noch der Besitz von rund 10.000 Bildern und 900 Videos mit pädophilem Inhalt. Die Vorwürfe gegen den ehemaligen Erzieher Kevin F. sind gleichermaßen widerlich wie erschütternd.

Ab Montag, 27. August, musste sich der 31-jährige Heilbronner vor dem Heilbronner Landgericht für seine Taten verantworten. Insgesamt fanden fünf Prozesstage statt. Das Urteil fiel am 28. September. Allerdings scheint der Fall damit noch nicht abgeschlossen. 

29. September: Weitere Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Wie stimme.de berichtet, ist es nicht ausgeschlossen, dass Kevin F. weitere Kinder missbraucht hat. Es gebe sowohl weitere Anzeigen als auch Ermittlungen gegen den ehemaligen Erzieher. Werden noch weitere abscheuliche Taten ans Licht kommen? Staatsanwalt Joachim Müller-Kapteina sagte, man nehme auch Verdachtsäußerungen von Eltern sehr ernst. Sollte es konkrete Anhaltspunkte für weiteren Missbrauch geben, so erhebe die Staatsanwaltschaft auch erneut Anklage.

28. September: Urteil über Kevin F. gefallen

Der Heilbronner Ex-Erzieher muss für fünf Jahre hinter Gittern. Das Landgericht Heilbronn spricht Kevin F. an diesem Freitag schuldig - des schweren sexuellen Missbrauchs in insgesamt 19 Fällen, davon drei in Tateinheit mit Vergewaltigung sowie des Besitzes und der Herstellung kinderpornographischer Schriften.

Der 31-jährige Kevin F. war in Heilbronn gleichermaßen bekannt wie beliebt. Er engagierte sich ehrenamtlich, leitete Jungscharen, veranstaltete Kindergeburtstage. Von seiner pädophilen Neigung, die er laut eigener Aussage um das 18 Lebensjahr entwickelt hatte, ahnte lange niemand etwas. Ab 2009 beschaffte sich F. über das Internet Kinderpornos. Doch dann wollte er offenbar mehr.

In der Jungschar kam er mit dem späteren Missbrauchsopfer, das er im Kindergarten kennengelernt hatte, erneut in Kontakt - und F.s widerliches Vorgehen begann: Dem damals Siebenjährigen gaukelte er eine Freundschaft vor, verhielt sich, als sei er dessen großer Bruder. Doch das erschlichene Vertrauen missbrauchte F. schändlich und zog sich den Jungen zur Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse heran.

Das Heilbronner Landgericht geht davon aus, dass F. vermutlich an die 100 sexuelle Handlungen an dem Buben vorgenommen hat - 19 sind ihm konkret nachweisbar: Acht mal nahm F. den Oralverkehr an dem Kinde vor, zwei mal kam es zum Handverkehr, weitere acht mal zum gegenseitigen Oralverkehr. Außerdem fotografierte F. im Sommer 2014 und 2015 den Intimbereich von zwei weiteren Sechsjährigen  während einer Kinderfreizeit.

Das Urteil von fünf Jahren Haft gegen den 31-Jährigen erscheint angesichts der geforderten fünfeinhalb Jahre seitens der Staatsanwaltschaft und der geforderten sechseinhalb Jahre seitens des Nebenklägers milde. Die Vorsitzende Richterin Eva Bezold erklärt dazu: "Außer dem Besitz der pornographischen Schriften und den drei aufgezeichneten sexuellen Handlungen wären dem Angeklagten ohne dessen Geständnis keine weiteren Vergehen nachweisbar gewesen."

Zu F.s Gunsten spricht außerdem, dass keine aggressive Gewalt gegen das Kind im Spiel war. Bezold hierzu: "Die strafbare Handlung lautet 'schwerer sexueller Missbrauch'. Der Terminus besagt in diesem Zusammenhang allerdings, dass ein Eindringen in den Körper vorlag. Aufgrund des Oralverkehrs war dies gegeben." 

Eine Vergewaltigung liege vor, da F. sich bei seinen Handlungen mehrfach die Wehrlosigkeit seines schlafenden Opfers ausgenutzt habe. Welche Folgen der jahrelangen Missbrauch für den Geschädigten habe, sei derzeit noch nicht absehbar. Zumindest hat F.s Geständnis dem heute 13-Jährigen die Aussage vor Gericht erspart.

In F.s Richtung appelliert die Richterin: "Dem Angeklagten muss klar sein, dass er eine pädophile Neigung hat, die sich nicht wegtherapieren lässt. Eine Therapie kann aber dabei helfen, damit umzugehen." Ein Berufsverbot erhält der Erzieher allerdings nicht, da seine Vergehen nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit seiner Tätigkeit stehen.

Seitens des Angeklagten, seines Verteidigers und des Staatsanwalts wurde das Urteil angenommen und ist damit rechtskräftig.

Sechster Prozesstag: 28. September

Am Freitag richten sich die Blicke auf das Landgericht Heilbronn. Das Urteil fällt nur einen Tag nach den Plädoyers von Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Den ehemaligen Kita-Leiter erwartet eine mehrjährige Haftstrafe, er sitzt seit Anfang März in Untersuchungshaft. Spannend wird sein, ob er auch ein Berufsverbot erhält. Bereits angekündigt hat der Angeklagte, dass er dem missbrauchten Jungen ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 Euro bezahlen möchte. 

Fünfter Prozesstag: 27. September

Der fünfte Tag im Prozess gegen Kevin F. findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Staatsanwaltschaft und Verteidigung halten ihre Plädoyers. Die Staatsanwaltschaft forderte fünfeinhalb Jahre Haft. Der Verteidiger des 31 Jahre alten Angeklagten plädierte in nichtöffentlicher Sitzung auf vier Jahre Haft, wie ein Sprecher des Gerichts mitteilte. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe im Prozess eingeräumt. Am Freitag, 28. September, soll dann das Urteil gegen den ehemaligen Kindergartenleiter aus Heilbronn fallen.

Vierter Prozesstag am 24. September entfällt

Eigentlich hätte der Prozess gegen den ehemaligen Kindergartenleiter Kevin F. am heutigen Montag fortgesetzt werden sollen. Eigentlich. Der Termin wurde abgesetzt. Nach dem Geständnis des Angeklagten und ausführlichen Berichten von Ermittlern und Experten, ist die Beweisaufnahme bereits abgeschlossen. 

Damit geht der Prozess nun seinem Ende entgegen. Am Donnerstag werden bereits die Schlussvorträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gehalten, allerdings ohne Öffentlichkeit. Das Urteil soll dann voraussichtlich bereits am Freitag, 28. September, gesprochen werden.

Dritter Prozesstag: 21. September

Mit dem aktuellen Wissensstand kann man nur schwer glauben, was der 53-jährige Kriminaloberkommissar heute Vormittag vor Gericht aussagt: Die erste Durchsuchung von Kevin F.s Wohnung sei "relativ unspektakulär" gewesen - zumindest für eine Durchsuchung, bei der es um Kinderpornografie ging. Schon bei dieser ersten Durchsuchung am 25. Mai 2016 habe F. zugegeben, dass in seiner Wohnung etwas zu finden sei und er Probleme mit Kinderpornografie habe. "Ich habe ihm damals noch gesagt, dass es dafür doch Hilfe gibt", erklärt der 53-Jährige. Die Durchsuchung selbst habe etwa eine halbe Stunde gedauert - die Polizei sei zufrieden gewesen, dass sie etwas gefunden habe. 

Als zweiter Zeuge sagt der 38-jährige Sachbearbeiter des Verfahrens vor Gericht aus. Er kam nach der Auswertung der ersten Durchsuchung dazu, war jedoch bei der zweiten Durchsuchung am 5. März 2018 selbst vor Ort.  "Alles, was an Datenträgern gefunden wurde, wurde auch mitgenommen", sagt der 38-Jährige. Das heißt im Klartext: USB-Sticks, einen interne Festplatte, zwei SD-Karten, ein Tablet und zwei Kameras, deren Daten ausgewertet werden mussten. Das sei ein sehr großer Aufwand, denn "man muss jede Datei einzeln anschauen". 

Bei einer stichprobenartigen Untersuchung fällt dann eine Datei auf, auf der eine Person zu sehen ist, die von der Seite wie F. aussieht. Das bestätigt das Bauchgefühl des 38-Jährigen: Er hat schon zu diesem Zeitpunkt Zweifel, ob "nur" erworbene Kinderpornografie auf den Dateien zu finden ist. Die Polizei sucht Vergleichsbilder des ehemaligen Erziehers, um ihn auf der Datei identifizieren zu können. Mit Erfolg: Durch eine Narbe an F.s linker Schläfe kann eine Personengleichheit angenommen werden. Es folgt ein Haftbefehl.

Bereits auf der Dienststelle des 38-Jährigen gesteht F., dass er Missbrauchshandlungen an einem Jungen begangen habe. Die Kooperationsbereitschaft von F. war jedoch nur aufgesetzt. Erst nach und nach kommt das ganze Ausmaß der Missbrauchshandlungen ans Tageslicht. "Reinen Tisch machen - das ist relativ. F. hat mir gegenüber erst von vier bis fünf Fällen gesprochen und dann kamen immer mehr dazu", sagt der 38-jährige Sachbearbeiter. Am Ende der Ermittlungen lautet der Vorwurf: schwerer sexueller Missbrauch in 19 Fällen. 

Ebenfalls vorgelegt wurde ein psychiatrisches Gutachten. Daraus geht klar hervor: Kevin F. ist schuldfähig. Es gibt demnach keine krankhafte seelische Störung. Während der Haft und auch anschließend benötigt der Angeklagte nach Einschätzung des Experten eine Therapie, um ihn von Kindern fernzuhalten. 

Zweiter Prozesstag: 18. September

Auch wenn der zweite Prozesstag erst in vier Wochen ist, steht bereits fest, dass er unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden wird. Der Hintergrund: Im Heilbronner Landgericht werden ab 15 Uhr die Angaben Kevin F.s zu den gegen ihn gerichteten Vorwürfen im Zentrum stehen. Ob und wann die Öffentlichkeit wieder zugelassen sein wird, konnte Landgericht-Pressesprecher Lutz Hils am Dienstag auf Anfrage von echo24.de noch nicht sagen. Tags zuvor hatte das Gericht allerdings den Antrag der Opferanwältin abgelehnt, die Öffentlichkeit während des gesamten Prozesses auszuschließen.

Erster Prozesstag: 27. August

Die Schilderungen von Kevin F. am ersten Prozesstag sind nur schwer zu ertragen: Er entkleidet den damals Siebenjährigen komplett, hantiert an dessen Geschlechtsteil, nimmt es in den Mund. Wieder und immer wieder - zwischen Mitte 2012 und Anfang dieses Jahres - soll es zum Oralverkehr zwischen dem Kind und dem Heilbronner Erzieher gekommen sein. Der mutmaßliche Tatort: meist das Schlafzimmer in Kevin F.s Wohnung.

Nachdem er selbst den Oralverkehr an dem Schulkind durchgeführt haben soll, will F. offenbar bald mehr: Er soll von dem Buben verlangt haben, ihn selbst oral zu befriedigen. Der Kleine kommt dem offenbar nach und soll noch zu dem Erzieher gesagt haben: "Guck mal, wie das kitzelt." Vor dem Samenerguss soll F. seinen Penis aus dem Mund des Jungen gezogen haben, um nicht in dessen Rachen zu ejakulieren. Auch als der Bub schläft, soll Kevin F. an ihm sexuelle Handlungen vorgenommen haben.

Mehr als eine halbe Stunde lang dauert heute das Verlesen der Anklageschrift gegen den mutmaßlichen Pädophilen. Die 19 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern, die dem 31-Jährigen zur Last gelegt werden, sollen sich meist ähnlich abgespielt und sich offenbar auf Oralverkehr beschränkt haben.

Die Vielzahl an kinderpornografischen Videos und Bildern, die die Polizei bei Hausdurchsuchungen auf Festplatten in F.s Computer gefunden hat, zeigen jedoch auch Anal- und Vaginalverkehr zwischen Mädchen und Jungen sowie zwischen Kindern und Erwachsenen. Unvorstellbar: Mit dem Betrachten dieser Aufnahmen, auf denen meist vier- bis zwölfjährige Jungen zu sehen seien, soll sich F. vielfach sexuell stimuliert haben. In den Aufnahmen werden die Kinder zu reinen Sexobjekten herabgewürdigt.

Ruhig lässt F. die Verlesung der Anklageschrift am Montag über sich ergehen. Anschließend macht er unaufgeregt und sachlich Angaben zu seinem bisherigen Leben. Auch wenn es in seiner Familie Alkoholprobleme und Gewalt zwischen den Eltern gab, stammt der Erzieher offenbar aus gesitteten Verhältnissen. F. erklärt: "Die Familie ist mir sehr wichtig. Zu meinem Bruder und meinen Eltern habe ich ein sehr gutes Verhältnis."

Zu den ihm zur Last gelegten Taten macht F. am ersten Prozesstag keine Angaben. Allerdings signalisiert dessen Anwalt Thomas Amann, dass F. im weiteren Prozessverlauf nicht nur ein Geständnis ablegen, sondern darüber hinaus auch noch mit der Kirche, seinem ehemaligen Arbeitgeber, über Maßnahmen sprechen möchte, um ähnliche Fälle in Zukunft zu vermeiden. Amann: "Mein Mandant möchte alles tun, um für Aufklärung zu sorgen."

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