Gemeinsames drehen an innerstädtischen Stellschrauben

Heilbronn kämpft für attraktivere Innenstadt – Experte erklärt bisherige Fehler

leerstaende in Heilbronn und eine Markthalle.
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Leerstände in Heilbronn - eine Markthalle könnte der Stadt neue Attraktivität verleihen.
  • Olaf Kubasik
    VonOlaf Kubasik
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Leerstände, Billig-Ketten, Überbesatz: Die Heilbronner Innenstadt ist für Kunden nicht gerade attraktiv - doch das soll sich ändern.

Leerstände, Billig-Ketten sowie ein Übermaß an Barber-Shops, Kebap-Grills, Sportwettbüros, Nagelstudios und Optiker. Die Innenstadt von Heilbronn hat augenscheinlich ein Problem. Die Corona-Pandemie und der wachsende Online-Handel haben sicher ihren Teil dazu beigetragen, dass gewisse Fachgeschäfte verschwunden sind. Doch dass die Verweildauer der Kunden in der City abnimmt, ist teilweise hausgemacht.

StadtHeilbronn
Einwohner126.458 (Stand 31. Dezember 2020)
Fläche99,88 Quadratkilometer
StadtteileBöckingen, Sontheim, Horkheim, Neckargartach, Frankenbach, Klingenberg, Biberach, Kirchhausen
OberbürgermeisterHarry Mergel

Aber kein Einzelfall in deutschen Fußgängerzonen, wie Thomas Aurich weiß. Der Gastronomie-Experte, der zusammen mit Einzelhändler Johannes Nölscher die neue Doppelspitze der Stadtinitiative Heilbronn bildet, erklärt: „Wir haben über Jahre einen großen Fehler gemacht!“

Heilbronn: Unattraktive Innenstadt? Experte nennt folgenschweren Fehler

Der Geschäftsführer der Heilbronner Neckarmeile verweist auf eine Umfrage aus dem Jahr 2016. Diese habe bezüglich Einkaufscentern ergeben, dass 40 Prozent ihrer Kunden den Aufenthalt von der angebotenen Gastronomie abhängig machen. Thomas Aurich nennt weitere Zahlen: „Der prozentuale Anteil der Menschen, die wegen der Gastronomie oder des Handels in die Citys kommen, ist zwar gleich hoch - doch die Verweildauer der Menschen in Restaurants, Bars und Cafés doppelt so lang wie in den Geschäften.“

Der Fehler in Heilbronn? „Wir haben wie meisten Städte in Deutschland nur auf den Handel gesetzt.“ Eine „bundesweit einzigartige Fusion“ beider Bereiche soll nun dem Kunden-Schwund entgegenwirken.

Heilbronn kämpft für attraktive Innenstadt - Händler und Wirte im Boot

Doch der Stadtinitiative-Chef geht noch einen Schritt weiter. Indem er an die Vernunft der Eigentümer in der Innenstadt appelliert. Grund: Einige von ihnen haben während der Corona-Pandemie ihren ohnehin schon gebeutelten Pächtern die Miete erhöht. Das Alex im K3 hat deswegen die Reißleine gezogen. Starbucks und Nordsee stehen vor dem Absprung.

Und ein weiterer Überbesatz bestimmter Angebote inmitten bester Lage zeichnet sich dadurch ab. Aurich, für den der „Pacht-Kompass“ nur nach unten zeigen darf, hofft jedoch auf Einsicht - denn: „Hauseigentümer müssen sich daran gewöhnen, dass ein Nagelstudio nicht auf Dauer die Miete zahlen kann.“

Heilbronn steht damit in Deutschland nicht allein, hat für Thomas Aurich allerdings ein anderes Problem. Während andere Städte aufgrund touristischer Attraktionen dennoch boomen, fehlen diese in Heilbronn. Der Stadtverbandsvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands erklärt: „Wir sind Hochschulstandort und Universitätsstadt, aber es gelingt uns bisher nicht, die Studenten an Wochenenden an uns zu binden - dabei machen die Heilbronn zu einer sexy und jungen Stadt.“

Heilbronn: Innerstädtische Attraktionen für Kunden sollen her

Deshalb startet Ende April gemeinsam mit der Heilbronn Marketing GmbH unter dem Namen „Kultursamstage“ eine Initiative die über den gesamten Sommer angeboten wird. Auch ist der Vorschlag, eine innerstädtische Surfwelle hinter der Eishalle anzubieten, weiter im Gespräch. Thomas Aurich sieht jedoch auch Handlungsbedarf bei Investitionen. Zum Beispiel in eine Markthalle. Denn: „Heilbronn muss Pfützchen auf die Zunge zaubern - 08/15 gibt‘s im Web“. Die Idee des Oberbürgermeisters Harry Mergel, die Buga-Lightshow an den Hagenbuchersee zu bringen, ist Wasser auf seine Mühlen. 

Überhaupt spielt Entertainment in der Innenstadt für Thomas Aurich eine große Rolle. Um Kunden zu binden, für Abwechslung zu sorgen und den Aufenthalt in Heilbronn zu einem Erlebnis zu machen. Dabei denkt er an Kleinkunst, aber auch an Vereine, die sich präsentieren können.

Er sagt: „Wir müssen wissen, was die Kunden wollen, die nicht da sind.“ Um zumindest das finanziell schultern zu können, appelliert er an alle in der Heilbronner sitzenden Ärzte, Rechtsanwälte und Versicherungsmakler, Mitglied in der Stadtinitiative zu werden. Aurich, der der Stadtverwaltung eine „sensationelle Leistung“ bezüglich der Zukunftsgestaltung attestiert, erklärt: „Nur gemeinsam sind wir stark.“