Illig streicht Stellen

Heilbronner Maschinenbauer streicht Stellen - so viele Entlassungen drohen

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
    schließen

Der Maschinenbauer Illig mit Sitz in Heilbronn-Sontheim muss trotz Kurzarbeit zahlreiche Stellen abbauen. Die verbleibenden Mitarbeiter müssen kürzertreten.

  • Das Heilbronner Traditionsunternehmen Illig muss 153 Stellen streichen.
  • Ein Ergänzungstarifvertrag ist die Grundlage für ein Comeback.
  • Alle entlassenen Illig-Mitarbeiter haben eine neue Perspektive gefunden. 

Heilbronn: Maschinenbauer Illig streicht 153 Stellen

Viele Unternehmen in der Region Heilbronn-Franken kämpfen in Zeiten der Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg mit Umsatzeinbrüchen. Auch Kurzarbeit in Heilbronn ist für viele kein Fremdwort mehr. Doch selbst niedrigere Lohnkosten und Einsparungen können auf Dauer keinen Betrieb über Wasser halten. Diese Erfahrung macht jetzt auch der Maschinenbauer und Thermoformspezialist Illig aus Heilbronn. 

Fakt ist: 153 Stellen müssen abgebaut werden. Geregelt wird der Personalabbau durch einen Ergänzungstarifvertrag*, der von den Illig-Mitarbeitern mit großer Mehrheit angenommen wird. Konkret sieht der Vertrag vor, dass bis Ende des Jahres 153 Stellen abgebaut werden. Das bestätigt Illig-Geschäftsführer Heinrich Sielemann im Gespräch mit der Heilbronner Stimme.

Personalabbau bei Illig: Darum müssen die Mitarbeiter gehen 

Fakten zum Heilbronner Unternehmen Illig:

Adresse

Robert-Bosch-Straße 10, 74081 Heilbronn

Branche 

Maschinenbau, Thermoformspezialist

Telefon

07131/5050

Website:

www.illig.de

Grund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind neben der Corona-Krise vor allem auch die öffentlichen Diskussionen um Kunststoffverpackungen und die allgemeine Konjunkturabschwächung. Das waren Probleme, mit denen Illig schon vor der Coronavirus-Zeit zu kämpfen hatte. Jetzt sorgt die Kobination der Probleme dafür, dass die Aufträge deutlich einbrechen.

Das sorgt wiederum für finanzielle Engpässe, die auch die Kurzarbeit bei Illig nicht vollständig kompensieren kann. Seit März zeichnet sich der Personalabbau deshalb ab, jetzt wird es Ernst. Auch deshalb, weil das Heilbronner Unternehmen seine Auftragslage bis ins Jahr 2021 nicht positiv bewertet. Alle Mitarbeiter die gehen, haben aber schon eine Perspektive. 

Heilbronn: Illig-Mitarbeiter sind nicht arbeitslos

Allein 20 Prozent der Stellen in Heilbronn sollen durch bereits laufende Abfindungsprogramme, einen früheren Renteneintritt oder über eine Transfergesellschaft** sozialverträglich abgebaut werden. Sielemann: "Das ist uns gelungen." Zwar sei das Unternehmen nicht um 21 betriebsbedingte Kündigungen herum gekommen, alle entlassenen Illig-Mitarbeiter haben aber eine neue Perspektive.

Konkret sind 18 Mitarbeiter in die Transfergesellschaft gewechselt. Die restlichen drei haben eine neue Arbeitsstelle gefunden. Sielemann: "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen." Und auch die verbleibenden 550 Illig-Mitarbeiter in Heilbronn bekommen die Auswirkungen zu spüren. Grund: In diesem und im nächsten Jahr müssen sie auf ihr Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten.

Illig in Heilbronn hofft auf ein Comeback ab 2022

Auch die Leistungszulagen*** der Illig-Mitarbeiter werden für die Dauer des Ergänzungstarifvertrags leicht gekürzt. Immerhin: Je nach Bereich bekommen die verbleibenden Illig-Mitarbeiter in Heilbronn eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2021, beziehungsweise Ende 2023. Auch das wegfallende Urlaubs- und Weihnachtsgeld soll zu einem späteren Zeitpunkt "nachbezahlt" werden.

Illig hofft, ab 2022 wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Sielmann: "Davon gehe ich aus." Auch die verbleibenden Mitarbeiter sollen dann am Gewinn beteiligt werden. Der Chef lobt die gute Zusammenarbeit im Unternehmen und sieht in der erzielten Einigung die Zukunft des Heilbronner Traditionsunternehmens gesichert. Klar ist aber: Bis 2022 bleibt die Situation eine Herausforderung.

*Ein Ergänzungstarifvertrag ist ein zusätzlicher Tarifvertrag in einem Unternehmen, indem es bereits einen Flächentarifvertrag gibt. Der Ergänzungstarifvertrag enthält zusätzliche Regeln und Maßnahmen, die dauerhaft oder nur für eine bestimmte Zeit im Unternehmen gelten.

** Transfergesellschaften versuchen konkret von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeitern einen neuen Job zu vermitteln. Der betroffene Mitarbeiter bekommt in dieser Zeit weiterhin Geld.

*** Leistungszulagen sind eine von dem Erfolg des jeweiligen Unternehmens abhängige Erhöhung des Arbeitsentgelts zugunsten des Arbeitnehmers.

Zuvor berichtete die Heilbronner Stimme über Illig und die 153 Stellen, die aufgrund der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens abgebaut werden müssen.  

Rubriklistenbild: © echo24.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema