Raubtiere als Haustiere

Heilbronner Hotelier sucht neuen Geparden – PETA mit deutlicher Ansage

Der Heilbronner Hotelier Hans-Peter Gaupp sitzt mit seinem Geparden „Sammy“ auf dem Sofa in seinem Wohnzimmer (Foto vom 17.10.2008).
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Raubtiere als Haustiere: Der Heilbronner Hotelier Hans-Peter Gaupp sitzt mit seinem Geparden „Sammy“ auf dem Sofa.
  • Lisa Klein
    VonLisa Klein
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Der Heilbronner Hotelier Hans-Peter Gaupp ist auf der Suche nach einem neuen Geparden. Die Tierschutzorganisation PETA kritisiert die private Haltung von Raubtieren scharf.

Ein Hotelier in Heilbronn sorgt immer wieder für Aufsehen und Medienrummel, denn Hans-Peter Gaupp hat eine ganz besondere „Attraktion“ zu bieten – oder besser gesagt: hatte. Noch vor einigen Jahren lebten gleich zwei Geparden in dem Heilbronn Hotel „Park Villa“, wie echo24.de* berichtete. Die beiden Geparden namens Jamboo und Bungee wohnten in einem 700 Quadratmeter großen Gehege im Garten der „Park Villa“. Im Jahr 2018 waren die Heilbronner Hotel-Geparden Teil einer Dokumentation.

Im vergangenen Herbst ist die verbliebene der ursprünglich zwei Großkatzen gestorben. Doch der Hotelier Hans-Peter Gaupp möchte auch weiterhin Geparden halten und auf seine Attraktion nicht verzichten. In einem internationalen Onlineportal für exotische Tiere sucht der Hotelier derzeit nach einem neuen jungen oder erwachsenen Geparden. Vor allem Tierschützer finden das gar nicht gut.

Heilbronn: Hotelier sucht neuen Geparden – Tierschützer mit scharfer Kritik

Die Tierschutzorganisation PETA hat am Dienstag. 4. Januar 2022, ein Schreiben veröffentlicht, in dem der Hotelier scharf kritisiert wird. PETA appelliert an Gaupp, die Suchanzeige nach einem neuen Geparden zurückzuziehen. Darin heißt es, dass „die komplexen Bedürfnisse eines Geparden in Privathaltung nicht erfüllt werden können“. Auch im Internet hagelt es Kritik – „sowas sollte verboten werden“*, schreibt eine Facebook-Userin, wie bw24.de* berichtet.

Gaupp äußert sich laut Heilbronner Stimme zu dem Schreiben von PETA und bezeichnet dieses als „lächerlich“, das alles wäre „ein Witz“. Der Hotelier argumentiert damit, dass seine Geparden älter geworden sind, als sie es in freier Wildbahn vermutlich geworden wären. Doch das Leben der Raubtiere in dem 700 Quadratmeter großen Gehege in Heilbronn ist kaum mit dem Leben in freier Wildbahn zu vergleichen.

Geparden können kurzzeitig über 90 km/h schnell laufen, verbringen viel Zeit mit der Jagd. Die Schätzungen der Reviergröße eines ausgewachsenen Geparden unterscheiden sich je nach Quelle, die Großkatzen haben in freier Wildbahn laut Experten ein Revier mit einer Größe zwischen 160 und bis zu 1.500 Quadratkilometer.

Ob 700 Quadratmeter als Lebensraum hingegen artgerecht sind, darüber lässt sich kaum streiten. Rein rechtlich gesehen ist die Haltung der Geparden in Heilbronn in Ordnung. In Baden-Württemberg ist es erlaubt, Großkatzen als Privatperson zu halten. Auch zahlreiche andere exotische Tiere dürfen in Deutschland legal gehalten werden, unter bestimmten Voraussetzungen.

Hotel in Heilbronn soll wieder einen Geparden bekommen – PETA mit scharfer Kritik

Die Tierschutzorganisation ist nicht der Meinung, dass die Haltung der Geparden in Heilbronn artgerecht ist: „Herr Gaupp muss endlich einsehen, dass exotische Tiere nur an einen Ort gehören: in ihren natürlichen Lebensraum. Auch wenn er sich um die beiden Geparden bemüht hat – ein erfülltes, artgerechtes Leben haben sie bei ihm nicht führen können“, so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA.

Und weiter: „Wir kritisieren außerdem die baden-württembergische Landesregierung, die es Privatpersonen immer noch erlaubt, gefährliche exotische Tiere in ihrer Wohnung zu halten. In Bundesländern wie Hessen und Berlin ist die Privathaltung von Großkatzen wie Geparden verboten.“

Geparden als Haustiere: Tierschützer kritisieren die private Haltung von Raubtieren

PETA spricht sich grundsätzlich gegen die Haltung von exotischen Wildtieren in Gefangenschaft aus. Jedes Jahr brechen in Deutschland zudem Hunderte exotische Tiere aus oder werden von überforderten Haltern ausgesetzt. In neun von 16 Bundesländern wurden bereits Beschränkungen zur Haltung gefährlicher Wildtiere in Privathaushalten erlassen. In Baden-Württemberg gibt es bislang keine derartigen Regelungen.

Auch die Umstände, unter denen die Wildtiere für den Handel gezüchtet und transportiert werden, sind mit dem Tierschutz nicht vereinbar. Oftmals wird damit argumentiert wird, dass Wildtiere wie Geparden vom Aussterben bedroht sind und durch private Haltung die Tierart vor dem Aussterben geschützt werden würde. Aber: Der Wildtierhandel bedroht die Artenvielfalt, wie PETA berichtet. Bei einem großen Teil der gehandelten exotischen Tiere handelt es sich um „Wildfänge“ aus Asien, Afrika und Südamerika. Die Sterberaten beim Fang und Transport liegt bei bis zu 70 Prozent in der Zoohandelsbranche. *echo24.de und *bw24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.