Fühlt sich Zugfahren nun anders an?

Nach Vorfall in Frankfurt: So verhalten sich die Menschen am Heilbronner Hauptbahnhof 

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Wie geht es den Menschen am Heilbronner Hauptbahnhof nach dem Vorfall am Hauptbahnhof in Frankfurt? Wir haben vor Ort nachgefragt.
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Wie geht es den Menschen am Heilbronner Hauptbahnhof nach dem Vorfall am Hauptbahnhof in Frankfurt? Wie verhalten sie sich? echo24.de hat mit ihnen gesprochen.

Am Montag, 29. Juli 2019 wartet eine Frau mit ihrem Sohn am Frankfurter Hauptbahnhof auf den ICE. Die zwei möchten gemeinsam in den Urlaub nach Österreich fahren - doch dort kommen sie nie an. Als der ICE einfährt, wird erst die Mutter, dann der 8-jährige Junge auf das Gleis gestoßen - ohne Grund. Die Mutter kann sich retten, für den Sohn kommt jede Rettung zu spät, er stirbt sofort.

Laute Schreie sind von Gleis sieben zu hören. Augenzeugen berichten von panisch umherlaufenden, weinenden Menschen. Der Täter flüchtet, wird jedoch von Passanten verfolgt und außerhalb des Frankfurter Hauptbahnhofs von der Polizei festgenommen. Er kannte die Opfer nicht.

Zehn Tage vor Unglück am Frankfurter Hauptbahnhof: Frau wird vor Zug in Voerde gestoßen - sofort tot

Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich am 20. Juli in der nordrhein-westfälischen Stadt Voerde am Bahnhof. Der Tathergang ähnelt dem in Frankfurt. Bei diesem Vorfall wird eine 34 Jahre alte Mutter vor einen einfahrenden Regionalzug gestoßen und erfasst. Sie stirbt sofort. Ganz Deutschland ist erschüttert von der Brutalität und Grausamkeit einer solchen Tat.

Hauptbahnhof Heilbronn: Wie fühlen sich die Menschen nach dem Vorfall in Frankfurt?

Doch wie geht es den Menschen in Heilbronn am Hauptbahnhof nach diesem Vorfall? Wie fühlen sich die Reisenden am Gleis? Wie verhalten sie sich? Was geht ihnen durch den Kopf? Am 30. Juli, zwei Tage nach dem Vorfall in Frankfurt, geht es ziemlich ruhig am Heilbronner Hauptbahnhof zu. 

Am Gleis fünf sitzen mehrere Reisende auf den Bänken in der prallen Sonne. Einer hört Musik, ein anderer isst eine Brezel aus einer Papiertüte. Manche flüchten von der Hitze in den Schatten. Außer einem Radfahrer, der auf den Zug wartet, steht niemand an der weißen Markierung am Gleis. Hat das Verhalten der Reisenden etwas mit dem Vorfall in Frankfurt zu tun? 

Plötzlich wird es etwas lauter. Man hört eine Gruppe Kinder von der Unterführung heraufkommen. Mit ihnen ist Elisabeth Pioro aus Hockenheim. Sie arbeitet in einem Schülerhort und ist nun in den Ferien unterwegs mit den Schulkindern. Wie geht es ihr nach dem Vorfall in Frankfurt - immerhin hat sie viele Kinder dabei? "Ich arbeite mit Menschen, also weiß ich wie Menschen sind. Wegen dem, was in Frankfurt passiert ist, verhalte ich mich aber trotzdem nicht anders als vorher", erzählt sie gegenüber echo24.de.

Hauptbahnhof Heilbronn: Sind die Reisenden vorsichtiger nach dem Vorfall in Frankfurt?

An Gleis zwei steht niemand an der weißen Markierung - schwer einzuschätzen, ob das an der glühend heißen Sonne oder an dem Vorfall in Frankfurt liegt. Ziemlich mittig auf dem Bahnsteig steht eine weitere Reisende, eine junge Frau. An das Ereignis in Frankfurt hat sie, seit dem sie auf dem Bahnsteig steht, nicht gedacht: "Am Bahnhof bin ich eigentlich generell immer vorsichtig. Ich trete auch nie über die weiße Linie. An größeren Bahnhöfen passe ich sogar noch besser auf", sagt sie. 

Auf Gleis eins stehen drei Damen, die sich nach ihrem Buga-Besuch, wieder auf den Heimweg machen. Rosemarie Probst, Annemarie Just und Doris Globisch aus Crailsheim fühlen sich am Heilbronner Hauptbahnhof nicht unsicher. Globisch: "In Stuttgart ist das dann schon etwas anders. Der Bahnhof ist dort ja auch viel größer."

Am Heilbronner Hauptbahnhof: "Wir sollen uns vom Gleis fernhalten."

Auch eine 17-jährige Schülerin aus Möckmühl steht weit vom Gleis entfernt. Sie hat eine klare Meinung zu dem Thema: "Ich passe auch so schon auf, wenn ich auf Bahnhöfen bin. Hätte ich ein Kind, dann würde ich noch mehr aufpassen, wo ich stehe oder wo hinlaufe. Ich würde mich jetzt auch nicht einer Traube Menschen anschließen, da kommt es ja auch schon mal häufiger vor, dass gedrängelt und geschubst wird."

Noch fünf Minuten bis der Zug kommt. Außer einer großen Kindergruppe, die gespannt darauf wartet zu sehen, wie der Zug in den Heilbronner Hauptbahnhof einfährt, halten alle Reisenden großen Abstand vom Gleis. 

Auch Ramona Herrmann aus Schnelldorf wartet mit ihrem Sohn auf den Zug. Ihr Sohn ist etwas traurig, dass er nicht näher an das Gleis herandarf, um den Zug beobachten zu können. Der Frankfurt-Vorfall geht auch an dieser Familie nicht spurlos vorbei: "Ich habe allgemein ein mulmiges Gefühl an Bahnhöfen. Mein Mann hat mir heute aber gesagt, dass wir uns vom Gleis fernhalten sollen. Am Heilbronner Hauptbahnhof finde ich es jedoch trotzdem angenehmer, als an größeren, wie zum Beispiel Stuttgart."

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