Urteil nach Serie von Brandstiftung in Gundelsheim

Brandstiftung Gundelsheim: Feuerwehrmann wegen versuchten Mordes verurteilt

Brand in Polling 2020
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Die Freiwillige Feuerwehr Gundelsheim war geschockt, dass der mutmaßliche Feuerteufel aus ihren eigenen Reihen stammt. (Symbolbild)
  • Lisa Klein
    VonLisa Klein
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Nach einer monatelangen Serie von Brandstiftungen in Gundelsheim wurde der Feuerteufel vor dem Landgericht Heilbronn verurteilt – zu zehn Jahren Haft.

Update, 30. Juli: Monatelang hat eine Serie von Brandstiftungen die Menschen in Gundelsheim (Kreis Heilbronn) und Umgebung in Atem gehalten: Eine Scheune, ein Wohn- und Gasthaus, ein Vereinsheim, mehrere Autos und Heustapel standen in Flammen. Das Schockierende und Perfide an dieser Brandstift-Serie: Der Feuerteufel kommt aus den eigenen Reihen der Feuerwehr – im November 2020 wurde der mutmaßliche Feuerteufel von Gundelsheim verhaftet, ein Mitglied der Freiwillien Feuerwehr.

Das Urteil im Brandstiftungs-Prozess fällt deutlich aus: Für die gelegten Feuer, vor allem aber wegen versuchten Mordes in vier Fällen, ist der 32-jährige Feuerwehrmann am Freitag (30. Juli) von dem Landgericht Heilbronn zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Urteil nach Brandstiftungs-Serie in Gundelsheim: Zehn Jahre Haft für den Feuerwehrmann

Der Mann soll zwischen April 2019 und November 2020 mindestens sieben Brände gelegt haben, weitere Taten seit Januar 2019 hatte er nach Aussage der Kammer zwar eingeräumt, sie waren aber nicht Teil der Anklage. Der Schaden betrug damals insgesamt rund eine halbe Million Euro. Weil einer der in Brand gesetzten Schuppen in der Nähe eines Wohnhauses stand, in dem eine vierköpfige Familie schlief, setzte der Mann nach Überzeugung der Kammer auch Menschenleben aufs Spiel. Die Familie konnte damals rechtzeitig reagieren und blieb unverletzt.

Der Brandstifter hatte vor Gericht mehrere, aber nicht alle Taten eingeräumt. Beim Scheunenfeuer will er das Haus nicht gesehen haben, ein Brandsachverständiger hat dem im Verfahren aber widersprochen. Auch die Kammer ist überzeugt: „Sie wollten den Schuppen zerstören. Sie wollten die Bewohner des Hauses in Angst und Schrecken versetzen“, sagte Richter Roland Kleinschroth.

„Sie hatten sehr, sehr viel Glück, dass nicht noch mehr passiert ist“, fügte er bei der Urteilsverkündung an. Die Brandserie sei brutal gewesen. Außerdem sei es perfide, mit den Ängsten anderer Menschen zu spielen. Das Gericht habe nur die rechtliche Seite zu beurteilen. „Für die moralische Schuld, die Sie auf sich genommen haben, haben Sie an anderer Stelle geradezustehen“, sagte der Richter.

Brandstiftung in Gundelsheim: Feuerwehrmann wegen versuchten Mordes verurteilt

Die Staatsanwaltschaft hatte zehneinhalb Jahre Haft für den gelernten Koch gefordert, der erst kurz vor den Brandstiftungen der Freiwilligen Feuerwehr beigetreten war. Dem Mann sei „sehr wohl bewusst (gewesen), dass da Menschen wohnen“, hatte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer über den Brand des Schuppens betont. Motiv für die Taten sei ein Drang nach Anerkennung gewesen.

Dagegen hatte der Angeklagte die Brände als Folge einer depressiven Störung zu erklären versucht. Seine Taten seien ein Hilfeschrei gewesen, um Aufmerksamkeit zu erregen, „damit man mir hilft“, hatte der 32-Jährige ausgesagt. Sein Verteidiger hielt sieben bis acht Jahre Haft für ausreichend – das Gericht sieht das anders.

Richter Kleinschroth glaubte dem Angeklagten auch hier nicht. „Sie wollten die Einsätze mit Ihrer Beteiligung provozieren“, sagte er. Tatsächlich sei die Zahl der Brände und Einsätze der Feuerwehr in der Region gestiegen, seit der 32-Jährige der Feuerwehr beigetreten sei. Der Deutsche habe Einwohner des kleinen Ortes monatelang in Angst und Schrecken versetzt, sagte Kleinschroth.

Feuerwehrmänner als Brandstifter? In solchen Fällen wollen die eigentlichen Retter nach einer früheren Einschätzung von Experten häufig Aufmerksamkeit und Bestätigung erhalten, wie die dpa berichtet. Nach einer älteren Studie des Lehrstuhls für Kriminologie der Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum wollen sich zudem vor allem junge Feuerwehrleute im Löscheinsatz beweisen. Brandstifter bei der Feuerwehr sind aber immer noch die deutliche Ausnahme. Belastbare Zahlen über brandstiftende Feuerwehrleute liegen nicht vor.

Nach Serie von Brandstiftungen in Gundelsheim - Feuerteufel vor Gericht

Erstmeldung, 14. Juni: Seit Mitte 2019 hatte eine Serie von Brandstiftungen in Gundelsheim bei Heilbronn und Umgebung die Menschen in Atem gehalten. Monatelang war die Polizei ihm auf der Spur – im November 2020 wurde der mutmaßliche Feuerteufel von Gundelsheim endlich verhaftet. Nun muss sich ein Feuerwehrmann von Montag an in Heilbronn vor Gericht verantworten.

Der damals 31-Jährige, ein Angehöriger der Freiwilligen Feuerwehr, ist nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft für sieben Brände in Gundelsheim (Kreis Heilbronn) und Umgebung verantwortlich. Unter anderem soll er zwischen April 2019 und November 2020 zwei Autos, eine Scheune und drei Gebäude in Brand gesetzt haben. Der Schaden betrug insgesamt rund eine halbe Million Euro, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Serie von Brandstiftungen in Gundelsheim - Feuerwehrmann vor Gericht in Heilbronn

Die damaligen Ereignisse schockierten und sorgten für große Verunsicherung in der Bevölkerung. Denn: Allein zwischen Anfang April und Mitte Juni 2020 hatte es in Gundelsheim und Umgebung elf Mal gebrannt. Ende April brannte in Gundelsheim mitten in der Nacht eine Scheune lichterloh. Ende Mai wurde die Feuerwehr nachts zu einem Geräteschuppen in Gundelsheim gerufen – die Flammen griffen auf ein angrenzendes Mehrfamilienhaus über.

Da der Schuppen nahe bei einem Wohnhaus stand, in dem eine vierköpfige Familie schlief, muss sich der Mann auch wegen versuchten Mordes verantworten. Die Familie konnte damals rechtzeitig reagieren und blieb unverletzt. Nach Angaben der Behörden soll der angeklagte Mann selbst dabei geholfen haben, die mutmaßlich von ihm gelegten Brände zu löschen.

Gundelsheim: Polizei nimmt Feuerteufel fest – Tatverdächtiger Feuerwehrmann gesteht Brandstiftung

Nach früheren Angaben war die Polizei dem Mann auf die Spur gekommen, nachdem im zu Gundelsheim gehörenden Ort Tiefenbach ein Auto ausgebrannt war. Bei den Ermittlungen sei der Mann in den Blick der Ermittler geraten.

Der 1988 geborene Angeklagte soll in ersten Vernehmungen mehrere Taten eingeräumt haben. Er sitzt seit Mitte November 2020 in Untersuchungshaft. Die Kammer muss unter anderem entscheiden, ob eine Depression strafrechtlich gewertet werden könnte und ob der Mann psychiatrisch behandelt werden müsste. Es sind 35 Zeugen geladen. Mit einem Urteil wird nicht vor Ende Juli gerechnet.

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