Hilfe für Opfer von Gewalttaten 

Opfer von Gewalttaten: Hier gibt es Hilfe!

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Gewalt hat viele Gesichter.
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Enkeltrick, körperliche Misshandlung, Vergewaltigung: Immer gibt es ein Opfer, das nach einer Tat oft mittellos dasteht. In Heilbronn gibt es Institutionen, die Opfern beistehen - kostenlos und unabhängig.

  • Kriminalität gibt es in vielen Formen - und die reicht vom Enkeltrick bis zu sexuellem Missbrauch.
  • Für Opfer von Kriminalität gibt es in Heilbronn viele Hilfsangebote für alle Altersgruppen.
  • Die Beratungsstellen in Heilbronn helfen unabhängig, kostenlos und teilweise auch anonym.

Hilfe für Betroffene in Heilbronn: Oft hilft schon ein kurzes Telefonat

Von häuslicher Gewalt über K.o.-Tropfen bis hin zu sexuellem Missbrauch - Gewaltdelikte gibt es häufiger, als man denkt. 185.377 Fälle von Gewaltkriminalität gab es laut dem Portal Statista im Jahr 2018. Die Dunkelziffer dürfte dabei noch weitaus höher sein. Oft sind Angehörige und Freunde mit der Situation überfordert, dabei "hilft oft schon ein kurzes Gespräch", erklärt Alfred Kulka vom Verein "Weisser Ring" in Heilbronn. Solche Gespräche finden meist am Telefon statt und sind völlig frei und unverbindlich. Der Verein, der zu den bekanntesten Anlaufstellen für Kriminalitätsopfer in Deutschland zählt, hilft Betroffenen materiell. Zum Beispiel in Form von Soforthilfe - und immateriell. Das heißt: Beratung und gegebenenfalls Kontakt zu anderen Hilfsorganisationen herstellen.

Hier bekommt man in Heilbronn Hilfe:

In akuten, lebensbedrohlichen Fällen ist immer die Polizei (110) zu rufen. Kulka erklärt: "In vielen Fällen ist es aber auch ratsam,Anzeige zu erstatten oder beim zuständigen Versorgungsamt einen Antrag nach dem Opferentschädigungsgesetz zu stellen."

Hilfe und Beratung für Opfer: anonym und unabhängig

Alle (Fach-)Beratungsstellen unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht und beraten auf Wunsch teilweise auch anonym. Eine Beratung ist bei allen Institutionen unabhängig, eine Anzeige muss nicht gestellt werden. In akuten und besonders dringlichen Fällen sind oft schnelle Termine möglich, auf Wunsch können dann auch Folgetermine vereinbart werden. Jeder kann Opfer sein, jeder hat Anspruch auf Hilfe, Beratung und Unterstützung. Das betrifft natürlich auch Männer, die durchaus auch zu Opfern werden können - beispielsweise durch körperliche Misshandlung oder häusliche Gewalt.

Heilbronn: Wenn Kinder zu Opfern werden

Mit 14.606 offiziell erfassten Fällen im Jahr 2018 ist die sexuelle Gewalt an Kindern die am häufigsten auftretende Form von Gewalt. Zum Vergleich: Im selben Jahr sind 136 Kinder gewaltsam zu Tode gekommen, wie Spiegel Panorama berichtet. Für minderjährige Opfer in der Region Heilbronn gibt es daher eigens Einrichtungen, die die jungen Opfer speziell bei sexuellem Missbrauch beraten. Dazu zählen die "JüMäX" Fachberatungsstelle im Landkreis und der Verein "Pfiffigunde" im Stadtgebiet Heilbronn. Jungen und Mädchen finden hier Ansprechpartner. Eine davon ist Diplom-Psychologin Ariane Schlicher von der Fachstelle JüMäX Heilbronn, die den jungen Opfern zuhören und beratend zur Seite stehen - kostenlos und auf Wunsch auch anonym.

Gewalt an Kinder: Wichtig ist der erste Schritt

"Überwiegend werden die jüngeren Kinder durch die Eltern oder ein Elternteil angemeldet", erklärt Schlicher. Jugendliche kommen auch direkt oder durch andere Jugendliche. Zumeist erfolgt erst nach einem inzwischen beendeten sexuellen Missbrauch eine Beratung. Betroffen sind Kinder jeglichen Alters und unabhängig vom Geschlecht. Mädchen von null bis 18 Jahren stellen drei Viertel den größten Anteil dar, Jungen werden eher im Grundschulalter Opfer sexueller Gewalt.

Wichtig: Nicht immer kommen die Täter aus der eigenen Familie. Häufig werden beispielsweise Mädchen durch andere Jugendliche zum Opfer von sexueller Gewalt. Etwa 40 bis 50 neue Fälle betreuen Ariane Schlicher und ihre Kollegen pro Jahr. Diese Zahl sei seit zwei Jahren relativ konstant.

Hilfe in Heilbronn: Beratungsstellen sind gut vernetzt

Ergänzend zur ambulanten Hilfe kooperieren viele Institutionen in Heilbronn mit zusätzlichen Hilfsangeboten. Alfred Kulka pflegt beispielsweise ein gut verzweigtes Netzt an Kontakten, das von Frauenhäusern bis hin zu speziellen Fachberatungsstellen verschiedenen Opfer-Typen gerecht werden kann. Auch Ariane Schlicher kooperiert mit Therapeuten sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Weinsberg, wenn Beratungsgespräch allein nicht ausreichend sind oder eine Anschlusshilfe dringend benötigt wird.

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