Aushilfskräfte fehlen in der Gastronomie

Heilbronn: Gastronomie droht Personalproblem— Experte spricht Klartext

Menschen laufen am Biergarten vorbei
+
Wer ins Restaurant möchte, muss einen negativen Corona-Schnelltest vorweisen können, geimpft oder genesen sein. (Symbolbild)
  • Lisa Klein
    vonLisa Klein
    schließen

Die Gastronomie in Heilbronn darf ab Donnerstag öffnen, doch die Gastronomen stehen vor verschiedenen Hürden: Schnelltests, weniger Gäste und fehlendes Personal.

Dank der niedrigen Inzidenzen darf die Gastronomie im Stadtkreis Heilbronn ab Donnerstag wieder öffnen. Doch die Gastronomen stehen gleich vor mehreren Herausforderungen: Kunden müssen geimpft, genesen oder negativ getestet sein. Zudem sind nur eine begrenzte Anzahl an Gästen erlaubt. Noch dazu kommt: Der Gastronomie fehlt es an Personal. Denn viele haben sich aufgrund des Lockdowns und fehlender Corona-Hilfen umorientiert.

„Das betrifft vor allem die Aushilfskräfte, sie sind die Leidtragenden — da hat die Politik verschlafen. Den Aushilfskräften wurde einfach nicht geholfen“, erklärt Thomas Aurich, Heilbronner Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA, gegenüber echo24.de*. Er kritisiert vor allem, dass es keine finanziellen Hilfen für Aushilfen gab. Die Politik verwies bereits zu Beginn der Corona-Pandemie darauf, Aushilfskräfte aus der Gastronomie sollen sich einfach Jobs in anderen Bereichen suchen — Jobs gäbe es schließlich überall.

Das ist zwar leicht gesagt, für Studenten beispielsweise oftmals schwer umsetzbar. Laut Aurich schlug die Politik vor, Aushilfskräfte sollen einfach „in die Landwirtschaft wechseln“ und als Erntehelfer dort arbeiten. Doch in der Landwirtschaft sind die Jobs begrenzt, oft werden nur befristete Jobs angeboten — Saisonarbeiter werden teilweise nur wenige Wochen benötigt. Zudem haben viele kein Auto, was die Jobsuche erschwert.

Fehlendes Personal in der Gastronomie: Aushilfen als Leidtragende der Pandemie

Tatsächlich haben sich notgedrungen zahlreiche Menschen aus der Gastronomie umorientiert. Der Gastronomie-Experte geht davon aus, dass sich jetzt deutlich zeigen wird, dass diese Menschen fehlen. „Ich höre durchaus, dass viele Mitarbeiter verschwunden sind. Schließlich gab es plötzlich einfach keine Jobs mehr“, erzählt Aurich.

Kann sein, die Aushilfen kommen sofort wieder — oder aber auch nicht. Die Kernbelegschaft in der Gastronomie ist laut des DEHOGA-Vorsitzenden meistens noch da, doch die Aushilfen fehlen: „Wie viele tatsächlich gegangen sind und nicht zurückkommen, wird sich zeigen.“ Der Food Court in Heilbronn wird derzeit regelrecht von einer Bewerbungswelle überrollt, dennoch zweifelt Thomas Aurich an, dass es überall so problemlos klappen wird.

Ich würde sagen, dass wir stückweise in ein Loch fallen und ein paar Prozente an Mitarbeitern fehlen werden. Neue Mitarbeiter müssen erst geschult werden, das wird für jedes Unternehmen schwierig. Auf dem Land ist die Treue zum Unternehmen aufgrund der fehlenden Mobilität mehr da.

Thomas Aurich, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA in Heilbronn.

Gastronomie in Heilbronn darf öffnen: Die Suche nach neuen Aushilfskräften läuft

Generell ist die Gastronomie — vor allem für motivierte junge Leute — eine attraktive Option, die Zeit zwischen Abitur und Studium sowie Berufseinstieg zu überbrücken. Wer sich in der Gastronomie wohlfühlt und das den Gästen gegenüber auch zum Ausdruck bringen kann, hat die Möglichkeit, vor allem durch Trinkgelder eine Menge zusätzliches Geld dazu verdienen zu können.

Trinkgelder sind laut Aurich „ein klarer Vorteil der Gastronomie“. Wer gut ist, kann in der Gastronomie bis zu drei Viertel des Nettoverdienstes durch Trinkgelder dazuverdienen. Das ist allerdings auch ein Punkt, den der Gastronomie-Experte bemängelt: Beim Kurzarbeitergeld wurden die Trinkgelder nicht berücksichtigt. Somit kam letztendlich auch bei den Festangestellten viel weniger Geld an, als normalerweise verdient wird.

Nicht jeder möchte einen Schnelltest machen — Gastronomen rechnen mit weniger Kundschaft. (Symbolbild)

Thomas Aurich erwartet, dass zu Beginn die Gastronomen lediglich 20 Prozent des normalen Umsatzes machen werden. Viele Gäste wollen keinen kostenlosen Schnelltest machen, um ins Restaurant zu dürfen. Auf der anderen Seite erzählt Aurich: „Ich habe viele Kollegen, die keine Lust haben aufzumachen, solange es eine Testpflicht gibt. Die von sich aus gesagt haben, dass sie hoffen und darauf warten, dass die Testpflicht bald wegfällt.“

Doch auch mit weniger Gästen, mit Schnelltest-Pflicht und begrenzten Plätzen ist die Freude bei Aurich, endlich wieder öffnen zu dürfen, deutlich zu hören: „Wir sind glücklich, dass wir zu unseren Gästen zurückkehren können. Wir machen das, weil wir gerne mit anderen Menschen zusammen sind.“

Das könnte Sie auch interessieren