Entsetzliche Szenen in Heilbronn

Lebloser Mann in Heilbronn – anstatt zu helfen: Gaffer zücken ihr Smartphone

  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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Ein lebloser Mann liegt auf dem Marktplatz mitten in Heilbronn. Dutzende kommen vorbei und bleiben stehen – doch anstatt zu helfen, zücken sie ihr Smartphone.

  • Ein lebloser Mann lag am Montagabend in der Innenstadt von Heilbronn.
  • Der 41-Jährige befand sich in einem lebensbedrohlichen Zustand. 
  • Als die Einsatzkräfte den Mann reanimierten, versammelten sich zahlreiche Gaffer

Lebloser Mann mitten in Heilbronn – anstatt zu helfen: Gaffer zücken ihr Smartphone

Gaffen statt helfen – und das, wenn ein Mensch mitten in der Innenstadt um sein Leben kämpft. Die Szenen, die sich am Montagabend am Marktplatz in Heilbronn abgespielt haben, machen fassungslos, wütend und traurig. Traurig, denn sie lassen am Guten im Menschen zweifeln.

Die Heilbronner Polizei bringt es auf den Punkt: "Was geht in einem vor, wenn man von einem Notfall ein Foto macht? Geil, ein Mensch stirbt? Mal schauen, wie lange er es noch packt? Ist er schon tot oder lebt er noch?" Mit diesem erbosten Post auf Facebook versuchen die Beamten, die Menschen wachzurütteln. 

Anstatt ihm zu helfen, filmten die Gaffer den leblosen Mann auf dem Marktplatz in Heilbronn. 

Heilbronn: 41-Jährige auf dem Marktplatz in lebensbedrohlichem Zustand

Der Vorfall, auf den sie sich beziehen, passierte am Montag gegen 18.45 Uhr. Ein 41 Jahre alter Mann lag leblos am Treppenabsatz der Toiletten am Marktplatz. Laut Polizei befand er sich in einem lebensbedrohlichen Zustand.

Der Marktplatz in Heilbronn war zu dieser Zeit stark frequentiert. Einige wenige Menschen ergriffen die Initiative und schritten als Ersthelfer ein. Doch weit mehr – die Polizei spricht von "unzähligen Passanten" waren es, die am Rande der Rettungsmaßnahmen schlicht gafften. 

Notfall in Heilbronn: Mehrere Gaffer filmen anstatt zu helfen

Wenig später trafen auch die Einsatzkräfte am Heilbronner Marktplatz ein und kämpften um das Leben des 41-Jährigen. Während der Reanimation des Mannes versammelten sich immer mehr Schaulustige. Als wäre das nicht schlimm genug, zückten mehrere Personen ihre Smartphone und filmten das Geschehen. 

Da die Polizisten ebenfalls versuchten, das Leben des Mannes zu retten, konnten sie die Gaffer nicht davon abhalten oder deren Personalien aufnehmen. Der Mann wurde anschließend in ein Krankenhaus gebracht. 

Notfall in Heilbronn – Gaffern droht Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahre

"Das Filmen einer Person in einer hilflosen Lage ist nicht nur moralisch und gesellschaftlich nicht hinnehmbar, sondern auch eine Straftat", erklären die Beamten in einer Mitteilung. 

Gaffer können wegen unterlassener Hilfeleistung und der "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen" bestraft werden – dabei kann eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren drohen. Auch das eventuell teure Smartphone kann von der Polizei abgenommen werden. 

Seit November 2019 werden Gaffer, die Aufnahmen von Unfall-Toten machen, härter bestraft. (Archiv/Symbolbild)

Nach Notfall mit leblosem Mann in Heilbronn: Polizei mit dringendem Appell

Die Polizei appelliert an die Vernunft der Bevölkerung. "Jeder kann ich eine solche Situation kommen. In einer solchen Lage gefilmt zu werden, möchte vermutlich niemand", so die Beamten. 

Erste Hilfe sei auch in Zeiten von Corona möglich. Niemand verlange, dass man sich selbst in Gefahr bringe. Aber man könne Menschen in Not ansprechen, deren Atmung überprüfen, einen Notruf absetzen und gegebenenfalls Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten. 

Rubriklistenbild: © Alexander Auer/dpa

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