Sozialminister Manne Lucha in Heilbronn

Mehr Corona-Hilfen für Sozialarbeit? Sozialminister Lucha spricht in Heilbronn Klartext

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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In Heilbronn spricht Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha über finanzielle Hilfen in der Coronavirus-Zeit. Aber für wenn?

  • Der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha besucht die Mitternachtsmission der Diakonie Heilbronn im Silcherforum.
  • Mit Sozialarbeitern der Heilbronner Mitternachtsmission spricht Lucha über dringend benötigte Coronavirus-Hilfen für Beratungsstellen.
  • Auf echo24.de-Anfrage berichtet Alexandra Gutmann, Leiterin der Mitternachtsmission, über die aktuelle Situation in der Corona-Krise.

Heilbronn in der Coronavirus-Zeit: Frauenhäuser kämpfen mit Folgen der Pandemie

Frauenhäuser und Beratungsstellen erleben in Zeiten der Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg einen regelrechten Ansturm. An dieser Situation habe sich auch in Heilbronn nicht viel verändert, erklärt Alexandra Gutmann, Leiterin der Mitternachtsmission der Diakonie Heilbronn im Gespräch mit echo24.de. Im Gegenteil: Die Arbeit im Raum Heilbronn habe sich vervielfacht, ebenso die Kosten.

Gutmann: "Ohne Spenden könnten wir die Coronavirus-Zeit nicht überstehen." Hinzu kommt, dass im Zuge steigender Infektionszahlen eine zweite Corona-Welle nicht ausgeschlossen werden kann. Und welche fatalen Folgen schon der erste Lockdown für die Heilbronner Frauenhäuser in der Coronavirus-Zeit hatte, darüber berichtete echo24.de bereits.

Heilbronn: Coronavirus-Hilfen für Menschen in Not: Sozialminister Lucha spricht Klartext

Gutmann: "Durch das Coronavirus sind uns in der Mitternachtsmission Heilbronn Zusatzkosten in Millionenhöhe entstanden." Und auch in Anbetracht von Spenden müssen noch finanzielle Löcher in fünfstelliger Höhe gestopft werden. Gutmann und ihr Team hoffen deshalb auf finanzielle Hilfen von Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha, der am Donnerstag Heilbronn einen Besuch abstattete.

Und die Zeichen für eine finanzielle Unterstützung aus Stuttgart stehen schon mal auf Grün. Lucha: "Die Coronavirus-Pandemie zeigt uns die Wichtigkeit der Beratungsstellen in Baden-Württemberg auf." Daher sei es trotz hoher Staatsausgaben in der Coronavirus-Zeit wichtig, die sozialen Einrichtungen in Baden-Württemberg finanziell zu unterstützen.

Folgen der Coronavirus-Krise: Heilbronn hofft auf schnelle Hilfe - das ist der Betrag

Aufs übelste misshandelt, geschlagen und gedemütigt. Tagtäglich werden Frauen in Deutschland Opfer von häuslicher Gewalt. Kurzarbeitsregelungen, eingeschränkte Freizeitaktivitäten oder auch die häusliche Isolation in der Coronavirus-Krise zeigen nochmal ein ganz neues Ausmaß. Und ohne finanzielle Hilfen können die Kapazitäten in Heilbronn mit dieser Entwicklung nicht mithalten.

Sozialminister Manne Lucha besucht die Diakonie Heilbronn und spricht über Corona-Hilfen für die Sozialarbeit.

In einer Gesprächsrunde mit Journalisten und Mitarbeitern der Diakonie Heilbronn äußert sich Sozialminister Lucha deshalb konkreter zu möglichen Coronavirus-Hilfen für soziale Dienste in Baden-Württemberg. Es wird finanzielle Hilfen für soziale Beratungsstellen in Höhe von 190.000 Euro geben. Die Mitternachtsmission der Diakonie Heilbronn werde hier natürlich berücksichtigt, sagt Lucha.

Heilbronn: Lucha betont Wichtigkeit der Beratungsstellen - trotzdem fehlt viel Geld

Denn: Es braucht finanzielle Hilfen in Millionenhöhe. Sprich: Mit kleineren Corona-Finanzspritzen ist wenig gewonnen. Hinzu kommt, dass die Beratungsstellen in Heilbronn auch mit Spenden irgendwann an Grenzen ihre kommen. Gutmann: "Die Menschen spenden nicht nur Geld, auch engagieren sich viele ehrenamtlich." Doch nicht jede Position kann durch ehrenamtliche Helfer besetzt werden.

Es braucht qualifiziertes Personal, gerade jetzt in der Coronavirus-Zeit, wo Probleme wie Menschenhandel oder die häusliche Gewalt in Heilbronn richtig an Fahrt aufnehmen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass unabhängig von der Coronavirus-Pandemie noch andere Faktoren die Arbeit von Gutmann und ihrem Team erschweren. Sei es die Wohnungsnot in Heilbronn oder mangelnde Plätze in Frauenhäusern.

Heilbronn: Situation wegen Coronavirus in Frauenhäusern teils fatal

Dieser Tatsachen steht die Istanbuler Konvention, der sich Gutmann und das Team der Mitternachtsmission der Diakonie Heilbronn verschrieben haben. Das Ziel: Die häusliche Gewalt abschaffen. Gerade auch in der Coronavirus-Zeit ein hohes Ziel, für das es mehr Ressourcen, letztlich Geld braucht. Sind die Coronavirus-Hilfen also ein Tropfen auf den heißen Stein? Es scheint fast darauf hinauszulaufen.

Gutmann: "Manche Frauen mussten wir in der Coronavirus-Zeit schon in Sammelunterkünften unterbringen." Teils war die Aussichtslosigkeit dann dermaßen groß, dass die von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen teils wieder zu ihren Männern zurückgegangen sind. Ist dieser Punkt erreicht, stimmt etwas nicht. Und es zeigt umso mehr, welche Dimension an finanziellen Hilfen nötig sind - nicht nur unter Corona. 

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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