Mögliches Motiv des NSU benannt

In Heilbronn erschossene Polizistin Kiesewetter: Doch kein Zufallsopfer?

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Beamte der Spurensicherung arbeiten am Tatort, an dem zuvor die Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter getötet wurde. 
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Michèle Kiesewetter wurde vor zwölf Jahren vom NSU ermordet. Der Untersuchungsausschuss glaubt nicht an einen Zufall.

Update, 1. Oktober: Polizistin Kiesewetter soll absichtlich ermordet worden sein

"Die Frage nach dem Warum bleibt", hatte die Polizei Heilbronn noch im April zum 12. Todestag ihrer getöteten Kollegin Michèle Kiesewetter via Twitter mitgeteilt. Jetzt soll es eine Antwort geben. Der zweite Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss hat im Abschlussbericht am Montag in Erfurt auch die Ergebnisse im Fall Kiesewetter vorgestellt. 

Demnach soll die Polizistin kein Zufallsopfer des Nationalsozialistischen Untergrunds gewesen sein. Stattdessen hätten die Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, denen der Mord zugeschrieben wird, durchaus ein mögliches Motiv haben können.

Getötete Polizistin Kiesewetter: Berührungspunkte mit rechtsextremen Straftätern?

Das leitet der Untersuchungsausschuss aus Berührungspunkten ab, die Kiesewetter in Ausübung ihrer Tätigkeit als Polizistin mit rechtsextremen Straftätern gehabt habe. Allerdings habe sich der Ausschuss aus Zeitgründen nicht ausführlich mit dem Thema beschäftigen können.

Kritik übte der Ausschuss dennoch noch einmal an den damaligen Ermittlern. Sie hätten sich mit diesen Fragen "nicht sehr intensiv auseinandergesetzt", sagte die Ausschussvorsitzende Dorothea Marx (SPD). Zwei Jahre lang war nach dem Tod Kiesewetters einer falschen Spur nachgegangen worden.

Heilbronn: Kritik an Ermittlern im Fall Michèle Kiesewetter

Eine DNA-Spur vom sogenannten "Phantom von Heilbronn" stellte sich hinterher als Sackgasse heraus. Eine Mitarbeiterin einer Wattestäbchenfirma hatte ein für die Spurensicherung genutztes Stäbchen mit eigener DNA kontaminiert. Andere Spuren war währenddessen nicht nachgegangen worden.

Kiesewetter war 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese mit einem Kopfschuss getötet worden. Die Heilbronner Polizei gedenkt ihrer Kollegin in jedem Jahr mit emotionalen Worten.

Ursprungsmeldung, 25. April: Polizei trauert um getötete Kollegin Kiesewetter

"Und einmal im Jahr steht die Zeit still." Mit diesen emotionalen Worten unterstreicht die Polizei Heilbronn am heutigen 25. April ihre anhaltende Trauer um die vom Nationalsozialistischen Untergrund getötete Kollegin Michèle Kiesewetter. Sie war vor 12 Jahren mit einem gezielten Kopfschuss ermordet worden. "Was bleibt, ist die Frage nach dem Warum", heißt es auf dem Twitter-Kanal der Polizei.

Polizistenmord von Heilbronn: Michèle Kiesewetter durch Kopfschuss getötet

Michèle Kiesewetter war mit ihrem Kollegen zu einer Pause auf der Heilbronner Theresienwiese gewesen, als beiden Polizisten in den Kopf geschossen wurde. Während Martin A. schwer verletzt überlebte, verstarb die damals 22-Jährige vor Ort.

In jedem Jahr erinnern die Kollegen an ihrem Todestag an die ermordete Polizistin Michele Kiesewetter.

Die Ermittlungen zu dem mysteriösen Fall zogen sich anschließend über Jahre hin. Letztlich wurde Beate Zschäpe unter anderem wegen der Mittäterschaft an dem Mord an Michèle Kiesewetter zu lebenslanger Haft verurteilt.

12 Jahre nach Mord an Michèle Kiesewetter: Polizei Heilbronn trauert nicht nur am Todestag

Für die Heilbronner Polizeikollegen ist damit die Trauerarbeit aber nach wie vor nicht vorbei. Der Fall beschäftige die Beamten immer noch. Vor allem eines lässt sich auch zwölf Jahre später nicht endgültig klären: ein mögliches Motiv.

Das Gedenken an Michèle Kiesewetter bleibt aber nicht nur deshalb lebendig. Wie in jedem Jahr gab es auch heute ein kurzes Gedenken an den Heilbronner Polizistenmord am Tatort auf der Theresienwiese.

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