Todesstoß für die Innenstädte?

Händlern in Heilbronn drohen fatale Folgen! Kommt es noch viel schlimmer?

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Wegen des Coronavirus droht Einzelhändlern in Heilbronn ein mieses Weihnachtsgeschäft. Doch das Virus ist letztlich nur Teil eines größeren Problems.

Die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen in Heilbronn und ganz Baden-Württemberg ist zuletzt immer wieder gestiegen. Um der Lage Herr zu werden, ist der sogenannte „Lockdown-Light“ in Kraft getreten. Doch anders als im ersten Lockdown im Frühjahr darf der Einzelhandel weiterhin geöffnet bleiben. Gaststätten, Freizeit- sowie Kultureinrichtungen müssen dagegen schließen. Auch viele Veranstaltungen wie der Käthchen Weihnachtsmarkt in Heilbronn werden dieses Jahr nicht stattfinden. Für die Einzelhändler in der Heilbronner Innenstadt ist das ein Desaster.

Heilbronner Einzelhandel: Händlern droht schlechtes Weihnachtsgeschäft

Besonders hart trifft das die Einzelhändler in der Heilbronner Innenstadt. Der Grund: Veranstaltungen wie eben der Käthchen Weihnachtsmarkt bringen gute Kundschaft in die Innenstadt. Hinzu kommt, dass die Menschen in Zeiten von Coronavirus-bedingten Kontaktbeschränkungen das Einkaufen in Geschäften vermeiden. „Umso mehr freut man sich über jeden einzelnen Kunden“, erklärt Gerlinde Knaf vom Bekleidungsgeschäft No23 in der Kaiserstraße 23 in Heilbronn.

Manche Tage seien schlecht, andere wieder besser, sagt Knaf im Gespräch mit echo24.de. Es seien vor allem die Stammkunden, die das Geschäft in Zeiten der Coronavirus-Pandemie am Leben halten. „Ich bin aber zuversichtlich, dass es für uns nach Corona auch wieder bergauf geht.“ Ungerecht findet sie, dass es die Corona-Hilfen nur für Gastronomie, Freizeit- und Kultureinrichtungen gibt. Zwar darf Knaf wie alle Einzelhändler in Heilbronn ihr Geschäft öffnen, doch was nützt das, wenn die Kunden aus Angst vor einer möglichen Coronavirus-Infektionen fernbleiben?

Einzelhandel Heilbronn: Stadtinitiative schlägt Alarm

Auch Chantal Lang von der Stadtinitiative Heilbronn sieht in der Coronavirus-Pandemie eine Gefahr für die Einzelhändler vor Ort. Doch die Pandemie sei nicht die Ursache der Probleme. Das Coronavirus sei vielmehr ein Treiber der derzeitigen Entwicklung. Schon vor Covid-19 hätten die örtlichen Einzelhändler mit Amazon, Zalando und Co. zu kämpfen gehabt. Daher seien Corona-Hilfen für die Wirtschaft wirklich nur eine Soforthilfe. „Auf lange Sicht müssen wir uns fragen, wie das Heilbronn der Zukunft aussehen soll“, erklärt Lang im Gespräch mit echo24.de.

Klar ist laut Lang aber, dass die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie gerade jetzt zur Weihnachtszeit die Einzelhändler in Heilbronn hart treffen. Neben fehlenden Weihnachtsmärkten kommen Pandemie-bedingt auch kaum noch Touristen nach Heilbronn. Lang: „Hinzu kommt, dass die Kundengruppe der örtlichen Einzelhändler in Heilbronn zur Risikogruppe gehört.“ Es sei kein Geheimnis, dass die jüngere Generation im Online-Zeitalter aufwachse und folglich auch verstärkt über das Internet einkaufe. Das Thema Einzelhandel in der Corona-Krise müsse man zudem branchenspezifisch betrachten.

Heilbronn: Coronavirus nur Teil des Problems im Einzelhandel

Klar ist: Große Handelsketten wie Lidl oder Kaufland sind nicht die Verlierer in der Corona-Krise. Und wenn durch Kurzarbeit oder steigende Lebenshaltungskosten das Geld knapp wird, sind es die Luxusgüter, auf die der Verbraucher als erstes verzichtet. Betroffen sind dadurch kleinere Boutiquen oder auch die Reisebranche. Trotz Coronavirus appelliert Lang deshalb an die Menschen: „Kauft auch im örtlichen Einzelhandel ein.“ Die Hygienekonzepte der Einzelhändler in Heilbronn seien gut umgesetzt. „Zudem bieten viele Händler in Heilbronn mittlerweile das sogenannte Private-Shopping an.

Beim Private-Shopping ruft der Kunde beim Händler an und vereinbart einen Termin. Zu diesem Termin sind keine anderen Kunden eingeladen, daher ist das Private-Shopping vor allem für Menschen aus der Risikogruppe interessant. Ob das Private-Shopping angeboten wird, können Kunden per Telefon beim jeweiligen Händler erfragen. Doch auch von dieser neuen Maßnahme kann nicht jeder Heilbronner Einzelhändler profitieren. Paradebeispiel: die Reisebranche. Noch immer sind für viele Länder weltweit Reisewarnungen ausgesprochen. Auch der Flugbetrieb ist nach wie vor stark heruntergefahren.

Einzelhandel Heilbronn: Reisebüro sieht in der Corona-Krise eine Chance

Von fehlender Kundschaft kann Volker Effenberger vom Reiseladen Heilbronn ein Lied singen. „Es kommen zum Glück noch Kunden, doch das ist nicht vergleichbar mit unserem Kundenverkehr unter Normalbedingungen“, erklärt der Inhaber im Gespräch mit echo24.de. Urlaubsreisen seien trotz der Corona-Krise möglich. „Zwar mit Einschränkungen, aber möglich.“ Als Beispiel nennt der erfahrene Reiseexperte Ziele wie die kanarischen Inseln. Effenberger rät allerdings zu Pauschalreisen. Der Grund: Im Zweifelsfall bekommt der Kunde auf jeden Fall sein Geld zurück.

Urlaub (Bild: Lanzarote) ist in Zeiten der Corona-Krise schwierig aber machbar.

Zudem sei die Buchung im Reisebüro vor Ort empfehlenswert, erklärt Effenberger. Der Grund: „Hier können wir die Kunden beraten und ihnen im Notfall das Geld zurückerstatten. Bei vielen Buchungsportalen im Internet sei das nicht der Fall. Effenberger glaubt, dass die Corona-Krise vielleicht sogar etwas Positives mit sich bringt. Viele Verbraucher hätten in der ersten Corona-Welle Reisen über das Internet gebucht und seien im Hinblick auf Beratung und Kostenerstattung enttäuscht worden. „Vielleicht kommen auch nach der Coronavirus-Zeit deshalb wieder mehr Kunden ins Reisebüro vor Ort.„

Einzelhandel Heilbronn: Von der Coronavirus-Zeit profitieren

Zudem sei vielen die Lust auf Urlaubsreisen nicht vergangen, sagt Effenberger. „Im Gegenteil: Das Bedürfnis zu Reisen ist weiterhin vorhanden und verstärkt sich im Zuge der Coronavirus-bedingten Isolation vielleicht sogar noch.“ Ähnlich äußerte sich das ebenfalls in Heilbronn ansässige Reisebüro Travelpoint im echo24.de-Interview zum Thema „Urlaub in der Corona-Krise und wie es danach weitergeht.“ Auch Gerlinde Knaf von No23 hofft auf positive Effekte durch Corona: „Ich denke, dass die Lust aufs Einkaufen nicht komplett weg ist. Das kommt wieder und vielleicht sogar verstärkt.“

Rubriklistenbild: © Marc Thorwartl/echo24.de

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