Eichenprozessionsspinner in den Heilbronner Wertwiesen

Eichenprozessionsspinner in Heilbronn: Gefährlich für Mensch, Tier und Natur

  • Lisa Klein
    vonLisa Klein
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In Heilbronn wurden mehrere Bereiche aufgrund der Eichenprozessionsspinner abgesperrt. Doch was ist eigentlich so gefährlich an den Tierchen?

Nicht nur die Maikäfer, auch die Eichenprozessionsspinner sind wieder unterwegs. Gleich mehrere Bereiche in der Stadt Heilbronn sind aufgrund der Tierchen großzügig abgesperrt und sollen nicht betreten werden. Doch warum eigentlich? Welche Gefahren gehen für Mensch, Tier und Natur von den Eichenprozessionsspinnern aus? Welche Bereiche sind gesperrt und vor allem wie lange?

In Deutschland sind inzwischen alle Bundesländer von den Eichenprozessionsspinnern betroffen, am stärksten Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Die Eichenprozessionsspinner leben bevorzugt an trockenen und lichten Orten. Besiedelt werden vor allem eichenreiche Wälder, sie treten aber auch an einzelnen Bäumen auf, wie etwa an Straßenrändern und in Parks.

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Schmetterling, genauer gesagt ein Nachtfalter aus der Familie der Zahnspinner. Der Falter selbst erreicht eine Flügelspannweite von 25 bis 36 Millimeter, die Weibchen sind etwas größer als die Männchen. Die Tierchen sind asch- bis braungrau.

Eichenprozessionsspinner in Heilbronn: Warum sind die Tierchen gefährlich?

Das Gefährliche an dem Eichenprozessionsspinner ist nicht der Schmetterling an sich, sondern die Raupe. Denn die Brennhaare der Raupe des Eichenprozessionsspinners können beim Menschen eine Raupendermatitis auslösen — eine allergische Hautreaktion, die ganz schön unangenehm ist.

Für den Menschen gefährlich sind vor allem die Haare des dritten Larvenstadiums, in welchem sich die Tierchen im Mai und Juni befinden. Die Härchen haften auch an Kleidern und Schuhen, sie lösen bei Berührungen toxische Reaktionen aus. Die beinahe unsichtbaren Brennhaare dringen leicht in die Haut und Schleimhaut ein und setzen sich dort mit ihren Häkchen fest.

Dasselbe gilt übrigens auch für Tiere, vor allem Hundebesitzer sollten aufpassen, dass ihre Vierbeiner die abgesperrten Bereiche ebenfalls nicht betreten. Der direkte Kontakt mit der Nase oder der Zunge mit der Raupe führen zu starken Schwellungen im Kopfbereich und zu schweren Verätzungen der Hundezunge.

Eichenprozessionsspinner in Heilbronn: Diese Reaktionen kann der Kontakt auslösen

Die Raupendermatitis kann verschiedene Reaktionen auslösen. Bei einer Berührung der Brennhärchen kann es zu folgenden Symptomen kommen:

  • heftigem Juckreitz
  • Hautrötungen
  • Quaddeln
  • Eiterbläschen
  • Knötchen, die an eine Insektenstichreaktion erinnern

Die Hautreaktionen halten unbehandelt oft ein bis zwei Wochen an. Meist sind alle Hautbereiche betroffen, die nicht bedeckt waren. Als Therapie werden hier entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Noch gefährlicher wird es, wenn die Härchen in die Schleimhäute geraten. Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut durch Einatmen der Haare können zu Bronchitis, schmerzhaftem Husten und Asthma führen.

Beim Einatmen der Härchen kann eine stationäre Behandlung mit Infusion von Kortison oder Theophyllin notwendig werden. Begleitend treten möglicherweise Allgemeinsymptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung auf. Im seltenen Extremfall sind auch allergische Schockreaktionen möglich.

Eichenprozessionsspinner in Heilbronn: Eine Gefahr für Mensch, Tier und Natur

Der Eichenprozessionsspinner ist nicht nur für Mensch und Tier gefährlich. Die Raupe gilt zudem als Schädling, da sie sich von Blättern ernähren und dabei Lichtungs- oder Kahlfraß verursachen. Bei mehrjährigem starkem Auftreten kann der Baum direkt oder durch Folgeerscheinungen geschädigt werden.

Vorsicht Eichenprozessionsspinner! In den Wertwiesen Heilbronn sind betroffene Bäume großräumig abgesperrt.

In der Regel wird nichts zur Bekämpfung von Eichenprozessionsspinnern unternommen, wenn dann nur aus forstwirtschaftlichen Gründen. Der Eichenprozessionsspinner hat allerdings natürliche Feinde wie Wanzen, Schlupfwespen, Raupenfliegen, der Kuckuck, der Pirol und räuberische Käfer.

Wie können Gefahren durch den Eichenprozessionsspinner vermieden werden?

Es gibt Vorsichtsmaßnahmen, die in der Regel von der Stadt oder Gemeinde aus getroffen werden. Damit die Befallsgebiete vermieden werden, werden Bereiche rund um Eichen großzügig abgesperrt. So auch in den Heilbronner Wertwiesen. Zudem gibt es noch ein paar weitere Vorsichtsmaßnahmen, die jeder von uns treffen kann:

  • Befallsgebiete meiden
  • Hautbereiche (z. B. Nacken, Hals, Unterarme, Beine) schützen
  • Raupen und Gespinste nicht berühren
  • Sofortiger Kleiderwechsel und Duschbad mit Haarreinigung nach (möglichem) Kontakt mit Raupenhaaren
  • Auf Holzernte- oder Pflegemaßnahmen verzichten, solange Raupennester erkennbar sind

Eichenprozessionsspinner in Heilbronn: Wie lange bleiben die Bereiche gesperrt?

Die Raupen des Eichen-Prozessionsspinners befinden sich hauptsächlich an Eichen. Die Eigelege der Eichenprozessionsspinner von 100 bis 200 Stück bestehen aus etwa einen Millimeter großen weißen Eiern. Sie werden meistens an älteren Eichen im Kronenbereich an dünneren Zweigen und anderen glatten Rindenstellen in Form einer länglichen Platte abgelegt.

Die Bäume in den Heilbronner Wertwiesen sind von den Eichenprozessionsspinnern befallen.

Der Embryo entwickelt sich noch im Herbst zur fertigen Jungraupe, die dann im Ei überwintert und Anfang Mai schlüpft. Die Raupen durchlaufen fünf bis sechs Entwicklungsstadien bis zur Verpuppung und werden bis zu fünf Zentimeter lang. Sie gehen in Gruppen von 20 bis 30 Individuen im Gänsemarsch auf Nahrungssuche, daher der Name „Prozessionsspinner“.

Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven die gefährlichen Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Die Verpuppung des Eichenprozessionsspinners erfolgt Ende Juni, Anfang Juli, bis dahin werden die Bereiche in der Stadt Heilbronn vermutlich noch gesperrt bleiben.

Rubriklistenbild: © DPA Deutsche Presseagentur

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