Coronavirus in Heilbronn

Corona-Kollaps? Rekordbelegung auf Intensivstationen in Deutschland – so ist die Lage in Heilbronn

  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen hat bundesweit den Höchstwert vom Frühjahr überschritten. Droht der Corona-Kollaps? So ist die Lage in Baden-Württemberg und in Heilbronn.

Die Lage ist ernst – offenbar ernster als im Frühjahr. Aktuell nimmt trotz des bundesweit verhängten Teil-Lockdowns und den damit einhergehenden verschärften Corona-Regeln die Zahl der täglichen Neuinfektionen nur gering ab. Einen Höchststand meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) am 7. November mit 23.399 Neuinfektionen innerhalb eines Tages. In Baden-Württemberg waren es zuletzt 2.414 Neuinfektionen (Stand 10. November). Die zweite Corona-Welle trifft die Bundesrepublik härter als die erste.

Coronavirus: Immer mehr Intensivpatienten – Lage in Kliniken „schlimmer als im Frühjahr“

Das zeigt auch die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen. Der bisherige Höchststand war laut der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) am 18. April mit 2.933 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen erreicht worden. Knapp sieben Monate später, am 9. November, vermeldete das DIVI erstmals mehr als jene 2.933 Corona-Intensiv-Patienten, zwei Tage später waren es bereits 3.127 (Stand 11. November, 12.15 Uhr). Davon wurden 1.787 invasiv beatmet, das entspricht 56 Prozent. In Baden-Württemberg beträgt die Gesamtbelegung der Intensivkapazitäten am 10. November 75 Prozent.

Die Lage in den Kliniken sei derzeit schlimmer als im Frühjahr, sagte Uwe Janssens, der Präsident der DIVI gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Anders als bei der Spitze am 18. April werde diesmal kein Abflauen folgen, der Anstieg werde sich vielmehr vorerst fortsetzen, sagte Janssens. Der Grund sei, dass sich die jeweilige Zahl an Corona-Neuinfektionen erst verzögert in schweren Verläufen und schließlich in der Belegung der Intensiv-Stationen niederschlägt. Nach Daten des RKI steigt seit Ende September auch der Anteil der älteren Infizierten wieder an. Für diese Personen besteht ein höheres Risiko, schwer zu erkranken.

Heilbronn: Anzahl an Corona-Patienten auf Intensivstationen der SLK-Kliniken

Aber wie ist die Lage in den SLK-Kliniken? Im SLK-Verbund werden Patienten mit positivem Covid-Befund derzeit ausschließlich im Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn und in der Lungenklinik Löwenstein stationär aufgenommen. Insgesamt werden an diesen beiden Standorten derzeit 76 „krankenhauspflichtige Patienten mit positivem Sars-CoV-2-Befund“ behandelt (Stand 11. November). Das teilt der SLK-Sprecher Mathias Burkhardt auf echo24.de-Nachfrage mit. Davon würden 13 intensivpflichtig behandelt, wobei das nicht besage, dass diese 13 Patienten auch beatmet werden müssten.

Im SLK-Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn wurden zuletzt weitere Betten-Kapazitäten für die Aufnahme von Covid-Patienten geschaffen. „Wir betreiben dort derzeit nur noch 70 Prozent der Betten, weil die kontinuierlich ansteigende Anzahl an Covid-Patienten das notwendig macht“, erklärt Burkhardt. Aktuell gibt es vier Isolierstationen, auf denen Corona-Patienten behandelt werden. Man hoffe natürlich, dass der Lockdown hinsichtlich der Neuinfektionszahlen in Kürze greife und weniger Menschen ins Krankenhaus müssten. Im Moment würden es noch von Tag zu Tag spürbar mehr Patienten.

In der zweiten Corona-Welle nehmen schwere Fälle zu. Auch in Intensivstationen der Krankenhäuser werden zusehends mehr Corona-Patienten behandelt. (Symbolbild)

SLK-Kliniken Heilbronn: So viele Intensivbetten stehen im Ernstfall zur Verfügung

Dennoch hält Burkhardt auch fest: Hinsichtlich der Anzahl von Patienten auf den Intensivstationen sei man noch ein gutes Stück davon entfernt, was die SLK-Kliniken im Frühjahr hatten leisten müssen. Nichtsdestotrotz handle es sich um eine dynamische Situation, in der man auf aktuelle Entwicklungen hinsichtlich des Infektionsgeschehens reagieren müsse. Seit dem 2. November gilt auch ein Besucherstopp in den SLK-Kliniken.

Bereits im Frühjahr hatten die SLK-Kliniken ein Versorgungskonzept für den „absoluten Covid-Notfall-Modus“ entwickelt. Dieses zeigt, was theoretisch an Betten-Kapazitäten möglich ist. Dieses Szenario setzt allerdings voraus, dass der Regelbetrieb heruntergefahren würde und sämtliche planbaren Operationen – sofern medizinisch vertretbar – verschoben würden. Zudem dürfte kein Personal aufgrund von Krankheit oder Quarantäne fehlen. In diesem theoretischen Fall hätten die SLK-Kliniken in der Lungenklinik Löwenstein und dem Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn insgesamt 600 Betten auf Normalstationen zur Verfügung. Dazu kämen 200 Betten auf Intensivstationen, wovon 80-100 Patienten beatmet werden könnten. Zum Vergleich: Im Frühjahr waren alle Kliniken in Deutschland aus dem Regelbetrieb genommen worden.

Rubriklistenbild: © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

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