Werden wir im Sommer 2021 im Biergarten sitzen dürfen?

Corona-Hotspot Heilbronn: Wie wird der Corona-Sommer 2021? Die Experten-Prognose

Menschen sitzen in einem Biergarten und genießen die Sonne, im Hintergrund fließt der Neckar.
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Können wir schon im Sommer 2021 wieder im Biergarten sitzen und durch die Stadt zum Einkaufen schlendern? (Symbolbild)
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    vonLisa Klein
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Zahlreiche Einzelhändler und Gastronomen stehen vor dem Aus, eine Öffnungsperspektive gibt es bislang nicht. Wie wird der Corona-Sommer 2021 in Heilbronn?

Mit Blick auf die aktuellen Infektionszahlen in Baden-Württemberg scheinen die Hoffnungen auf einen „normalen Sommer“ zu schwinden. Erst kürzlich wurde in Heilbronn erneut die 300er-Marke an Neuinfektionen geknackt – die Stadt zählt dauerhaft zu den traurigen Spitzenreitern. Inzwischen sinken die Inzidenzen in Heilbronn wieder leicht, dennoch beträgt die 7-Tage-Inzidenz derzeit im Stadtkreis 239,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, der Landkreis Heilbronn hat eine Inzidenz von 221,8 (Stand: 29. April). Doch Heilbronner Experten schauen hoffnungsvoll in die Zukunft und blicken auch mit Zuversicht auf den Sommer 2021.

Die Heilbronner Stimme hat am Freitag (30. April) eine Live-Debatte initiiert*, bei der in einem Online-Forum mit Vertretern aus der Kommunalpolitik, der Medizin und der Wirtschaft darüber gesprochen wurde, warum Heilbronn ein Corona-Brennpunkt ist und wie die aktuelle Lage aussieht. Zudem wurde ein erster Blick in die Zukunft gewagt – wie wird der Corona-Sommer 2021, wann kehrt wieder mehr Normalität ein?

Von 11 bis 12 Uhr haben Oberbürgermeister Harry Mergel, der Heilbronner IHK-Präsident Harald Unkelbach, Professor Wolfgang Linhart der SLK-Kliniken, der Gastronom Matthias Kern sowie Kitty Molnár, Centermanagerin der Stadtgalerie, live in einem Zoom-Meeting auf stimme.de diskutiert. „Bei der Debatte geht es auch um die Lage in den SLK-Kliniken, wo zuletzt wieder mehr Covid-Patienten behandelt wurden, und um die Situation der Wirtschaft: Gastronomie und Handel fordern dringend eine Perspektive“, heißt es in der Veranstaltungsbeschreibung auf stimme.de. Moderiert wurde die einstündige Diskussion von den Stimme-Redakteuren Tanja Ochs und Alexander Hettich. 

Corona-Hotspot Heilbronn: Einzelhändler und Gastronomen vor dem Aus

Der Heilbronner IHK-Präsident Harald Unkelbach hat eine klare Ansage: „Wir müssen viel mehr impfen, dann lösen sich viele Probleme, die wir heute diskutieren.“ Wie groß die Zahl der Firmen ist, die bereits insolvent sind, kann Unkelbach zum jetzigen Zeitpunkt nicht genau sagen. Viele Heilbronner Unternehmen halten sich gerade so noch mit den Corona-Hilfen über Wasser: „Einmannbetriebe haben es extrem schwer, zu überleben.“ Der IHK-Präsident rechnet damit, dass etwa 20 Prozent der Betriebe die Corona-Pandemie nicht überleben werden.

Kitty Molnár, Centermanagerin der Stadtgalerie erzählt in der Online-Runde, dass seitdem die Corona-Pandemie unser Leben beeinflusst, bereits fünf Geschäfte in der Stadtgalerie Heilbronn schließen mussten: „Weitere fünf bis zehn Läden schätzen wir so ein, dass diese mit der Liquidität an der Wand stehen.“ Kitty Molnár geht davon aus, dass diese Geschäfte auch nicht mehr auf die Beine kommen. Das Tübinger Modell war ein Hoffnungsträger für die Einzelhändler, doch inzwischen fehlt die Perspektive und auch die Hoffnung ist verloren, betont die Centermanagerin. Kitty Molnár wünscht sich, dass sich die Regeln nicht nur an den Inzidenzen orientieren – denn die meisten Kontakte finden im Lebensmittelhandel und nicht im Einzelhandel statt.

Den Einzelhändlern und auch den Gastronomen fehlt eine Öffnungsperspektive. (Symbolfoto: dpa)

Der Gastronom und Betriebsleiter der Laube in Heilbronn, Matthias Kern steht hinter den Entscheidungen der Regierung, auch wenn er diese nicht immer für gut befindet. Er selbst würde nicht in der Haut eines Politikers stecken wollen. Professor Dr. med. Wolfgang Linhart stimmt dem Laube-Betrierbsleiter zu, „dass man nicht immer alles verstehen muss“, was die Regierung beschließt.

Thema Tübinger Modell: Hat die Stadt Heilbronn hier eine Chance verpasst? Harry Mergel betont, dass es sich dabei um ein Modellprojekt handelt, welches wissenschaftlich begleitet wurde – denselben Versuch an einem anderen Standort, etwa in Heilbronn, durchzuführen, hält er nicht für sinnvoll. „Es wird in naher Zukunft eine Öffnungsperspektive geben“, der Oberbürgermeister zeigt sich optimistisch.

Corona-Hotspot Heilbronn: Impfungen als Hoffnungsträger im Kampf gegen die Pandemie

Harry Mergel ist zuversichtlich, dass das Impfzentrum in Horkheim gut aufgestellt ist, dass sobald genügend Impfstoff da ist, auch 24 Stunden an jedem Tag der Woche geimpft werden kann. Auch die Centermanagerin ist in diesem Punkt zuversichtlich: „Wir sehen auch eindeutig in der Impfung die beste Lösung“, sagt Kitty Molnár. Die Centermanagerin möchte auch ein Testzentrum in der Stadtgalerie einrichten, sodass die Kunden sich künftig direkt vor Ort beim Einkaufen testen lassen können.

Matthias Kern hält nicht viel davon, Geimpfte in der Gastronomie oder auf sonstige Weise zu bevorzugen. Er würde lieber erst öffnen, wenn jeder, unabhängig einer Impfung, kommen darf – Ausgrenzungen hält er nicht für richtig, solange nicht jeder ein Impfangebot bekommen hat. Wenn außerdem nur die Hälfte der Gäste kommen dürfen, legen die Gastronomen oftmals finanziell noch obendrauf. „Wir hängen in der Perspektivlosigkeit“, dem Gastronomen wird zu wenig über Öffnungsstrategien gesprochen.

Corona-Hotspot Heilbronn: Ein Blick in die Zukunft – wie wird der Corona-Sommer 2021?

Stimme-Redakteurin Tanja Ochs möchte abschließend in die Zukunft blicken: Wie realistisch ist es, dass wir im Sommer im Biergarten sitzen? Matthias Kern hält es für sehr realistisch, die Menschen können irgendwann – sobald es Sommer wird – nicht mehr drinnen gehalten werden. „Ich gehe davon aus, dass wir einen Biergartenbetrieb zumindest im Außenbereich haben werden“. Und weiter: „Wenn wir Glück haben, wird es so ablaufen wie im letzten Jahr.“ Dennoch hofft er, dass es in diesem Sommer allgemein einen umsichtigeren Umgang geben wird. Im vergangenen Jahr entstand im Sommer das Gefühl, Corona wäre bereits überwunden.

Können wir im Sommer 2021 in Heilbronn wieder im Biergarten sitzen, trotz Corona? (Symbolbild)

Kitty Molnár blickt ebenfalls hoffnungsvoll in die Zukunft und hofft auf eine baldige Öffnung, ermöglicht durch den Impffortschritt in Deutschland. Der IHK-Präsident ist ebenfalls positiv gestimmt: „Die Wirtschaft hier in Heilbronn ist sehr robust.“ Er ist zuversichtlich, dass die Wirtschaft die Krise gut überstehen könne. Er appelliert allerdings an die Politik: „Wir müssen jetzt schon überlegen, was wir im Herbst machen.“ Denn die Corona-Pandemie wird dann immer noch nicht vorbei sein.

Online-Diskussion der Stimme: Wann wird es wieder ein anderes Thema als Corona geben?

Ab wann könnte Corona nicht mehr das beherrschende Thema sein? Der Klinikdirektor Professor Wolfgang Linhart geht davon aus, dass die Zahlen der Intensivbelegungen in zwei Wochen wieder rückläufig sein werden. Zudem denkt er, dass sich Corona über den Sommer nur „in einer kleinen Ecke des Krankenhauses“ abspielen wird. Wie es im Herbst 2021 aussieht, lässt sich bislang noch nicht sagen. Für ihn ist deshalb auch wichtig: Wie können wir uns auf die Zukunft vorbereiten? „Wir müssen wachsam sein“, mahnt er.

Oberbürgermeister Harry Mergel hofft auf etwas mehr Normalität ab Juni, natürlich noch „mit Abstandsregeln und Hygieneregeln“. Der Gemeinderat hat gestern noch einmal eine Million Euro zur Verfügung gestellt, um die Stadt Heilbronn zu erhalten. Vier Millionen Euro wurden bereits zuvor genehmigt. 1,4 Millionen Euro fließen davon in kurzfristige Maßnahmen, 2,6 Millionen Euro in mittel- und langfristige Maßnahmen. Insgesamt blicken alle Teilnehmer doch optimistisch in die Zukunft und kämpfen für den Erhalt der Stadt Heilbronn, so wie wir die Kätchenstadt kennen.

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