Nächtliches Betretungsverbot ist keine Lösung

Krach und PS-Protze: So geht Heilbronn jetzt gegen Lärm auf dem Buga-Gelände vor

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    VonDaniel Hagmann
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Immer wieder beschweren sich Bewohner über Lärmbelästigungen auf dem früheren Buga-Gelände. Das hat nun Folgen.

Aufheulende Motoren, nächtliches Geschrei und laute Musik machen den Bewohnern im Stadtquartier Neckarbogen, dem ehemaligen Buga-Gelände, in Heilbronn das Leben schwer. Seit ein Betroffener vor einigen Wochen seinem Ärger auf Facebook Luft gemacht hat, ist das Thema besonders präsent. Auch der Oberbürgermeister von Heilbronn, Harry Mergel, hat sich nun in den Lärm-Konflikt eingeschaltet. 

Klar ist: Das Ex-Buga-Gelände in Heilbronn ist ein öffentlicher Raum. Ein nächtliches Betretungsverbot würde letztendlich auch die Anwohner des Neckarbogens betreffen. Nach Monaten im Lockdown sehnen sich gerade junge Leute nach Treffpunkten, Austausch und Gesellschaft. Klar ist allerdings auch: Belästigungen sind subjektiv. Was der eine Bewohner als störend empfindet, geht für den anderen durchaus noch in Ordnung. „Das Miteinander im Neckarbogen funktioniert in der Regel gut, manchmal ergeben sich allerdings auch Konflikte, die die Stadt – auch mit Unterstützung der Polizei – auszugleichen sucht“, erklärt Claudia Küpper von der Stadt Heilbronn.

Heilbronn: Bewohner-Beschwerden - Stadt geht gegen Lärm auf Buga-Gelände vor

Schon seit längerer Zeit beklagen sich laut Küpper Bewohner des früheren Buga-Geländes in Heilbronn, das kürzlich eine Auszeichnung beim „Deutschen Städtebaupreis 2020“ erhalten hat, über wild abgelagerten Müll, zugeparkte Gehwege und nächtliche Ruhestörungen. Vor allem bei sommerlichem Wetter hat sich der Konflikt nochmals verschärft. Küpper: „Seitdem häufen sich auch Klagen über Raser und Poser.“ Daher sollen nun folgende neue Maßnahmen der Stadt Heilbronn die Radaubrüder in die Schranken weisen und die Situation im Neckarbogen allgemein verbessern:

  • Poller am Floßhafen gegen illegales Parken
  • Engere Fahrbahn auf der Bleichinselbrücke gegen Raser
  • Privater Sicherheitsdienst bestreift das Gelände
  • Schranke am Jugendherbergs-Parkplatz
  • Verstärkte Tempokontrollen
  • Zusätzliche Müllbehälter
  • Tägliche Reinigung der Parkanlagen
  • Neuer Zebrastreifen am Übergang der Kranenstraße zur Paula-Fuchs-Allee

Laut Carsten Diemer von der Polizei Heilbronn überwachen die Beamten derzeit täglich das ehemalige Buga-Gelände. Auch nachts. Größere Personenansammlungen oder Treffen seien dabei in der jüngeren Vergangenheit nicht festgestellt worden. Mutmaßlich hängt das mit dem zuletzt wenig sommerlichen Wetter zusammen. Insgesamt habe es aber bei den jüngsten Beschwerden keinen Anstieg im Vergleich zur Zeit vor Corona gegeben. Diemer: „Im Neckarbogen treffen sich hin und wieder Kleingruppen mit wenigen Fahrzeugen. Wir prüfen dann genau, ob die Anwesenheit – insbesondere mit Fahrzeugen – zulässig ist. Verstöße werden konsequent verfolgt.“

Verstöße werden konsequent verfolgt.

Carsten Diemer, Polizei Heilbronn

Heilbronn: Polizei nimmt Beschwerden im Neckarbogen ernst

Die Polizei Heilbronn versucht durch ihr Einschreiten zwischen den unterschiedlichen Interessen im Neckarbogen - sowohl von Bewohnern als auch von Feiernden - zu vermitteln. Diemer: „Wir nehmen die Beschwerden ernst und schreiten ein, wenn Ordnungsstörungen oder gar Straftaten der Anlass dafür sind. Wir müssen aber stets die Balance halten zwischen dem nachvollziehbaren Freiheitsdrang der Menschen und der Durchsetzung von Verboten.“

Das ist der Heilbronner Neckarbogen

Das Stadtquartier Neckarbogen in Heilbronn befindet sich auf dem ehemaligen Gelände der Buga 2019. Derzeit befindet sich das Viertel noch im Aufbau, teilweise ist es allerdings schon bewohnt. Zukünftig sollen hier 3.500 Menschen leben. Die Firmen, die sich im Neckarbogen ansiedeln werden, sollen langfristig 1.000 Arbeitsplätze bieten.

Die Attraktivität des Neckarbogens als Erholungsviertel machen vor allem zahlreichen Grünflächen, die beiden Seen, die Nähe zur Innenstadt sowie die Anbindung an den ÖPNV aus. Noch in diesem Jahr soll im Neckarbogen in Heilbronn der Bau der bilingualen Josef-Schwarz-Schule beginnen.

Rubriklistenbild: © Mario Berger

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