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Bad Rappenau: Beliebte Bäckerei vor dem Aus – wegen steigender Kosten

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Von: Julia Cuprakowa

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„Würde alles einstellen, was zwei Hände hat“: Die Personalnot in der Bäckereibranche zeigt in Bad Tölz erste konkrete Auswirkungen.
Bäcker Achim Dörzbach wird seine Backstube in Bad Rappenau bald schließen. (Symbolbild) © dpa

Steigende Preise für Energie und Rohstoffe zwingen die Bäckerei Dörzbach in Bad Rappenau im Landkreis Heilbronn in die Knie. Der Bäckermeister verkauft seine Backstube. 

Angesichts der stark steigenden Preise im Alltag, wie zum Beispiel für Strom, Gas oder Lebensmittel, müssen sich Menschen in Deutschland mittlerweile stark einschränken und sparen. Manche können die höheren Lasten nicht mehr tragen und sind sogar gezwungen, eigene Geschäfte zu schließen.

So geht es einem Bäcker aus Bad Rappenau im Landkreis Heilbronn. Wie bild.de zuerst berichtete, wird er seine Bäckerei am 1. September schließen müssen. Der Grund: Der 55-jährige Bäcker kann das Gas nicht mehr bezahlen und möchte die explodierenden Kosten nicht an die Kundschaft weitergeben.

Bad Rappenau: Bäckerei wegen steigender Kosten vor dem Aus

Achim Dörzbach ist ein Bäckermeister in der vierten Generation. In Bad Rappenau und der Umgebung ist er aber vor allem für seinen Nusszopf und den Himbeerkuchen bekannt. Nun muss er seine Bäckerei und Konditorei aufgrund steigender Energie und Rohstoffpreise schließen. „Die Kosten für Gas sind von 900 auf 4200 Euro pro Monat gestiegen“, sagt Bäcker Dörzbach der BILD.

„Das Mehl kostet mich nun statt 37 satte 53 Cent pro Kilo. Der Preis der Sahne stieg von 2,55 auf 4 Euro, der Milchpreis von 45 auf 85 Cent“, erklärt der 55-Jährige. „Zudem müsste ich bald Backöfen und Maschinen für teures Geld erneuern.“ Doch was wäre die Alternative? Preise für Brötchen und Co. noch weiter erhöhen?

Genau das möchte der Bäcker nicht. „Ich habe im Frühjahr die Preise um zehn Prozent erhöht, doch wohin soll das führen?“, erklärt der Bäckermeister. Ein Brötchen kostet derzeit 30 Cent, Brot zwischen 2,70 und 2,90 Euro, der Nusszopf 5 Euro. Um die Kosten zu decken, müsste der Bäcker noch mal zehn Prozent draufschlagen, für den Nusszopf sogar 7 Euro nehmen.

Bad Rappenau: Bäckermeister schließt Bäckerei – „Ich finde einfach keinen Bäcker, der mir zur Hand geht“

Allerdings sind die steigenden Kosten nicht der einzige Grund, wieso der Bäckermeister seine Backstube schließen muss. In Bad Rappenau mangelt es an Fachkräften. „Ich finde einfach keinen Bäcker, der mir zur Hand geht“, sagt Dörzbach. „Meine Tochter ist technisch interessiert und möchte keine Ausbildung zur Bäckerin machen. Allein werde ich die Arbeit dauerhaft nicht schaffen.“

Ursprünglich hatte Dörzbach Hilfe von seinem Bruder, dieser möchte den Job aber nicht mehr machen, da er mehr für seine Familie da sein will. Dafür hat der Bäckermeister Verständnis: „Es ist ein Knochenjob. Wir haben eine Sechs-Tage-Woche mit Zwölf-Stunden-Tagen. Zuletzt ist mir die ganze Last auch zu groß geworden.“

Nun will Dörzbach den Laden verkaufen. Danach möchte er erst mal richtig ausschlafen. „Und mich um meine Tochter kümmern. Im Herbst wollen wir nach vier Jahren zum ersten Mal wieder in den Urlaub fahren. Wohin, wissen wir noch nicht.“

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