Corona-Krise und Branchen-Probleme

Heilbronn: Autozulieferer Läpple baut Hunderte Stellen ab – ein Standort besonders betroffen

Der Autozulieferer Läpple am Standort Heilbronn.
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Der Autozulieferer Läpple will 300 seiner bundesweit 2500 Stellen streichen.
  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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Die Corona-Krise und Veränderungen in der Branche machen dem Autozulieferer Läpple aus Heilbronn zu schaffen. Jetzt reagiert das Unternehmen mit einem drastischen Schritt.

Der Heilbronner Autozulieferer Läpple plant, bis zu 300 Stellen abzubauen. Damit reagiert das Unternehmen auf die Corona-Krise sowie generelle Veränderungen in der Branche. In einer Meldung teilt Läpple mit, man sei von den „strukturellen Marktveränderungen im Werkzeugmaschinenbau und in der Automobilbranche sowie den allgemeinen Auswirkungen der Corona-Pandemie“ betroffen. Die Mitarbeiter wurden informiert, das berichtet die Heilbronner Stimme.

UnternehmenLäpple AG
HauptsitzHeilbronn
Gründung1919
Mitarbeiterzahl2.700

Läpple in Heilbronn in der Krise: Umsatz 2020 voraussichtlich deutlich unter Vorjahr

Zunächst sei das erste Quartal 2020 hinsichtlich des Automotive-Geschäfts gut angelaufen, in Heilbronn ergatterte man noch einen „wichtigen Modulauftrag eines süddeutschen Premiumherstellers für Elektro- und konventionelle Fahrzeuge“. Doch die positive Entwicklung bei Läpple veränderte sich mit dem Beginn der Corona-Pandemie. Bis zu sechs Wochen lang standen die Automotive-Werke still. Läpple reagierte mit dem Abbau von Arbeitszeitkonten, Kurzarbeit und der Reduzierung von Leasing-Mitarbeitern.

Weltweit beschäftigt die Heilbronner Firma, die 1919 gegründet wurde, derzeit 2.700 Mitarbeiter, davon 2.500 in Deutschland. Diese sind auf die Standorte Haßmersheim, Heilbronn, Teublitz und Weinsberg verteilt. Im Jahr 2019 – zum hundertjährigen Jubiläum – machte Läpple eigenen Angaben zufolge noch rund 517 Millionen Euro Umsatz. 2020 plane man aber mit einem Umsatz, der 25 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegt, teilte das Unternehmen mit. Zudem rechnet Läpple erst 2024 mit einer Erholung der Zahlen. Man geht davon aus, dass der Umsatz in den Industriebereichen 25 Prozent unter dem Vor-Krisen-Niveau liegt, im Automotivebereich wird ein Minus von zehn Prozent prognostiziert.

Kündigungen bei Läpple: Ein Standort ist vom Stellenabbau besonders betroffen

„Es wird entsprechend von einer längerfristigen, strukturellen Unterauslastung ausgegangen“, teilt Läpple mit. Am Mittwoch hatten Bund und Länder erneut die Corona-Regeln verschärft – auch das wird sich deutlich auf die Wirtschaft auswirken. Maßnahmen wie Kurzarbeit oder Zeitkonten-Abbau reichten laut Läpple nicht aus, deswegen sollen 300 Stellen abgebaut werden. Nach einem Bericht des SWR sind grundsätzlich alle vier Standorte betroffen. Dabei ist zunächst ein Abfindungsprogramm in Planung, über das die Mitarbeiter das Unternehmen verlassen sollen. Hierfür führe man aktuell Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern und den Tarifpartnern.

Besonders betroffen von der aktuellen Krise bei Läpple ist der Fibro-Standort Weinsberg.

Besonders rückt aber der Fibro-Standort Weinsberg im Kreis Heilbronn in den Blick. Wie die Heilbronner Stimme berichtet, werde es dort, wo Rundtische produziert werden, wohl zu Kündigungen kommen. Der Werkzeugmaschinenmarkt ist nach Angaben von Läpple überdurchschnittlich von der Krise betroffen. Es fehle das Volumen und der Wettbewerbsdruck nehme deutlich zu. In Weinsberg stünden aus diesem Grund „alle Teilbereiche auf dem Prüfstand“. Bis wann die 300 Jobs bei Läpple gestrichen werden sollen, ist noch nicht bekannt. Gegenüber der Stimme spricht man von einem Zeitrahmen bis Weihnachten, bis Stellenabbau geklärt sein soll.

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