Archäologische Arbeiten 

Gräber-Fund in Heilbronn: Archäologin legt 4.500 Jahre altes Skelett frei

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Magali Garcia hält einen Fund aus der Kirschengartenstraße in Heilbronn in der Hand. Es handelt sich dabei um Teile von Koch- und Vorratsgeschirr.
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In Heilbronn wurde eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Die Archäologin Magali Garcia leitet die Ausgrabungen und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wer würde je daran denken, dass sich unter den eigenen Füßen oder dem eigenen Haus eventuell ein 4.500 Jahre alter Friedhof befindet? Viele bestimmt nicht, aber genau so einer wurde in Heilbronn ausgegraben.

Friedhof-Fund in Heilbronn: 4.500 Jahre alte Gräber freigelegt

2015 wurden bei den Bauarbeiten in der Kirschengartenstraße, auf der ehemaligen Kleingärten-Fläche, erste Hinweise entdeckt. Im Herbst 2018 begannen Archäologen die Fläche von knapp einem Hektar freizulegen. Dabei wurden 23 Gräber mit einem Durchmesser von vier bis sechs Metern aus der Epoche der Schnurkeramik (2800 bis 2200 vor Christus) ausgegraben. 

Es wurden außerdem alte Gefäße, Geschirr, Scherben, Teile von Werkzeugen und Bekleidungs-Zubehör auf dem Areal gefunden. Nach Tauberbischofsheim ist es der zweitgrößte Gräberfund in Baden-Württemberg. "Die Sachen lagen tief, deshalb sind sie noch teilweise gut erhalten gewesen", erklärt Archäologin Dr. Andrea Neth vom Landesamt für Denkmalpflege. Das könnte damit zusammenhängen, dass die Fundstelle unterhalb des Wartbergs liegt und nasse Erde über Jahre bergab floss. Somit wurden die Gräber immer mehr bedeckt.

Heilbronn: Archäologische Funde aus verschiedenen Epochen

Heilbronn und Region galten schon immer als siedlungsgünstiges Land. In der Kirschengartenstraße konnten Funde aus mehreren Epochen freigelegt werden, unter anderem aus der Bandkeramik, der späten Bronzezeit und der frühkeltischen Epoche. Neth: "Man kann davon ausgehen, was jetzt gut besiedelt ist, war früher auch schon so." 

Bilder: 4500 Jahre alter Friedhof in Heilbronn ausgegraben

Archäologische Ausgrabungen in Heilbronn: Was passiert, wenn etwas zerstört wird?

Mit kleinen Schaufeln knien die Archäologen auf dem Boden. Behutsam gehen sie dabei vor, um das Skelett und seine Beigaben nicht zu beschädigen. Eine Arbeit die mehrere Stunden in Anspruch nimmt. 

Doch was für ein Gefühl ist das, wenn man solche Gegenstände findet? Und wie ist es  wenn man etwas, das so alt und wertvoll ist, bei den Ausgrabungen zerstört? 

Die leitende Archäologin Dr. Magali Garcia ist von Beginn der Ausgrabungen in der Kirschengartenstraße in Heilbronn dabei und erzählt gegenüber echo24.de: "Das was wir hier machen sind Rettungsgrabungen. Wir sind nicht da, um einen Schatz zu finden, wir sind  Denkmalschützer. Sobald wir eingreifen zerstören wir zwar auch, aber wir dokumentieren es. Am Ende können wir verstehen, was hier passiert ist und verlieren damit nicht die Geschichte. Das bedeutet, wären wir nicht hier um die Sachen zu retten, würden sie bei Bauarbeiten komplett zerstört werden."

Ausgrabungen in Heilbronn: Was machen Archäologen bei schlechtem Wetter?

Mit einem Zelt schützen sich die Archäologen vor der direkten Sonneneinstrahlung. Die Abdeckung bietet ihnen Schutz und trotzdem ist es ganz schön heiß darunter. Was machen Archäologen eigentlich wenn es mal regnet oder im Moment keine Ausgrabungen stattfinden? "Wir ziehen zwar von Ort zu Ort. Irgendwo finden immer Ausgrabungen statt. Es gibt also genug Arbeit. Wir graben auch im Winter. Doch wenn das Wetter wirklich schlecht ist, arbeiten wir im Büro. Es muss alles dokumentiert werden. Funde müssen beschriftet werden."

23 Gräber aus der Schnurkeramik in Heilbronn freigelegt: Wie fühlt es sich an ein Grab zu öffnen?

23 Gräber mit bis zu zwei Personen haben die Archäologen in Heilbronn freigelegt. Dabei wurden die Menschen in einer damals typischen Haltung, mit angezogenen Beinen, beerdigt. 

Wie fühlt es sich eigentlich an ein Grab zu öffnen und freizulegen? "Am Anfang war es schon ein komisches Gefühl. Mit der Zeit lernt man es objektiver zu betrachten. Es gibt auch Menschen, die das so sehr abschreckt, dass sie den Beruf nicht weitermachen können." 

Begonnen haben die Ausgrabungen schon im Herbst 2018. Die Öffentlichkeit hat davon jedoch erst zum Schluss erfahren. Gibt es eigentlich auch Menschen, die von Ausgrabungen mitbekommen und diese dann behindern? "Ja, das gibt es leider auch. Manche gehen dann nachts auf das Gelände und nehmen Fundstücke mit oder suchen mit Metalldetektoren die Fläche ab.

Gräber-Fund in Heilbronn: Skelette gut erhalten - Familienforschung möglich?

Die gefundenen Skelette werden nun zum Anthropologen geschickt. Dieser kann herausfinden, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt und sogar wie der Mensch gestorben ist. Interessant wird es dann, wenn die DNA noch erhalten geblieben ist. Denn dann kann Familienforschung betrieben werden. Das letzte Grab wurde am vergangenen Mittwoch freigelegt. Die archäologischen Arbeiten auf dem Gelände sind abgeschlossen. Nun werden die Bauarbeiten in der Heilbronner Kirschengartenstraße fortgesetzt.

In China fanden Archäologen ein 2000 Jahre altes "Elixier der Unsterblichkeit". Und in Norwegen tauchte ein Wikingerschiff aus der Eisenzeit auf.

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