Feinstaubbelastung wirklich zu hoch?

Aus für "Flammende Sterne" in Heilbronn: "Klimakiller" oder etwa doch nicht?

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Aus für "Flammende Sterne": echo24.de hat den Veranstalter gefragt. (Symbolbild)
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In Heilbronn gibt es "Flammende Sterne" nicht mehr. Der Ausschuss des Pyrotechniker-Wettstreits "kam aus heiterem Himmel".

+++ Update 16. August +++  Eventausschuss für "Flammende Sterne" in Heilbronn "aus heiterem Himmel"

Feuerwerk-Fans waren nicht gerade erfreut zu hören, dass das beliebte Event "Flammende Sterne" aus Heilbronn "verbannt" wurde. echo24.de hat beim Veranstalter nachgefragt, wie es dazu kam. Was wurde bisher kommuniziert? Gab es vorher schon Anzeichen oder Andeutungen auf ein Aus für "Flammende Sterne"?

"Wir waren selbst überrascht. Die E-Mail vom Gartenbauamt kam aus heiterem Himmel", sagt Jürgen Wünsche von der ausrichtenden Gesellschaft für Marketing- und Presseservice. Die Begründung, dass "das Event nicht mehr in die Zeit passe", kann er nicht so richtig nachvollziehen. Daraufhin hat Wünsche einen Brief an den Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel gesendet, in dem er betont, dass Feuerwerke seiner Meinung nach zu Unrecht als "Klimakiller" verteufelt werden. Bis heute, 16. August sei keine Antwort gekommen, erklärte er auf Anfrage von echo24.de.

Wünsche verweist auf Untersuchungen, wonach es sich bei Feuerwerken um temporäre und räumlich sehr eng begrenzte Emissionen handele. Der Feinstaub, der dabei entsteht, falle auf das ganze Jahr gerechnet kaum ins Gewicht.

Fragwürdig bleibt es für Wünche jedoch trotzdem, warum  auf dem Heilbronner Volksfest weiterhin "geböllert" werden darf. Wie echo24.de am 13. August berichtete, geht es der Stadt dabei um die Tradition und laufende Verträge. 

+++Update 13. August+++

Das Pyro-Spektakel "Flammende Sterne" ist zwar in Heilbronn Geschichte. Ein komplettes Aus für die Veranstaltung "Flammende Sterne" bedeutet das aber noch lange nicht. Denn: Trotz der aktuellen Umweltdiskussionen soll das Feuerwerksfest "Flammende Sterne" in Ostfildern auch in den nächsten Jahren stattfinden. Die Stadt hat den Vertrag für die kommenden fünf Jahre verlängert.

Das ändert aber nichts daran, dass das Feuerwerk "Flammende Sterne" in Heilbronn nicht mehr stattfinden wird. "Wir finden, dass die Veranstaltung nicht mehr in die Zeit passt", sagte eine Stadtsprecherin. "Wir wollen ein Zeichen setzen." Dieses Zeichen wird beim Heilbronner Volksfest allerdings nicht gesetzt - "aus Traditionsgründen und weil es Verträge gibt", heißt es im Rathaus.

Wow! Das sind die besten Bilder von den Flammenden Sternen 

Die "Flammende Sterne"-Veranstalter verweisen dagegen auf neue Berechnungen und eine anstehende Studie. Es sei "irrsinnig und irreal", ein Feuerwerk zum Schutz des Klimas abzusagen, sagte Jürgen Wünsche von der ausrichtenden Gesellschaft für Marketing- und Presseservice. An den drei Tagen des Festivals auf den Fildern entstehe am kommenden Wochenende eine verschwindend geringe Menge an Feinstaub und Kohlendioxid. Die Veranstalter erwarten 50.000 Zuschauer.

+++ Update, 10. August +++ Aus für Feuerwerk-Festival "Flammende Sterne"

Allzu oft werden Heilbronner nicht mehr in den Genuss eines Feuerwerks am Himmel kommen. Ob an Silvestern noch geknallt werden darf, steht derzeit noch zur Diskussion (siehe unten). Das Festival-Spektakel "Flammende Sterne" hat dagegen keine Zukunft. Wie die Stadt stimme.debestätigte, wird der Wettstreit der Pyrochtechniker 2020 nicht erneut im Wertwiesenpark stattfinden.

Das Verbot sei demnach eine Maßnahme zur Luftreinhaltung. Die Deutsche Umwelthilfe hatte unlängst einen Antrag an Heilbronn gestellt, private Silvesterfeuerwerke zu verbieten, weil die Feinstaubbelastung in der Stadt zu hoch sei. 

"Flammende Sterne": Aus für Feuerwerks-Festival in Heilbronn

Mit dem Aus für "Flammende Sterne" ist hier nun offenbar ein erster Schritt für sauberere Luft erfolgt. "Die Entscheidung wird polarisieren und kann nur ein kleiner Beitrag zur Luftreinhaltung sein", sagte Oberbürgermeister Harry Mergel der Stimme.

In wie weit auch weitere Feuerwerke zu Gunsten geringerer Feinstaubbelastung Platz machen müssen, ist weiter unklar. Zwar solle das Abschlussfeuerwerk nach dem Heilbronner Volksfest zunächst unangetastet bleiben, eine Überlegung für Alternativen gäbe es aber auch hier: beispielsweise eine Lasershow.

+++ 1. August +++ Auch der Müll ist ein Argument gegen das private Silvesterfeuerwerk

Auch in Heilbronn ist die Feinstaubbelastung zu hoch. Deshalb hat die Deutsche Umwelthilfe einen Antrag an die Stadt Heilbronn geschickt, mit der Aufforderung zu prüfen ob private Silvesterfeuerwerke verboten werden können.

Die Stadt hat bereits die Prüfung begonnen und wird noch dieses Jahr eine Entscheidung treffen. Doch nicht nur die Feinstaubbelastung könnte ein Argument für das Verbot des privaten Silvesterfeuerwerks sein. Denn zu Neujahr fällt mit den vielen Böllern und Raketen auch eine Unmenge an Müll an.

Zirka eine Tonne Müll muss die Stadt jedes Jahr zu Neujahr entsorgen. "Fünf Personen, eine Kleinkehr- und eine Großkehrmaschine sind am 1. Januar in der Innenstadt unterwegs", erklärt Heilbronns Pressesprecher Christian Britzke. Damit kommen zu Beginn schnell mal 35 Stunden Arbeitseinsatz zusammen. Aber nach dem 1. Januar ist die Aufräumarbeit noch nicht beendet: "Auch in den folgenden zwei bis drei Wochen wird noch Silvestermüll beseitigt", sagt Britzke.

Müll-Probleme tauchen immer wieder in Heilbronn auf. Zuletzt ärgerten sich Anwohner über einen großen Müllberg in der Südstraße.

+++ 31. Juli, 15.50 Uhr +++ Entscheidung definitiv noch dieses Jahr 

"Die Prüfung ist jetzt angelaufen", antwortet Christian Britzke, Pressesprecher der Stadt Heilbronn auf die Frage, ob erst der Antrag der Deutschen Umwelthilfe zur Prüfung eines Verbots von privatem Silvesterfeuerwerk in Heilbronn geführt hätte.

Da die Umwelthilfe auch dafür bekannt ist, gerichtlich gegen Grenzüberschreitungen bei den Feinstaubwerten vorzugehen, zeigt die Stadt mit der umgehenden Prüfung auch, dass sie das Thema nicht auf die leichte Schulter nimmt. Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel hatte gleich zu beginn gesagt, dass das Thema ernst genommen werde.

Wann allerdings die Prüfung zu einem möglichen Feuerwerk-Verbot abgeschlossen sein wird ist noch offen: "Ein konkreter Termin kann noch nicht genannt werden, aber sicherlich rechtzeitig vor Silvester", verspricht Britzke. Damit ist das Bangen für die Böller-Freunde in Heilbronn also noch lange nicht zu Ende.

+++ 31. Juli Ursprungsmeldung +++ 

Bald keine Feuerwerke mehr in Heilbronn? Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Anträge an die Städte geschickt, die eine hohe Feinstaubbelastung haben, um das private Feuerwerk zu Silvester zu verbieten. 31 Städte sind von diesen Anträgen betroffen. Auch in Heilbronn wird die Silvester-Böllerei wahrscheinlich bald ein Ende haben.

Feuerwerk-Verbot in der Heilbronner Innenstadt wird vorbereitet

"Wer das Thema Luftreinhaltung ernst nimmt, muss leider auch über den für manchen schmerzhaften Schritt eines 'Böllerverbots' zu Silvester nachdenken", erklärte Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel. "Deshalb habe ich das Ordnungsamt gebeten, ein solches Verbot in der Innenstadt zwischen der Mannheimer Straße/Weinsberger Straße, Oststraße, Südstraße und Weststraße vorzubereiten."

Das heißt dann wohl "Bye bye Böller" in Heilbronn? OB Mergel hält noch ein kleines Fenster offen: "Gleichzeitig prüfen wir, ob wir außerhalb dieser Grenzen eine öffentliche Ersatzfläche zur Verfügung stellen können." Dann könnten die Heilbronner an Silvester zumindest in bestimmten Bereichen böllern.

Böller-Verbot in der Region: Große Feinstaub-Belastung an Silvester

In Altstädten in der Region gibt es bereits ein Böllerverbot. Dabei geht es aber weniger um die Feinstaubbelastung, als um die Brandgefahr. Die Deutsche Umwelthilfe gibt an, dass "zum Jahreswechsel durch Feuerwerkskörper in wenigen Stunden 5.000 Tonnen Feinstaub freigesetzt werden. Dies entspricht etwa 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr entstehenden Feinstaubmenge."

"Ein Silvesterfeuerwerk gehört für viele Menschen zum Jahreswechsel und so soll es auch bleiben. Wir brauchen aber für die mit Luftschadstoffen hoch belasteten Innenstädte einen Schutz vor den Feinstaubmassen aus archaischer Pyrotechnik", erklärt DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch.

Öffentliche Shows nicht von Feuerwerks-Verbot betroffen

Doch ein absolutes Aus für Feuerwerkspektal sei dieser Antrag nicht: "Ein öffentliches Feuerwerk oder eine professionelle Pyro-Show sind dabei nicht nur sicherer. Diese belasten die Umwelt auch weniger, da hier meist andere Feuerwerksbatterien zum Einsatz kommen", erklärt die DUH.

Damit scheinen zumindest die großen Feuerwerke wie das Event Flammende Sterne und das Abschlussfeuerwerk auf dem Heilbronner Volksfest nicht in Gefahr zu sein.

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