Für Günther Silcher zählt das Menschliche

Heilbronner Anwalt: "Darum verteidige ich auch Mörder!"

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Für Günther Silcher geht es darum, dass Verbrecher eine Strafe erhalten, die auch gerecht ist.
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Ein Vergehen ist für Verteidiger Günther Silcher aber so ekelerregend, dass er dafür vor Gericht nie eintreten könnte.

Sie betrügen. Sie rauben. Und sie bringen sogar andere um. Für Menschen, die – mutmaßlich – schwere Schuld auf sich geladen haben, ergreifen Strafverteidiger wie der Fleiner Günther Silcher vor Gericht Partei. Kann man überhaupt ruhig schlafen, wenn man sich beispielsweise vor dem Heilbronner Landgericht für eine möglichst milde Strafe eines jungen Mannes einsetzt, der im Alkoholrausch seine 81-jährige Vermieterin wegen knapp 2.000 Euro umgebracht hat?

"Ich will helfen", erklärt Silcher, der seit 20 Jahren als Verteidiger arbeitet und in der Kanzlei seines Sohnes in Heilbronn tätig ist, die sich vornehmlich auf Insolvenzrecht spezialisiert hat. In einen moralischen Zwiespalt gerät der in Heilbronn arbeitende Jurist Silcher dabei allerdings nicht. "Es geht mir nicht darum, dass ein Mandant zwangsläufig frei kommt. Wichtig ist für mich, dass er ein gerechtes Urteil erhält."

Heilbronner Verteidiger: Verbrecher sind keine Monster

Für den 87-Jährigen sind die Täter keine Monster. Vielmehr sind die Verbrechen - auch im Raum Heilbronn - ein vorläufiger Punkt in der jeweiligen Biographie, die einer Abwärtsspirale gleicht. Wichtig sei dann, dass der Mandant sich seine Fehler eingesteht, sein Leben zum Guten hin wenden will – und dafür auch die notwendigen Perspektiven erhält.

Silcher: "Ich halte es für falsch, Menschen vorab zu verurteilen. Wenn ein Mandant etwa ein Drogenproblem und glaubwürdiges Interesse an einer Therapie hat, dann soll er diese auch bekommen." Wenn es dann allerdings von Vornherein heißt: "Der wird sowieso rückfällig", sei das viel zu einfach gedacht. Günther Silcher: "Man muss es probieren. Manche Leute brauchen eine zweite oder auch mal eine dritte Chance."

Heilbronner Verteidiger: "Es gibt ein Leben nach dem Gefängnis" 

Und auch jedem Inhaftierten macht der regelmäßig am Heilbronner Amtsgericht und am Heilbronner Landgericht erscheinende Jurist Silcher unmissverständlich klar, dass es in jedem Fall ein Leben nach dem Knast gibt. Und dieses muss definitiv bereits während der Zeit im Gefängnis vorbereitet werden. Auch dabei unterstützt er die verurteilten Straftäter.

Manchmal tun ihm die Leute, die in seiner Heilbronner Kanzlei zu ihm kommen, auch leid. Strafverteidiger Silcher betont: "Das Menschliche ist mein Metier. Wenn ein Mandant ehrlich ist, helfe ich. Und wenn ich von seiner Unschuld überzeugt bin, dann kämpfe ich für ihn."

Jurist aus Heilbronn: Geständnis vor Gericht reduziert Strafe deutlich

Kein Verständnis hat Jurist Silcher, wenn der Mandant ihn an der Nase herumführen will: "Ich mache ihm dann klar, dass er bei einem kompletten Geständnis damit rechnen kann, dass seine Strafe um etwa ein Drittel reduziert wird."

Günther Silcher verteidigte vor Gericht einen jungen Mann, der seine Vermieterin wegen 1.900 Euro umbrachte. Das Urteil: lebenslange Haft.

Doch das sieht nicht jeder ein. In einem Raub-Fall zum Beispiel vor einigen Jahren war Silcher sicher, dass sein Mandant schuldig ist. Dieser behauptete allerdings: "Ich war's nicht!" Silcher erinnert sich: "Er sagte mir sogar ins Gesicht: 'Sie wollen mich zu einem falschen Geständnis überreden!'"

Heilbronner Anwalt würde nie Kinderschänder verteidigen

Das Ergebnis der Gerichtsverhandlung: Der Mann wurde letztendlich schuldig gesprochen, die Strafe fiel ungewöhnlich heftig aus. Günther Silcher denkt zurück: "Im Nachhinein sagte der Räuber, er sei sehr dumm gewesen, die Karten nicht offen auf den Tisch zu legen. Persönlich belastet hat mich das aber nicht. Ich habe ihm empfohlen, zu gestehen. Ob er diese Hilfe annimmt, liegt letztendlich an ihm selbst."

Eines geht für Silcher aber überhaupt nicht: "Einen mutmaßlichen Kinderschänder könnte ich vor Gericht unter keinen Umständen verteidigen. Solche Fälle habe ich immer abgelehnt. Ich habe selbst drei Kinder und zehn Enkel. Kindesmissbrauch ekelt mich nur noch an! Wenn ich so jemanden verteidigen würde, könnte ich nicht mehr in den Spiegel schauen."

In Heilbronn soll ein junger Mann am Ostersonntag 2019 seine Mutter mit einem Messer erstochen und seinen Bruder schwer verletzt haben. Seit Ende November 2019 läuft am Landgericht in Heilbronn der Prozess gegen den bei der Tat 25-Jährigen.

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