Finger weg vom Gemeinen Stechapfel

Hochgiftig! Stechapfel: Achtung, bei Kontakt sofort richtig reagieren

Die stachelige Samenkapsel des Gemeinen Stechapfels und seine Samen.
+
Vor allem die in den stacheligen Kapseln des Gemeinen Stechapfels sitzend Samen sind hochgiftig.
  • Olaf Kubasik
    VonOlaf Kubasik
    schließen

Der Gemeine Stechapfel ist weitverbreitet, tödlich und wird als Droge missbraucht. In Gärten mit Kinder hat die Giftpflanze nichts verloren.

Es gedeiht unscheinbar. Auf stickstoffreichen Böden mit viel Sonneneinfall. Vornehmlich an Weges- und Ackerrändern oder auf Schutt- und Müllplätzen - auch im Raum Heilbronn. Dabei wird das Nachtschattengewächs etwas mehr als einen Meter hoch, hat einen kahlen Stengel und gezähnte Blätter. Für den Laien auffällig wird der hochgiftige Gemeine Stechapfel eigentlich erst, wenn im Juni seine trichterförmigen weißen Blüten und im August seine stacheligen Samenkapseln austreiben.

Der Gemeine Stechapfel genießt wie das mit ihm verwandte Schwarze Bilsenkraut einen schaurigen Ruf. Und das nicht ohne Grund: Bereits in der Antike als Speergift benutzt, soll er in der Folge als perfektes Mordmittel gedient haben. Diebe benutzten ihn schon damals zur Betäubung ihrer Opfer. Heute sind es Verbrecherbanden, die auf die Giftpflanze setzen - als wesentlichen Bestandteil von K.o.-Tropfen. Und die Beschaffung dürfte für Verbrecher ebenfalls kein Problem darstellen, denn der Gemeine Stechapfel kommt weltweit vor.

Giftpflanze mit Mörder-Ruf: Keine Versuche mit tödlichem Stechapfel

Trotz seines hohen Giftgehalts in allen Pflanzenteilen wird der Gemeine Stechapfel (wie die Engelstrompete auch) immer wieder als Rauschmittel missbraucht. Aufgrund der halluzinogenen Wirkung seiner Giftstoffe Scopolamin und Atropin. Dazu werden Samen oder Pflanzenteile als Sud gepresst oder als Tee ausgekocht und konsumiert. Ein lebensgefährliches Experiment, bei dem bis zu 36 Stunden andauernde Halluzinationen noch eine harmlose Wirkung sind. botanikus.de warnt: „So mancher, der es versucht hat, fand sich hinterher in der Psychiatrie wieder oder trug andere gravierende körperliche Schäden davon.“

So mancher, der Gemeinen Stechapfel versucht hat, fand sich hinterher in der Psychiatrie wieder oder trug andere gravierende körperliche Schäden davon.

Warnung von botanikus.de

Ebenso leichtsinnig ist eine Anpflanzung des Gemeinen Stechapfels im heimischen Garten, wo auch dieser schöne Gift-Europameister nichts zu suchen hat. Besonders, wenn kleine Kinder in Kontakt zu der gemeingefährlichen Giftpflanze treten können. DENN: 15 bis 20 ihrer im unreifen Zustand sehr süßen und schmackhaften Samen stellen bei Verzehr bereits eine tödliche Dosis dar. Symptome einer starken Vergiftung mit dem Gemeinen Stechapfel sind:

  • motorische Unruhe
  • Weinkrämpfe und Rededrang
  • Raserei und Tobsuchtsanfälle
  • Bewusstlosigkeit und narkoseähnlicher Schlaf

Der Tod tritt letztlich durch Atemstillstand ein - ähnlich dem Konsum des Wunderbaum-Samens. Hat das Kind nur wenige Samen des Gemeinen Stechapfels genascht, zeigt sich die Vergiftung laut gift.de durch „eine rote, heiße und trockene Haut und Schleimhaut, Übelkeit, Erbrechen, Unruhe, Verwirrtheit und einen verstärkten Tränenfluss“. Erste Beschwerden setzen zwischen fünf Minuten und einer Stunde nach Verzehr ein. Bei ersten Anzeichen sollte schnellstens ein Arzt oder eine Klinik aufgesucht werden. Es ist auch empfehlenswert, den Giftnotruf zu kontaktieren.

PflanzeGemeiner Stechapfel
FamilieNachtschattengewächse
Vorkommenweltweit
BlütezeitJuni bis Oktober
GiftstoffScopolamin, Atropin

Tödliche Giftplanze: Stechapfel im Garten ist eine Gefahr für Kinder und Tiere

Im Gegensatz zum Menschen wirken die Giftstoffe des Gemeinen Stechapfels auf Tiere nicht ganz so stark. Trotzdem kann es bei Pferden, Rindern, Schweinen, Hunden, Katzen, Hasen, Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen und Vögeln zu Vergiftungen kommen. In diesen Fällen sind die Symptome eines Verzehrs des in allen Pflanzenteilen giftigen Stechapfels Erbrechen, Durchfall und Herzrhythmusstörungen. Besonders für Nutztiere besteht auch Gefahr bei diesem Nachtschattengewächs.

Der Gemeine Stechapfel in der Medizin

Aufgrund der krampflösenden und auswurffördernden Wirkung seiner enthaltenen Alkaloide werden Auszüge aus der Pflanze bei Asthma bronchiale, Keuchhusten und Bronchitis eingesetzt, wie apotheken.de berichtet. Wegen der hohen Giftigkeit werde aber von einer Selbstmedikation dringend abgeraten. 

Wer einen Gemeinen Stechapfel im heimischen Garten hat und ihn entfernen möchte, um seine Ausbreitung zu verhindern, sollte sich ausreichend schützen. Denn vor allem bei empfindlichen Menschen kann es bei Hautkontakt zu Reizungen kommen, die allerdings nicht so extrem sind wie einer Berührung mit dieser Giftpflanze.

Das könnte Sie auch interessieren