Wegen schwerer Körperverletzung

Schwieriges Urteil für Faustschläger gefallen

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Das Heilbronner Landgericht.
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Für den Richter gehört diese Urteilsfällung zu einer der schwersten, da Gesetz und Moral unterschieden werden müssen.

Gute Stimmung, laute Musik, ein gemütliches Zusammensitzen mit den Freunden. Im Prinzip der perfekte Abend. Doch genau ein solcher Abend wurde dem Angeklagten Y. und dem verstorbenen Opfer zum Verhängnis. Heute wurde das Urteil über sein Handeln am Heilbronner Landgericht verkündet: Schwere Körperverletzung - dafür wandert er zwei Jahre und acht Monate hinter Gitter.

Der tragische Sachverhalt: Im Januar 2016 soll der 34-jährige Y. in eine Auseinandersetzung mit dem 45-jährigen Geschädigten, der zugleich ein Bekannter von ihm war, geraten sein. Zunächst nur verbal, später auch handgreiflich. Das Geschehen zog harte Folgen nach sich.

In einem Heilbronner Bistro nahm alles seinen Anfang: Y. habe dort einen Abend mit seiner Clique verbracht, der Geschädigte kam später dazu. Dieser beleidigte eine Freundin von Y. und provozierte ihn. Das Opfer musste daraufhin das Bistro verlassen und auch der Angeklagte entfernte sich aus der Situation.

Nur wenig später ging Y. nach draußen, wo sich seine Freundin und der Geschädigte, der ihn weiterhin provoziert habe, befanden. Unter anderem beleidigte dieser Y.s Mutter - dann eskalierte der Streit. Der komplette Sachverhalt wurde mittels einer Überwachungskamera aufgenommen: Der 35-jährige Y. soll dem Geschädigten einen wuchtigen Faustschlag ins Gesicht verpasst haben. Die Folge: Das Opfer fiel und schlug mit dem Hinterkopf auf den Boden auf.

Der 45-Jährige trug schwere Verletzungen davon: Eine Nasenbeinfraktur und ein massives Schädel-Hirn-Trauma. Zuerst lag er im Koma, später wurde er wegen der neurologischen Störungen zum Pflegefall und kam in ein Heim. Schließlich verstarb er dort am 3. August 2016 aufgrund von Erbrechen mit anschließender Aspiration. Dies sei allerdings nicht die Folge von Y.s Faustschlag gewesen.

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Für Richter Roland Kleinschroth ist jener Vorfall, der im Januar 2016 passierte, alles andere als einfach. Im Gegenteil: Es sei ganz besonders schwer gewesen, ein gerechtes Urteil zu fällen. Er erklärt: "Das Plädoyer des Verteidigers fängt bei einer Geldstrafe an, das Plädoyer des Nebenklägers hört bei 15 Jahren Gefängnis auf." Weiterhin erklärt Kleinschroth, dass die Provokation zwar vom Geschädigten ausging, was dann passierte, aber Zäsur seitens Y. gewesen sei.

Die Urteilsentscheidung wurde letztendlich von vielen verschiedenen Aspekten beeinflusst. Für Y. spreche beispielsweise, dass er Reue und Einsicht zeige, dass der Faustschlag eine "Spontantat" gewesen sei und besonders, dass Y. seine eigenen Lebensverhältnisse nach der Tat stabilisierte. Gegen ihn spreche allerdings die Tatsache, dass er sich nochmals in die Situation der Auseinandersetzung begab, obwohl diese schon erledigt war. Außerdem habe er bereits sieben Vorstrafen und während des Tatzeitpunkts stand er noch unter Bewährung.

Der Richter fasst zusammen: "Die moralische Verantwortung für den Zustand und irgendwo auch für den Tod des Opfers wird Ihnen niemand nehmen können, denn die haben Sie. Betrachtet man nicht das Gesetzliche, sondern nur das Moralische, ist der Geschädigte nur aufgrund Ihres Schlages dort verstorben, wo er am Ende lag." Für Kleinschroth sei die Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten dennoch sowohl erforderlich, als auch ausreichend.

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