Dritter Prozesstag am Heilbronner Landgericht

K3-Überfall auf Kinder: Letzte Chance für Drogenpärchen

  • schließen

Tatsächlich haben die Angeklagten nur ein Ziel: Endlich weg von den Drogen!

Völlig betrunken und auf Drogen treiben die heute Angeklagten Veli T. und Tatjana B. in einem Schnellrestaurant beim Heilbronner K3 ihr Unwesen. Eine Filmsequenz am dritten Prozesstag am Heilbronner Landgericht zeigt unter anderem, wie die beiden sich an einen Tisch begeben - und den übriggelassenen Müll von anderen Gästen essen.

Besonders Veli T. schämt sich zutiefst über sein Verhalten: "Nüchtern hätte ich so etwas nie gemacht." Auch B. erkennt sich überhaupt nicht wieder: "Da sieht man doch, dass wir's gar nicht mehr geblickt haben." Bis heute kann das Paar nicht glauben, was sie an jenem Donnerstag im Oktober 2016 gemacht haben. Vor allem die Tatsache, dass ihre Opfer Kinder gewesen seien, ist für die beiden unfassbar.

T. äußert: "Ich habe selbst Neffen und Nichten - ich würde für sie sterben! Ich liebe Kinder." Und dennoch bestätigen genügend Zeugen die Tat. Einen Alkoholwert von etwa 1,8 Promille soll sich im Blut von T. zum Tatzeitpunkt befunden haben. Eine 39-jährige Polizeihauptmeisterin ist von diesem Wert allerdings weniger geschockt: "Der Alkohol spielte keine große Rolle - ich kenne die beiden betrunkener. Jeder, der sie kennt, weiß, dass sie nicht nur Alkohol konsumieren."

Der Gutachter Dr. Thomas Heinrich hat sich mit den Angeklagten und deren psychischen Verfassungen näher auseinandergesetzt. Bei T. gebe es zwar weder Entwicklungsverzögerungen noch lege seine Intelligenz außerhalb des Normbereichs. Jedoch sagt er, was ganz klar ist: "Ohne Zweifel liegt eine langjährige Drogenabhängigkeit vor." Was auch immer T. und B. an jenem Donnerstag getrunken, geraucht, oder sich eingeschmissen haben: Eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit lasse sich nicht ausschließen.

Die Top-Themen in Heilbronn und der Region 

Bei B. liege außerdem eine kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen vor. Ob diese Erkenntnisse wohl dabei helfen, die Strafe zu mildern? Der Staatsanwalt verneint eine Mittäterschaft, da beide alleine gehandelt haben. Für ihn liegt bei T. der Straftatbestand des versuchten Raubes in Tateinheit mit Körperverletzung vor. Bei B. handle es sich um versuchte Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung. Allerdings wird bei beiden von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen.

Hinter den Angeklagten liegen schon zahlreiche Therapien und Entzüge - jedoch blieben bisher alle ohne Erfolg. Der Gutachter betont ausdrücklich, dass eine Suchtfachklinik die letzte Chance und dass es aus sei, wenn es diesmal nicht klappt. Veli T. zeigt sich einsichtig: "Ich möchte raus aus dem Teufelskreis, aber ich brauche Hilfe." Auch Tatjana B. möchte ihr Leben wieder in den Griff bekommen. Sie sagt: "Ich will gesund werden und eine Therapie machen."

Das ist auch das einzige Ziel ihres Verteidigers. Er betont zwar: "Wer so etwas mit Kinder macht, kann nicht alle Tassen im Schrank haben." Dennoch stelle er Tatjanas Gesundheit über alles andere. Die abschließenden Worte für seine Mandantin lauten: "Wenn Sie wieder abstürzen, können Ihre Eltern gleich einen Beerdigungskranz kaufen."

Am kommendem Mittwoch, 3. Mai, fällt das Urteil zum Prozess am Heilbronner Landgericht.

Mehr zum Thema:

Prozess: Überfall auf Kinder am K3

Drogenpaar: Erst Sex vor K3 und dann Kinder überfallen?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare