Bike Arena Bender in Heilbronn

Fahrrad-Boom in der Corona-Pandemie: Engpässe und enorm steigende Preise

  • Lisa Klein
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Der Fahrradmarkt boomt. Doch bei den Händlern gibt es nicht nur Grund zur Freude: Es gibt zahlreiche Lieferengpässe, die Preise steigen und es herrscht Personalmangel.

Schon vor der Corona-Pandemie wurden Fahrräder immer gefragter, inzwischen boomt der Markt regelrecht, nicht nur in Deutschland. „Wir hatten letztes Jahr, vor Corona, schon eine gute Nachfrage. Jetzt ist der Fahrradmarkt weltweit explodiert. Viele Länder sind jetzt erst Fahrrad-affin geworden — zum Beispiel Spanien und Australien. Diese Länder fordern vom Markt zusätzlich zahlreiche Fahrräder und Komponenten“, erklärt Ernst Bender, Geschäftsführer der Bike Arena Bender in Heilbronn.

Durch die weltweit hohe Nachfrage werden auch in Deutschland die Fahrräder immer knapper. Doch es gibt ein noch viel größeres Problem: „In Fernost stehen aufgrund der Corona-Pandemie immer mal wieder wochenlang die Fabriken still“, erzählt Ernst Bender. „Wir haben Kunden, die Fahrräder bestellt haben und die wir seit einem Jahr immer wieder vertrösten müssen. Es gibt Reparaturen, die wir nicht fertig machen können, da die Ersatzteile fehlen, vor allem von der japanischen Firma Shimano. Wir warten heute noch auf Fahrräder, die wir im letzten Jahr bestellt haben — 20 Prozent der Ware fehlt.“

Fahrrad-Boom: Lieferengpässe sorgen für verärgerte Kunden und verzweifelte Händler

Laut des Geschäftsführers haben manche Kunden Verständnis für Lieferverzögerungen, andere überhaupt nicht. „Spezielle Wünsche sind derzeit kaum umsetzbar, zum Beispiel wenn ein Kunde eine bestimmte Größe möchte, sind diese besonderen Fahrräder teilweise nicht verfügbar. Vor allem E-Mountain-Bikes werden aktuell immer knapper. “

„Für uns war es schon immer üblich, die Vorbestellungen ein halbes Jahr bis Jahr vorher zu tätigen“, erklärt Ernst Bender. Daher sind die Verkaufsflächen der Bike Arena noch nicht komplett leer. Doch es hat sich durch die Pandemie etwas geändert: „In diesem Jahr mussten wir unsere Bestellungen bereits Ende April, Anfang Mai bei den Herstellern abgeben, normalerweise bestellen wir erst im Juli/August. Wir erhalten in den kommenden Wochen eine Zuteilung, alle Hersteller sind komplett ausgelastet. Die Hersteller sagen, die bestätigte Ware gibt es nur mit unbestimmte Lieferterminen und unbestimmten Preisen.“

Doch auch wenn die Fabriken wieder laufen, bleibt das Problem der Engpässe bestehen: Denn es besteht ein Engpass an Containern und Frachtführern, welche die Ware nach Deutschland bringen. „Vor einem Jahr konnten noch Container von Fernost nach Europa für wenige Tausend US-Dollar gemietet werden. Heute nimmt ein Spediteur rund 14.000 US-Dollar“, schildert der Geschäftsführer der Bikearena Bender das Problem. Das führt langfristig für einen Preisanstieg. Zwischen zehn und 15 Prozent teurer könnten die Fahrräder künftig werden — mindestens.

Fahrrad-Boom in der Corona-Pandemie: E-Bikes werden immer beliebter

Aber nicht nur „normale“ Fahrräder werden immer beliebter, auch der E-Bike-Trend geht laut Ernst Bender weiter: „Es wird von Jahr zu Jahr anteilig mehr. Der Trend wird gefördert durch die Pandemie: Viele Firmen bieten das Dienstrad-Leasing an, sodass Mitarbeiter nicht auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind. Die Nachfrage ist sehr hoch.“

Fahrradhaus Bender

Auf 3.000 Quadratmetern bietet die Bike Arena Bender in Heilbronn eine Auswahl an Fahrrädern, E-Bikes, Zubehör und Bekleidungsartikeln — sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche. Auf einer 100 Meter langen Indoor-Rundstrecke können die Fahrräder getestet werden. Die dazugehörige Werkstatt ist für Reparatur und Wartungsarbeiten zuständig.

Aber nicht nur die Corona-Pandemie macht der Fahrrad-Branche zu schaffen. Es fehlt auch an Personal, vor allem im handwerklichen und kaufmännischen Bereich. Ernst Bender bemängelt die heutige Arbeitsmoral: Viele wollen nicht samstags arbeiten und auch nicht abends — vor allem im kaufmännischen Bereich ist das problematisch. Eigentlich hatte er sich erhofft, dass durch die Pandemie viele Leute auf dem Arbeitsmarkt in handwerkliche und kaufmännische Bereiche wechseln — Fehlanzeige. Im handwerklichen Bereich sorgen die E-Bikes für Probleme, denn die Reparaturarbeiten mit diesen ist anspruchsvoller als mit Fahrrädern ohne Motor.

Die Fahrrad-Branche hat es trotz Boom momentan also nicht leicht: stillgelegte Fabriken, Engpässe, fehlende überteuerte Transportmittel und Personalmangel. Zum Schluss hat Ernst Bender noch eine Bitte an Kunden: „Jeder der einen Fahrradhandel aufsucht, sollte bitte Geduld und Verständnis mitbringen“. Aktuell ist ein Besuch in der Bike Arena Bender mit vorheriger Terminvereinbarung von Montag bis Freitag zwischen 9.30 und 19 Uhr sowie samstags zwischen 10 und 16 Uhr möglich.

Rubriklistenbild: © dpa

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