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Neue Strompreis-Rechnung der ZEAG verwirrt Verbraucher – das sagt das Unternehmen

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Von: Markus Merz

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Wer in Heilbronn einen Brief der ZEAG zum neuen Strompreis ab 2023 erhalten hat, ist vor allem eins: verwirrt.
Wer in Heilbronn einen Brief der ZEAG zum neuen Strompreis ab 2023 erhalten hat, ist vor allem eins: verwirrt. © Andreas Veigel, Heilbronner Stimme / Collage: echo24.de

Die Firma ZEAG, der Strom- und Gas-Versorger für Heilbronn und die Region, verschickt in diesen Tagen Briefe an seinen Kunden mit dem neuen Strompreis. Das Problem: Wirklich schlau wird daraus niemand.

Der Dezember in Deutschland zeigt sich von seiner (extrem) kalten Seite. Schluss mit den vergleichsweise warmen Herbst-Monaten, in denen Energiesparen locker möglich war. Inzwischen hat der Frost das Land fest im Griff, Gas und Strom einsparen ist bei diesem Wetter kaum noch möglich. Der Blick auf die Vorhersage für die nächsten Tage dürfte auch bei den Verbrauchern in Heilbronn und der Region für bange Blicke auf die eigene Nebenkostenabrechnung sorgen. Kommt‘s jetzt knüppeldick für den eigenen Geldbeutel?

Da könnte helfen, dass das Energie-Unternehmen ZEAG aus Heilbronn, wo es erst kürzlich zu einem größeren Stromausfall in der Region gekommen war, in den vergangenen Tagen eine neue Kosten-Aufstellung für den Strompreis im Jahr 2023 verschickt hat, um die Kunden über das zu informieren, was in Sachen Strom und Geld auf die Verbraucher im nächsten Jahr zukommt.

Strompreis-Rechnung von Energie-Versorger ZEAG verwirrt Kunden

Die Betonung liegt auf „könnte“. Denn: Man muss schon ein ausgewiesener Strompreisexperte oder ein Mathegenie sein, um die mehrseitige Auflistung des Energieunternehmens ZEAG zu verstehen.

Zwar macht die ZEAG zunächst Hoffnung, dass der Strompreis aufgrund der zum 1. Juli abgeschafften EEG-Umlage im Schnitt für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 2900 kWh um etwa 130 Euro im Jahr sinkt. Doch folgt schon in den Zeilen danach der Hinweis, dass unter anderem die weiterhin stark steigenden Beschaffungskosten dazu führen werden, dass der Preis für Strom für die Kunden steigt.

Strompreise steigen auch in Heilbronn und der Region deutlich – aber wie deutlich?

So weit so verständlich. Nun könnte man als Verbraucher erwarten, dass der örtliche Versorger in dem Schreiben gleich mitliefert, wie viel der Strompreis für jeden Haushalt im einzelnen steigt. Stattdessen nur zwei Details: „Ab 1. Januar 2023 steigt Ihr Bruttoverbrauchspreis um 12,84 ct/kWh. Ihr monatlicher Grundpreis erhöht sich um 0,89 Euro.“

Das Problem dabei: Diese Hinweise gelten für alle Kunden der ZEAG gleichermaßen. Wie viel das an Mehrkosten für den einzelnen Haushalt, den einzelnen Verbraucher bedeutet? Unklar.

ZEAG-Hotline überlastet, Mails werden nicht beantwortet

echo24.de erreicht diesbezüglich viel Unmut, viel Unverständnis von Lesern. „Wir wissen nicht, wie hoch die neue Abschlagszahlung wird und das kann einem bei der ZEAG auch niemand erklären“, ist nur eine von vielen ähnlich lautenden Rückmeldungen.

Der erste Reflex der Verbraucher ist da, die Hotline der ZEAG anzurufen. Allerdings ist diese derart überlastet, dass man nach 10 Minuten warten wieder aus der Leitung fliegt. Auf E-Mails warten die Kunden auch nach zwei Wochen noch auf eine Antwort.

Energie-Versorger ZEAG massiv überlastet – Kundenansturm nicht zu bewältigen

Die ZEAG hat dafür eine einfache Erklärung, erklärt gegenüber echo24.de: „Wie bei anderen Energieversorgern auch, registrieren wir derzeit einen Anstieg der eingehenden Anrufe um mehr als 100 Prozent gegenüber den letztjährigen Telefonaten. Dies begründet sich durch die hohen Unsicherheiten in Bezug auf die aktuellen Themen auf dem Energiemarkt. Wir arbeiten derzeit unter Hochdruck daran, unsere Kapazitäten an dieser Stelle weiter auszubauen.“

echo24.de fragt beim Energie-Versorger nach, warum die ZEAG die Preise nicht einzeln auflistet und erfährt, dass das Heilbronner Unternehmen derzeit offenbar in vielerlei Hinsicht an Belastungsgrenzen stößt: „Derzeit sind aufgrund der Dynamik, die durch die neuen Gesetzesentwürfe und -vorgaben entsteht, weit mehr Kapazitäten im Unternehmen gebunden als es bei früheren Preisanpassungsmaßnahmen notwendig war. Diese neuen Anforderungen wie z.B. Umlagen-Einführungen und deren aber nur teilweise wieder Rücknahmen bedeuten eine nie dagewesene Herausforderung, die wir nur mit vielen Überstunden – und somit Kosten – schaffen. Auch systemseitig lassen sich diese Anforderungen nur teilweise abbilden.“

Keine individuelle Strompreis-Auflistung: Energie-Unternehmen ZEAG verspricht Besserung

Das betrifft auch die individuelle Information der Kunden: „Dass diesmal keine Ausweisung der jeweils finalen Kosten auf dem aktuellen Schreiben erfolgte, ist wohl auf die zusätzlich benötigten Ressourcen zurückzuführen, die eine kundenscharfe Tarif-Selektion erfordert hätte. Wir nehmen uns das jedoch zu Herzen und werden künftig eine transparentere Formulierung wählen.“

Unklar dürfte vielen Verbrauchern auch sein, was es mit „Eintarif“ und „Zweitarif“ auf sich hat. Dazu die ZEAG gegenüber echo24.de: „Eintarif“ bezieht sich auf die Anlage, also den Zählertyp mit einem Eintarifzähler, „Zweitarif“ bezieht sich auf eine Anlage mit Zweitarifzähler. Manche Tarife rechnen sowohl einen Eintarifzähler als auch einen Zweittarifzähler ab.

Strompreisbremse wohl kein Thema für ZEAG-Kunden

Eine gute Nachricht hat die ZEAG aber für ihre Kunden. Und zwar was die zu erwartende Steigerung des Strompreises angeht: „Zwar hat auch die ZEAG Energie AG zum Jahresbeginn 2023 die Preise für Strom, Gas und Wärme anheben müssen. Im Vergleich zum Wettbewerb sind diese aber aufgrund unserer langfristigen Beschaffungsstrategie vergleichsweise gering ausgefallen. Aufgrund dieser Preisgestaltung werden sehr viele unserer Kunden von der Strompreisbremse so wie sie derzeit im Gespräch ist, gar nicht betroffen sein.“

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