Pfarrer ist entsetzt

Emmaus-Gemeinde zum Kinderporno-Skandal: "Wurden getäuscht"

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Die Kreuzkirche gehört zur Emmaus-Gemeinde.
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Der angeklagte Erzieher war hier in der Jugendarbeit jahrelang tätig.

Der Skandal um einen ehemaligen Kindergartenleiter zieht immer weitere Kreise. Auch die Heilbronner Emmaus-Gemeinde ist betroffen. Dort war der mutmaßliche Täter seit der Konfirmation in der Jugendarbeit tätig. Für Pfarrer Albrecht Wein bricht eine Welt zusammen.

"Wir sind getäuscht worden. Ich bin entsetzt, dass das über so einen langen Zeitraum funktionieren kann", erklärt Wein gegenüber echo24.de. Der Pfarrer ist nach den krassen Enthüllungen gestern hörbar emotional angeschlagen. Der Erzieher war am Donnerstag wegen des dringenden Tatverdachts auf Produktion von Kinderpornographie und schweren sexuellen Kindesmissbrauchs verhaftet worden.

"Auch hier könnten sexuelle Übergriffe geschehen sein"

Aufgefallen war die Pädophilie bis zur Anklage des 31-Jährigen nicht. Im Gegenteil: In der Emmaus-Gemeinde leitete er einige Jahre die Jungschar-Gruppe "Spaßvögel". Auch an der Planung und Organisation von Zeltlagern in Tripsdrill und Übernachtungen in der Martin-Luther-Kirche war der Erzieher maßgeblich beteiligt.

Pfarrer Wein und die Gemeinde befürchten, dass "auch hier sexuelle Übergriffe geschehen sein könnten". "Wenn er etwas mit Kindern 'angestellt hat', dann wohl hier vor seiner Haustür", mutmaßt ein Jugendarbeiter der Gemeinde. Seitens der Kirche wolle man alles daran setzen, dass die Polizei jeglichen Verdachtsmomenten nachgeht. Wein: "Ich will es wissen, das brennt mir auf der Seele."

Festklammern am letzten Strohhalm

Am Dienstag hatte es hierfür bereits einen Elternabend in der Gemeinde gegeben. Doch nach den neuen Vorwürfen dürften bei Weitem nicht alle Eltern angesprochen worden sein. "Die Polizei habe ich deshalb gebeten, bei einer weiteren Durchsuchung Adressen und Teilnehmerlisten zu finden." Die Daten der Kinder hat der ehemalige Kindergartenleiter demnach bis jetzt aufbewahrt.

"Bis gestern wollte ich auf die Ergebnisse des Prozesses warten, um alle Details zu erfahren", erklärt Wein. Vielleicht ein Festklammern am letzten Strohhalm. Erste polizeiliche Ermittlungen hatten es bislang nahezu ausgeschlossen, dass der Erzieher sich über den Besitz von kinderpornographischem Foto- und Videomaterial hinaus schuldig gemacht hatte. Bei Anrufen habe der Pfarrer zudem widersprüchliche Informationen der Polizei bekommen. Wein: "Jetzt sieht das alles ganz anders aus. Wir müssen zwar aufpassen, dass wir nicht in Hysterie ausbrechen, aber das ist schwer."

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