Kommentar zum Diesel-Schreiben des Kraftfahrt-Bundesamtes

Diesel-Dummheit: Jetzt reicht's echt! 

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Unser Redakteur ist sauer. Viele Heilbronner Diesel-Fahrer haben in den letzten Tagen Post bekommen. Er findet diese ganz schön dreist...

Das Schreiben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) flatterte in den vergangenen Tagen in viele deutsche Haushalte - zumindest in diejenigen, die in Ballungsgebieten wie der Region Heilbronn leben. Darin werden die Besitzer von älteren Dieseln der Normen Euro 4 und Euro 5 freundlich aufgefordert, ihre Autos gegen modernere Fahrzeuge einzutauschen, um einem drohenden Fahrverbot zu entgehen. Natürlich noch mit der direkten Durchwahl von BMW, Daimler und VW direkt im überdimensionalen Briefkopf.

Heilbronner Bürger werden mit ihrem alten Diesel enteignet und für dumm verkauft

Das Schreiben kommt einer stillschweigenden Enteignung gleich. Wer noch vor vier Jahren einen neuen Diesel gekauft hat, hat jetzt praktisch ein wertloses Fahrzeug in seiner Garage stehen. Der Besitzer kann sein Auto nur mit deutlichem Wertverlust verkaufen. Außerdem ist er wie ein Bittsteller auf die Gnade der Industrie angewiesen - damit diese den Käufern in Form der Tauschprämie ihr - letzendlich eigenes - Geld gottgleich wieder zurückgeben kann. Aber gibt es  deshalb in Deutschland einen Aufschrei, wie nach den Özil-Erdogan-Bildern? Oder wie bei einem Höschenblitzer von Vanessa Mai? Nein, der deutsche Michel hat sich daran gewöhnt, nach Strich und Faden vorgeführt zu werden. 

Mantra der Politik: Der Diesel rettet die Welt - auch in Heilbronn

Vom Paulus zum Saulus: Seit Mitte der 2000er Jahre wurde den Deutschen gebetsmühlenartig von Politik, Industrie und (Auto-)Medien eingehämmert, der moderne Diesel sei die Zukunft des Individualverkehrs, und Benzinmotoren sind spritfressende Relikte aus der Steinzeit. Selbst die alte Oma an der Ecke verkaufte ihren kleinen VW Polo Baujahr 1991 mit 45 PS, um mit einem nagelneuen Diesel-SUV mit mindestens 150 PS - ihre jährlichen 1.000 Kilometer Laufleistung - bewusst und umweltschonend zu fahren. Dass der Dieselantrieb aufgrund des einseitigen Kurzstreckenbetriebs nach zwei Jahren exorbitant hohe Reparaturkosten verursachen kann, stört Politik und Industrie nicht wirklich. Schließlich hat man fast 80 Millionen Bundesbürgern einen Bären aufgebunden und in Wahrheit nur versucht, der deutschen Autoindustrie die Subventionen in Milliardenhöhe in den Rachen zu werfen!

Ein HOCH auf die deutsche Autoindustrie

Hat uns nicht die Industrie belogen und betrogen? Die Abgaswerte übersteigen die Grenzwerte um ein Vielfaches, und nun sollen wir unsere (damals) teuren Autos verramschen, nur damit die selben Lügner und Betrüger wieder an unser Geld kommen? Sie finden das verwirrend und kommen sich verarscht vor? Willkommen im Club! 

Rekapitulieren wir: Eine Industrie betrügt ihre Kunden mit falschen Angaben. Nachdem die Schummelei aufgedeckt wurde und alle darunter leiden, fordert uns unsere Regierung auf, bei der gleichen Industrie wieder einzukaufen. Ein Vergleich: Ich kaufe im Supermarkt an der Ecke - ohne mein Wissen - vergiftete Äpfel ein. Vergifte damit die halbe Nachbarschaft, und dann sagt der Bürgermeister, dass meinetwegen alle vergiftet sind. Gleichzeitig gibt er aber vor, in eben jenem Supermarkt wieder ganz tolle Äpfel einzukaufen. 

Was hier so lustig klingt, ist Realität in Heilbronn und in ganz Deutschland. Ich habe beschlossen, kein Auto eines deutschen Herstellers mehr zu kaufen, das nach 1989 gebaut wurde. Nur vor 1989 kann ich sicher sein, dass mein Wagen ein H-Kennzeichen bekommt und mir die Fahrverbote sonstwo vorbeigehen.

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