Melde- und Hilfsplattform in Planung

DIESE Heilbronner wollen Mobbing "wegprogrammieren"

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Leon, Tess und Jonathan arbeiten seit einigen Wochen am Mobbing-Monitor.
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Der "Mobbing-Monitor" soll Vorfälle sammeln und eventuell sogar verhindern. Nur: wie? Die Macher haben es uns verraten.

Sie werden gehänselt, bedroht oder sogar geschlagen: Seelisches und körperliches Mobbing müssen viele Menschen in Deutschland durchleiden, vor allem Kinder an Schulen. Zwei 14-jährige Heilbronner Hacker wollen das nicht länger hinnehmen. Sie haben sich etwas ganz Besonderes ausgedacht. Sie wollen Mobbing "wegprogrammieren"!

Ihre Lösung: Der "Mobbing-Monitor", eine Internetplattform und App, soll Abhilfe schaffen. Betroffene können Mobbing-Vorfälle anonym melden und erhalten Adressen von Beratungsstellen. Hinter dem Projekt stecken die 14-jährigen Schüler Tess Gutermann und Leon Hellmich sowie der 26-jährige Software-Entwickler Jonathan Günz, der die beiden unterstützt.

Die Idee entstand aus der Not heraus: Günz hatte selbst eine Freundin, die sehr unter Mobbing gelitten hat. Es half ihr damals, die Vorfälle aufzuschreiben – erst auf Papier, später digital. Günz: "Das sind Fälle, die passieren an einem gewissen Ort zu einer gewissen Zeit." Das heißt: Man kann sie sammeln und zum Beispiel auf einer Karte darstellen.

Aufmerksamkeit und Prävention

Genau das ist nun der Plan. Günz ist Mitglied des Vereins "Code for Heilbronn", der einmal in der Woche einen Abend speziell für junge Hacker bis 16 Jahre anbietet. Dort traf er auf Tess und Leon – seit einigen Wochen sind die drei nun ein Team und basteln an ihrem Projekt. "Wir wollen auf Mobbing aufmerksam machen und es eventuell sogar stoppen", erklärt Tess.

Durch das Projekt hat die 14-jährige Tess schon ein bisschen HTML gelernt.

Wie das funktionieren soll? Die Entwickler können sich eine Funktion vorstellen, mit der Vertrauenslehrer an Schulen über Mobbing-Fälle informiert werden. Alles anonym, versteht sich. Die Plattform sammelt keine Infos über Täter oder Opfer. Die Nutzer können ihre Erlebnisse aber in vier Kategorien einordnen: verbales, physisches, sexuelles und Cyber-Mobbing. Auf die Meldungen zu reagieren, läge dann in der Verantwortung der Lehrer. Und die Hacker erhoffen sich noch etwas anderes!

Mobber für Problematik sensibilisieren

Leon erklärt: "Nicht jeder Mobber merkt, dass er andere Menschen verletzt." Was vielleicht nur als dummer Scherz gemeint ist, kann beim Gegenüber schlimme Folgen haben. Wenn aber jeder im Internet sehen kann, dass an der eigenen Schule jemand unter Mobbing leidet – dann wäre vielleicht der ein oder andere für das Thema sensibilisiert.

"Damit wir einfach alle ein Gefühl für unsere Umwelt bekommen und aufeinander aufpassen", sagt Leon. Obwohl die Website des Mobbing-Monitors bereits Gestalt annimmt, haben die Hacker noch viel zu tun. "Wir sind ungefähr bei fünf Prozent", sagt Tess. Wenn wirklich alles gut geht, könnte vielleicht zu Beginn des neuen Schuljahres eine erste Version online gehen.

Von Julia Weller

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