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Droht Deutschland jetzt die Gasknappheit? Heilbronner Energieversorger klärt auf

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Von: Julia Cuprakowa

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Die Außentemperaturen sinken – und die Menschen drehen die Heizungen auf. Die Folge: Mehr Gas wird verbraucht. Sollte das Wetter und der Verbrauch anhalten, besteht die Gefahr von Gasknappheit.

Aktuell ist Baden-Württemberg ein schönes, winterliches Wunderland. Seit dem 3. Advent sinken die Temperaturen und es fällt eine größere Menge Schnee, ganz zur Freude von vielen Winterfans im Land. Auch im Flachland werden Städte, wie zum Beispiel Heilbronn, weiß. Das ist jedoch nur eine Seite des aktuellen Wintereinbruchs. Auf der anderen Seite kommt es bei anhaltendem Schneefall zu vielen Unfällen – der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat bereits eine amtliche Unwetterwarnung veröffentlicht, wie echo24.de berichtete.

Hinzu kommt: Wird es kalt, drehen viele Menschen ihre Heizungen auf. Und das sieht der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, mit Sorge. Doch besteht tatsächlich ein Grund zur Sorge? Könnte es tatsächlich bei anhaltender Kälte zu einer Gasknappheit kommen? echo24.de hat bei der Heilbronner Versorgungs GmbH (HNGV) nachgefragt und eine besorgniserregende Antwort erhalten.

Netzagenturchef Müller mahnt trotz Kälte zu Zurückhaltung beim Heizen

Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hat trotz der aktuell tiefen Temperaturen an die Bürger appelliert, nicht alle Heizungen hochzudrehen. Er werde nicht müde, zu warnen und zu bitten, sagte Müller im „Deutschlandfunk“. Ein oder zwei Wochen Kälte machten ihn noch nicht besonders besorgt, betonte Müller. Man dürfe aber nicht leichtfertig werden. Wenn alle die Heizungen in allen Räumen hochdrehten, werde sehr viel Gas verbraucht, wie auch die „Deutsche Presse-Agentur“ (dpa) berichtet.

Und wenn die Kälte lange anhalte, könnte am Ende des Winters nicht genug Gas da sein, um die Bedürfnisse der Industrie zu decken, warnte Müller. Es bleibe dabei, dass über alle Sektoren hinweg 20 Prozent Gas eingespart werden müssten. Wie echo24.de bereits berichtete, sind die Menschen in Baden-Württemberg und somit auch in Heilbronn nicht grundsätzlich abgeneigt den Gürtel enger zu schnallen. Aber wo kann man den aktuellen Gasstand beziehungsweise die aktuelle Einsparung sehen?

Wegen Wintereinbruch in Deutschland – Heilbronn verbraucht zu viel Gas

Um die Menschen in Heilbronn über den aktuellen Gasverbrauch zu informieren und weiterhin zum Sparen zu animieren, realisierte die HNVG in Zusammenarbeit mit Ferdinant-Steinbeis-Institut den Heilbronner Gas-Monitor. Dort informiert die Heilbronner Versorgungs GmbH über den aktuellen Stand und Einsparung. Im Zeitraum vom 1. August 2022 bis 11. Dezember 2022 liegt die Reduzierung im Vergleich zum Durchschnitt der Vorjahre 2017 bis 2021 bei minus 23,2 Prozent. Soweit so gut.

Der Gasverbrauch soll um 20 % reduziert werden. Die Angaben zeigen den aktuellen Stand für die Region Heilbronn.
Der Gasverbrauch soll um 20 Prozent reduziert werden. © Screenshot echo24.de vom Gas-Monitor : HNGV / Ferdinand-Steinbeis-Institut

Das Problem: In diesem Zeitraum waren die Temperaturen noch relativ mild und viele Heilbronner hatten die Heizung – vor allem wegen des steigenden Energiepreises – spät angemacht. Jetzt sinken die Temperaturen teilweise in den zweistelligen Minusbereich und die Heilbronner drehen die Heizungen voll auf – und das macht der HNVG Sorgen.

„Die kalten Außentemperaturen lassen den Verbrauch derart ansteigen, dass das Einsparziel für diese Woche nicht eingehalten wurde“, erklärt ein Sprecher des Unternehmens auf Nachfrage von echo24.de. Sollte es also weiterhin so kalt bleiben, könnte Heilbronn und auch ganz Deutschland in die Bredouille kommen.

Der Gasverbrauch soll um 20 % reduziert werden. Die Angaben zeigen den aktuellen Stand für die Region Heilbronn.
Die Angaben zeigen den aktuellen Stand für die Region Heilbronn. © Screenshot echo24.de vom Gas-Monitor : HNGV / Ferdinand-Steinbeis-Institut

Gasspeicher zu 93 Prozent gefüllt – Menschen sollen weiterhin stark sparen

Aktuell sind die deutschen Gasspeicher noch zu rund 93 Prozent gefüllt. Der Füllstand war in den vergangenen Tagen jahreszeitbedingt gesunken. Die Betreiber der Erdgasspeicher waren am Freitag (9. Dezember) weiterhin davon ausgegangen, dass Deutschland den Winter ohne Gasknappheit gut überstehen kann, solange keine extrem niedrigen Temperaturen auftreten.

Die Wahrscheinlichkeit einer Gasmangelsituation sei aufgrund verstärkter Verbrauchseinsparungen weiter gesunken, berichtete der Speicherverband Initiative Energien Speichern (Ines). Wenn die starken Verbrauchseinsparungen anhielten und die Menschen auch bei niedrigen Temperaturen weiterhin sparen, „wird Deutschland gut durch den Winter kommen“, sagte Ines-Geschäftsführer Sebastian Bleschke.

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