Expertin aus Bad Wimpfen gibt Tipps

Wildkräuter aus der Natur: Heilpflanze gegen Coronavirus entdeckt? Erste Forschungen

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Auf der ganzen Welt suchen Forscher ein Medikament für Covid-19-Patienten. Eine nicht ganz unbekannte Pflanze weckt das Interesse zahlreicher Experten.

Heilpflanzen wie Kamille, Pfefferminz oder Fenchel sind jedem ein Begriff. Längst kommen die gesunden Pflanzen nicht mehr nur in Tees oder Salben vor. Im Handel werden Konsumenten von Kosmetikprodukten, Nahrungsergänzungsmitteln oder Badezusätzen gerade zu erschlagen. Eines haben aber alle Produkte gemeinsam: Sie kosten Geld. Dabei wachsen viele gute Heilpflanzen direkt vor der Haustür. Das weiß auch Kräuterweible Edith Götzfried aus Bad Wimpfen.

Wildkräuter aus der Natur: Eine Pflanze weckt großes Interesse – auch gegen Corona?

Bereits seit mehreren Jahren bietet die fachkundige Kräuterfrau Führungen in ihrer Heimatstadt Bad Wimpfen an. Immer mehr Menschen würden sich für gesunde und köstliche Wildkräuter interessieren, erzählt Götzfried. Sie selbst sei bereits seit Jahren von wilden Kräutern fasziniert. Götzfried: „Viele Heilpflanzen werden heute als Unkraut verachtet und sind in Vergessenheit geraten.“ Darunter auch der Beifuß, der zur Gattung Artemisia gehört und ein Korbblütler ist.

Bekannt ist, dass der Beifuß viele wertvolle Inhaltsstoffe besitzt. Götzfried bezeichnet das Wildkraut als „Superpflanze“, die sie gerne auch für ihre Teemischungen verwendet. Im Gespräch mit echo24.de verrät die Kräuterexpertin aus Bad Wimpfen eine wichtige Eigenschaft der Heilpflanze. „Der Beifuß wird als Mittel gegen Malaria eingesetzt.“ Und möglicherweise kann der reine Wirkstoff der Pflanze – das Artemisinin – gegen die Coronavirus-Erkrankung helfen.

Heilpflanzen aus der Natur: Beifuß gegen Coronavirus-Erkrankung?

Wie die Deutsche Apotheker Zeitung berichtet, hätten erste Untersuchungen eines alkoholischen Extrakts aus Artemisia annua (Wirkstoff des Beifuß) eine Wirkung auf den Covid-19-Erreger gezeigt. Die Wirkung von Artemisinin in der Malaria-Therapie ist unumstritten und durch wissenschaftliche Studien belegt. Die Wirksamkeit von Artemisinin in Bezug auf das Coronavirus muss noch genauer erforscht werden. Das Interesse der medizinischen Fachwelt ist aber geweckt.

Am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam gibt es bereits Forschungen zu Artemisinin in Bezug auf das Coronavirus und die Anwendung in der Therapie. Bis es allerdings handfeste Erkenntnisse gibt, dürfte es noch eine Weile dauern. Genau wie bei anderen Medikamenten gegen das Coronavirus muss die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Artemisinins in Studien nachgewiesen werden. Erst dann besteht die Möglichkeit, dass der Wirkstoff zugelassen wird.

Heilpflanzen aus der Natur: Diese Wildkräuter helfen in der Corona-Zeit

Unabhängig von Medikamenten und der Impfstoffforschung zum Coronavirus ist es wichtig, die geltenden Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Und auch ein fittes Immunsystem kann dazu beitragen, dass wir gesund bleiben. Heilkräuter können einen großen Teil dazu beitragen. Einer von Edith Götzfrieds Favoriten: Die oft als Unkraut bezeichnete Vogelmiere. „Die kleine Pflanze wächst meist auf Rasenflächen und an Mauern – auch in der kalten Jahreszeit.“

Wilder Schnittlauch trotzt auch Eis und Kälte. Das dunkelgrüne Wildkraut enthält sehr viel Vitamin C.

Die Kräuterexpertin aus Bad Wimpfen schätzt die vitamin- und mineralstoffreiche Vogelmiere im Brotaufstrich oder im Salat. Aber auch andere Gerichten wie Kartoffeln oder Eintöpfen verleihe die Vogelmiere einen frischen Geschmack. Götzfried: „Und das Beste ist, dass ich die Vogelmiere direkt vor der Haustür finden kann.“ Die Heilpflanze sei in Gärten und auf Wiesen heimisch. Ebenso der wilde Schnittlauch, der laut Götzfried sehr viel wertvolles Vitamin C enthält.

Heilpflanzen aus der Natur: Vitamin- und Mineralstoffbomben direkt vor der Tür

Die Frage ist nur: Wie kann ich als Leihe solche Heilpflanzen identifizieren? Insbesondere die Vogelmiere und der wilde Schnittlauch sind nur schwer von Gras und Unkraut zu unterscheiden. „Das ist tatsächlich nicht immer einfach. Anfangs empfehle ich, solche Heilpflanzen im eigenen Garten oder im Pflanzenkübel anzubauen“, erklärt die Kräuterfrau aus Bad Wimpfen dazu. Götzfried selbst machte eine Ausbildung. Heute gibt sie ihr Wissen in Kräuterführungen weiter.

Ein Geheimtipp der Expertin: „Ich setzte nie nur auf ein Heilkraut. Egal ob im Tee oder im Essen – ich finde, die Mischung macht‘s.“ Und so finden sich neben Vogelmiere und wildem Schnittlauch noch zahlreiche andere vitamin- und mineralstoffhaltige Heilkräuter in Götzfrieds Küche. „Kürzlich habe ich zum Beispiel ein Dinkelbrot mit Bärlauch, Walnüssen und Brennsesselsamen gebacken.“ Die kleinen Samen der Brennnessel bezeichnet die Kräuterexpertin aus Bad Wimpfen als das „Doping aus der Natur“.

Heilpflanzen aus der Natur: So gut können die kleinen Wildkräuter schmecken

Der Brennsesselsamen wirke ausgleichend und gebe unserem Körper neue Energie, erzählt Götzfried. Und: Genau wie die Vogelmiere oder der wilde Schnittlauch wachsen Brennnesseln oft direkt vor der Haustür. „Ganz wichtig ist mir neben Frische auch immer der gute Geschmack. Wildkräuter müssen nicht nach Medizin schmecken.“ Im Gegenteil: Wer sie in der Küche richtig einsetze, könne auch vom Geschmack der Wildkräuter profitieren.

Heimische Wildkräuter sind in der Küche vielfältig einsetzbar. Schnell zubereitet ist zum Beispiel ein leckerer Brotaufstrich.

Doch trotz aller Heilpflanzen und ihrer besonderen Wirkungen ist die Kräuterfrau aus Bad Wimpfen überzeugt, dass den Menschen gerade im Winter auch Ruhepausen guttun. „Wir müssen im Winter nicht genau so viel leisten wie im Rest des Jahres.“ Unser Körper brauche auch Auszeiten, davon ist Götzfried überzeugt. Nichtsdestotrotz sei es wichtig, sich und seinen Körper fit zu halten. „Frische Wildkräuter aus der Region können dazu einen großen Teil beitragen.“

Rubriklistenbild: © Jason Blaschke/echo24.de

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