Mit Strahlung gegen Sars-CoV-2

Neue Waffe gegen Coronaviren? Forscher aus Heilbronn arbeiten an Mega-Projekt

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
    schließen

Ingenieure aus Heilbronn und Virologen aus Tübingen forschen an UV-C-Strahlung, mit der Coronaviren unschädlich gemacht werden könnten.

Update, 5. Februar: Die Coronavirus-Pandemie schränkt das Leben der Menschen stark ein. Viele hoffen auf ein schnelles Impfen, um der Pandemie Einhalt zu gebieten. Doch die begrenzten Produktionskapazitäten der Impfstoffhersteller und der große Bedarf an Vakzinen drosseln das Tempo der Impfkampagne. Wichtiger denn je ist es deshalb, das Coronavirus auch auf anderen Wegen zu bekämpfen. Ein Team von Virologen und Ingenieuren aus Heilbronn verfolgt eine heiße Spur.

Neue Waffe gegen Coronaviren? Heilbronner Forscher arbeiten an Hammer-Projekt

Erwiesen ist, dass sogenannte UV-C-Strahlung die Coronaviren auf festen Oberflächen unschädlich macht. Und bald soll es möglich sein, mit der UV-C-Strahlung auch Coronaviren in der Luft den Kampf anzusagen. Projektleiter Michael Schindler von der Universitätsklinik Tübingen ist davon überzeugt, dass das Projekt funktionieren wird. „Wir erwarten bis zum Frühsommer erste Ergebnisse“, erklärte Schidler gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur (dpa) zu seiner Forschung.

Wenn das Projekt von Schindler und seinen Kollegen Früchte tragen sollte, sei der Einsatz von solchen UV-C-Strahlungs-Geräten in Klassenzimmern oder auch in Kliniken denkbar, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Hochschule Heilbronn und der Universitätsklinik Tübingen. Aber ist UV-Strahlung für die Menschen auf Dauer nicht schädlich, insbesondere für Kinder? Die echo24.de-Redaktion ist der Frage nachgegangen und bekam von der Uniklinik eine schriftliche Antwort.

Neue Waffe gegen Coronaviren? Ist die Strahlung des Viren-Killers sicher?

Die Geräte seien so konzipiert, dass die Raumluft angesaugt und an einer internen UV-C Quelle vorbeigeleitet werde, heißt es in der Mitteilung. „Viren im Aerosol können so inaktiviert werden, ohne dass die Umgebung der UV-Strahlung ausgesetzt wird.“ Das Gerät arbeitet also so ähnlich wie ein Raumluftfilter. Doch statt durch einzelne Filterelemente werden die Viren durch die effiziente UV-C-Strahlung unschädlich gemacht. Heißt: Die schädlichen Coronaviren bleiben nicht im Gerät.

Ein weiterer Vorteil der UV-C-Strahlung sei, dass die Geräte effizienter und leiser als die heute genutzten Luftreinigungstechnologien seien, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Forscher aus Heilbronn und Tübingen sehen in der UV-C-Strahlung einen „weiteren technologischen Baustein“ um die Ausbreitung des Coronavirus zu minimieren. Die Experten sind sich sicher: „Persönliche Kontakte in der Pandemie können durch die UV-C-Strahlung in Räumen sicherer werden.“

Neue Waffe gegen Coronaviren? Hammer-Projekt von Heilbronner Forschern

Erstmeldung, 4. Februar: Die Coronavirus-Pandemie stellt die Menschen vor große Herausforderungen. Schulen und Kitas müssen geschlossen bleiben, Veranstaltungen sind erst einmal tabu und statt Firma heiß es für viele Arbeitnehmer Homeoffice. Seit wenigen Wochen verschärfen zudem neue Mutationen des Coronavirus die Situation zusätzlich. Einige neue Varianten von SARS-CoV-2 sollen sogar noch ansteckender sein als die ursprüngliche Virusvariante.

Könnte UV-C-Licht die Lösung im Kampf gegen das Coronavirus sein? (Symbolfoto)

Daher bleiben Schulen und Kitas in Baden-Württemberg vorerst geschlossen. Eigentlich war der Plan, dass Grundschulen und Kitas im Land ab 1. Februar wieder regulär öffnen dürfen. Doch als eine Corona-Mutation in einer Kita in Freiburg nachgewiesen wurde, legte die Landesregierung die Pläne vorerst auf Eis. Und nun? Fakt ist, dass es mit der Corona-Impfung schleppend vorangeht. Und das derzeitige Homeschooling in Baden-Württemberg ist keine Dauerlösung.

Neue Waffe gegen Coronaviren? Forscher aus Heilbronn haben mögliche Lösung

Was also tun? Eine Möglichkeit wäre, die Verbreitungswege des Coronavirus einzudämmen. Auf diese Weise könnte zum Beispiel wieder Präsenzunterricht in Klassenzimmern stattfinden. Ein Team aus Ingenieuren und Virologen verfolgt derzeit eine heiße Spur. Die Idee ist, Coronaviren in der Luft mittels Strahlung abzutöten. Ob das möglich ist, wollen Ingenieure der Hochschule Heilbronn und Virologen vom Universitätsklinikum Tübingen nun nachprüfen.

Neue Waffe gegen Coronaviren? So könnte Präsenzunterricht bald möglich sein

Erwiesen ist, dass sogenannte UV-C-Strahlung die Coronaviren auf festen Oberflächen unschädlich machen kann. Doch die Coronaviren verbreiten sich hauptsächlich über die Luft über Aerosole. Besonders heimtückisch ist es, wenn Menschen mit Covid-19 infiziert sind, aber keine Symptome haben. Infizierte können andere Menschen in der näheren Umgebung anstecken, weil sie die Coronavirus-Erreger über die ausgeatmeten Aerosole ausscheiden.

Was sind Aerosole?

Aerosole sind winzige Teilchen in der Luft, die der Mensch ein- und ausatmet. Wenn also ein infizierter Mensch kontaminierte Aerosole ausatmet, können andere Menschen diese einatmen und sich ebenfalls mit Covid-19 infizieren. Normale Alltagsmasken können vor Aerosolen nicht schützen. Auch sogenannte FFP2-Masken filtern nur zum Teil die schädlichen Aerosole aus der Luft.

Daher erhoffen sich die Wissenschaftler viel von der Möglichkeit, die Verbreitung der Aerosole einzudämmen. An der Universitätsklinik Tübingen wird für das Projekt ein sogenannter Aerosolprüfstand gebaut und in die Sterilbank eines Hochsicherheitslabors integriert. Projektleiter Michael Schindler von der Tübinger Forschungssektion Molekulare Virologie und die Forscher aus Heilbronn arbeiten im Projekt in Tübingen mit infektiösen Coronaviren im Labor.

Neue Waffe gegen Coronaviren? UV-C-Strahlung wird bereits eingesetzt

Sie wollen überprüfen, ob und mit welcher UV-C-Bestrahlungsdosis Coronaviren in Aerosolen inaktiviert werden können. „Wir erwarten bis zum Frühsommer erste Ergebnisse. Ich bin optimistisch, dass das funktioniert“, erklärt Schindler im Gespräch mit der Deutschen-Presse-Agentur (dpa) zu seiner Forschung in Kooperation mit der Hochschule Heilbronn. Der Einsatz von energiereicher UV-C-Strahlung im Kampf gegen Viren auf Oberflächen sei ein etabliertes Verfahren.

Ich bin optimistisch, dass das funktioniert.

Michael Schindler, Leiter der Tübinger Forschungssektion Molekulare Virologie

Die UV-C-Bestrahlung sei etwa in Laborbetrieben oder OP-Sälen ein gängiges Verfahren, sagt der Experte. Sollten Schindlers Forschungen erfolgreich sein, könnten solche UV-C-Bestrahlungs-Anlagen künftig auch in Klassenzimmern oder Großraumbüros stehen. Laut Schindler soll es bald erste Erkentnisse geben.

Neue Waffe gegen Coronaviren? Landesregierung fördert Projekt mit viel Geld

Das Land Baden-Württemberg fördert das Projekt „Testaerosole“ mit knapp 1,6 Millionen Euro aus der Staatskasse. Am Projekt der UV-C-Bestrahlungsforschung beteiligt sind neben der Hochschule Heilbronn und der Universitätsklinik Tübingen auch die Universität Stuttgart sowie das Karlsruher Institut für Technologie.

Rubriklistenbild: © Verena Müller

Das könnte Sie auch interessieren