Coronavirus trifft Tafeln

Corona-Krise: Heilbronner Tafeln bieten ab sofort ein Hilfspaket "To-Go-Box" an

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Die Heilbronner Tafeln setzen in der Coronavirus-Pandemie auf ein Hilfspaket mit frischen Lebensmitteln und Hygieneartikeln zum Mitnehmen.

  • Die Tafeln in Heilbronn haben unter der Coronavirus-Pandemie zu kämpfen.
  • Einige Ausgabestellen im Landkreis Heilbronn mussten schon geschlossen werden.
  • Ältere, ehrenamtliche Helfer, können nicht mehr helfen, weil sie der Risikogruppe angehören oder Vorerkrankungen haben.
  • Jetzt gibt es ein neues Hilfspaket: Die "To-Go-Box"

Coronavirus: Heilbronner Tafeln rufen ein Hilfspaket "To-Go-Box" ins Leben

Auch Bedürftige inHeilbronn bleiben vom Coronavirus nicht verschont. Vor allem die vielen ehrenamtlichen Helfer aus der Region fehlen, da gerade sie als Ältere zur besonders gefährdeten Risikogruppe gehören. Die Folge: Fünf der insgesamt 17 Ausgabestellen im Stadt- und Landkreis Heilbronn mussten bereits schließen. Und auch die Heilbronner Tafelbesucher trauen sich oftmals nicht mehr in die Tafelläden. Matthias Weiler, Leiter der Tafeln im Stadt- und Landkreis Heilbronn,erklärt: "Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ist vor allem älteren Kunden das Risiko zu hoch."

Frisches Obst und Gemüse sowie Lebensmittel und Hygieneartikel - das gibt es am Zentrallager der Heilbronner Tafeln ab sofort zum mitnehmen. 

 

Deshalb haben sich Weiler und das Tafel-Team etwas ganz besonderes einfallen lassen: ein Tafel-Hilfspaket mit Obst, Gemüse, Lebens- und Hygieneartikel. Fertig verpackt und ideal zum Mitnehmen kann es am Zentrallager der Heilbronner Tafeln abgeholt werden. Kostenpunkt: fünf bis maximal 10 Euro je nach Paket. Da die Hilfspakete allerdings vorgefertigt sind, kann nur zwischen mit und ohne Schweinefleisch entschieden werden, der Rest ist "vorgepackt". Das Zentrallager der Tafeln ist in der Goppeltstraße 20 in Heilbronn und hat von Montag bis Donnerstag, in der Zeit von 13 bis 15 Uhr, geöffnet.  

Coronavirus in Heilbronn: Tafeln müssen jetzt teilweise schließen

Erst trifft das Coronavirus Schulen und Kindergärten, dann stehen auf einmal die Spargel- und Erdbeeranbieter vor großen Herausforderungen, und jetzt sind auch die mittellosesten in der Gesellschaft betroffen: die Bedürftigen. Grund: Viele ehrenamtliche Helfer - vor allem Ältere - trauen sich aufgrund der Coronavirus-Pandemie in Heilbronn nicht mehr in die einzelnen Ausgabestellen. "Ihnen ist das Risiko einfach zu groß", erklärt Matthias Weiler, Leiter der Tafeln im Stadt- und Landkreis Heilbronn, im Gespräch mit echo24.de. Fünf der 17 Ausgabestellen in der Region Heilbronn mussten bereits geschlossen werden. Weiler erklärt: "Für unsere fast 300 ehrenamtlichen Helfer haben wir natürlich vollstes Verständnis." Aber wie soll es jetzt weiter gehen? "Natürlich versuchen wir den Betrieb weiterhin aufrechtzuerhalten", sagt er. 

Vor allem die wichtigen Tafel-Standorte Heilbronn und Neckarsulm wolle man auf jeden Fall erhalten. Das schlimme ist nur: Niemand weis wie lange die Corona-Krise noch andauert. Unter Corona leiden kleine Unternehmen und Dienstleister, aber eben auch ehrenamtliche Einrichtungen - wie die Tafeln. Zumal gerade die nicht dazu ausgelegt sind, finanzielle Reserven zu halten. Und trotzdem habe man natürlich weiterhin laufende Kosten wie Mieten oder Haustechnik, erklärt Weiler. Ein Großteil dieser anfallenden Kosten wird natürlich durch Spenden gedeckt. Ein Teil sind aber auch die Einnahmen, die Tafel-Besucher für Kleidung und Lebensmittel bezahlen. WennTafel-Standorte in der Region Heilbronn schließen, hat das also zur Folge, dass solche Einnahmen-Quellen von heute auf morgen versiegen.

Coronavirus in Heilbronn: Erste Tafeln schließen - und es könnte noch schlimmer kommen

DieFolgen der Corona-Krise sind mittlerweile überall spürbar. Große Konzerne, wie Daimler, schicken Mitarbeiter ins Homeoffice. Andere Autohersteller, wie Audi und VW, reagieren ebenfalls auf Corona und legen gleich ihre  Bandproduktion für mindestens zwei Wochen auf Eis. Und auch die Tafeln in Heilbronn und der Umgebung müssen vorübergehend ihre Second-Hand Länden schließen, wie Weiler erzählt. Eine weitere Einnahmequelle, die kurzfristig weg fällt. Mit Sorge betrachtet der Tafel-Chef auch eine möglicheAusgangssperre in Heilbronn, die nach aktuellem Stand (18. März) zwar nicht geplant ist, aber immer noch kommen kann. Weiler: "Das könnte uns in eine finanzielle Schieflage bringen." 

Einerseits natürlich finanziell, aber auch im Hinblick auf die Vorräte. Hintergrund: In erster Linie verteilendie Tafeln Lebensmittel. Wenn die in den Supermärkten knapp werden, bleibt auch für die Tafeln weniger. Heißt konkret: Auch die Hamsterkäufe in Heilbronn könnten für die Tafeln - und letztendlich für die Bedürftigen - zu einer großen Herausforderung werden. Vor allem dann, wenn die Hamster auf zwei Beinen aus Angst vor dem Coronavirus immer mehr Lebensmittel horten, die sie akut eigentlich gar nicht brauchen. "Im Moment haben wir noch Lebensmittel-Reserven im Zentrallager", erklärt Weiler.

Coronavirus in Heilbronn: So arbeiten die Tafeln in der Corona-Zeit

Aber auch die gehen irgendwann zur Neige. Ein Problem, gerade wenn man nicht weiß, wie lange Heilbronn noch vom Coronavirus heimgesucht wird. Weiler:" Auch merken wir, dassLebensmittel-Spenden von Supermärkten und Discountern weniger werden." Nichtsdestotrotz - einen positiven Aspekt hat das Coronavirus für die Tafeln aber. Denn seit Betriebskantinen, Restaurants und Cafes wegen des Virus schließen, bekommen die Tafeln von dieser Seite mehr Lebensmittel, die sie an die Bedürftigen verteilen. Auch einigeInfizierte in Heilbronn sind wieder gesund, wie die Stadt auf Nachfrage von echo24.de erklärt. Und zurück bei den Tafeln ergibt sich ein dritter,positiver Aspekt

Die Tafeln geben vor allem auch verpackte Lebensmittel an Bedürftige raus und werde deswegen nicht von den neuen Hygienevorschriften, bezüglich Corona, noch zusätzlich belastet. Natürlich desinfiziere man und sorge stets für Sauberkeit, erklärt Weiler. Aber eben nicht mehr und nicht weniger als vor der Corona-Pandemie. Weiler: "Unsere Lebensmittel-Ausgabe versuchen wir so lange wie möglich offen zu halten." So wolle man die Lebensmittelversorgung der Bedürftigen sicherstellen. Daher ist auch die Heilbronner Tafel gespannt, wie sich der Coronavirus in Baden-Württemberg, und in erster Linie in der Region, weiter entwickeln wird.

Coronavirus in Heilbronn: Die Tafeln brauchen Hilfe - und so gehts

Mit Sorge betrachten Matthias Weiler und seine Kollegen die Gefahr durch das Coronavirus. Verständlich, denn letztlich sehen sie tagtäglich die Menschen, die auf Unterstützung und Hilfe angewiesen sind. Männer, Frauen, Kinder - letztlich ganze Familien, die auf die Versorgung mit dem notwendigsten angewiesen sind - egal ob Coronavirus oder nicht. Der Appell von Weiler deshalb: "Wir brauchen Solidarität in der Gesellschaft. Verständnis und Mitgefühl für die anderen, aber auch tatkräftige Unterstützung. Vor allem Arbeitskräfte, damit nicht noch mehr Ausgabestellen im Stadt- und Landkreis Heilbronn schließen müssen. Weiler hofft hier vor allem auf die junge Generation. Grund: Junge Leute gehört nicht zur Corona-Risikogruppe. Ältere ehrenamtliche Helfer sind gerade deswegen erstmal außen vor - jetzt müssen jüngere Leute mithelfen.

Tag für Tag sind ehrenamtliche Helfer in der Tafel im Einsatz. Jetzt brauchen Sie Unterstützung.

Als Beispiel nennt der Heilbronner Tafel-Chef Schüler, die  in Baden-Württemberg aktuell Corona-Ferien haben und keine Vorerkrankungen haben. Sie könnten einspringen, wenn die Älteren zuhause bleiben müssen. Aber natürlich kann man die Tafeln in Heilbronn auch finanziell unterstützen. Einige Spenden haben die Tafeln in der Virus-Krise schon erreicht. Dafür ist Weiler sehr dankbar. Und jeder der helfen möchte - in welcher Form auch immer - kann sich bei ihm und seinem Team melden. Erreichbar ist die Heilbronner Tafel unter der Telefonnummer 07131/568100 unter der E-Mail-Adresse tafel@diakonie-heilbronn.de. Weiler: "Wir sind für jede Unterstützung dankbar."

Rubriklistenbild: © Matthias Weiler

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