Corona-Krise im Klinik-Alltag

Medikamenten-Mangel wegen der Corona-Krise: Wie gut sind Heilbronner Intensivstationen ausgestattet? 

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Auch in Heilbronn gibt es in der Coronavirus-Pandemie einen Medikamenten-Mangel. Sind jetzt auch Intensivstationen betroffen?

  • Das Coronavirus verändert auch in Heilbronn den Klinik-Alltag, vieles ist vorerst nicht mehr möglich.
  • Insbesondere Besucher und ambulante Patienten spüren die Auswirkungen.
  • Heilbronner Kliniken kämpfen mit Lieferengpässen bei Schutzkleidung und Medikamenten.
  • Auch Medikamente in der Intensivmedizin fehlen mancherorts, die Gründe sorgen für Verwunderung.

Heilbronn: Fehlt es an Medikamenten für Coronavirus-Patienten auf der Intensivstation?

Update vom 9. April: Auch die SLK-Kliniken in Heilbronn kämpfen weiter mit der Coronavirus-Pandemie. Hintergrund: Die Zahl der Covid-19-Infektionen in Baden-Württemberg steigt weiter, was auch in Kliniken vermehrt belegte Betten zur Folge hat. Denn gerade, wenn ein Patient starke Symptome aufweist, ist eine stationäre Behandlung auf der Intensivstation unumgänglich. Und da es nach wie vor kein Medikament gegen Covid-19 gibt, sind oft Antibiotika und Schmerzmittel die Medikamente der ersten Wahl.

Intensivstationen in Deutschland gehen die Medikamente aus. Insbesondere bei Antibiotika und Schmerzmitteln wird es langsam eng.

Doch es gibt ein Problem: Gerade diese elementaren Wirkstoffe in der Corona-Therapie sind auf dem Weltmarkt rar geworden. Ein Grund dafür sind die Lieferengpässe bei Medizinprodukten, da viele Präparate mittlerweile aus China kommen. Doch gerade bei Antibiotika gibt es noch ein anderes Problem - fehlende Wirkstoffe. Hintergrund: Antibiotika sind billig im Verkauf und teuer in der Herstellung. Oft werden sie auch nur für einen kurzen Zeitraum angesetzt, was abermals den Gewinn für die großen Pharmaunternehmen in Europa schmälert.

Coronavirus Heilbronn: Fehlende Antibiotika - die Folge von gewinnorientierten Pharmaunternehmen?

Auch können Ärzte nur auf ein begrenztes Kontingent an Antibiotika zurückgreifen, da sich mittlerweile viele Resistenzen gebildet haben und manche Antibiotika einfach nicht mehr wirken. Ein Teufelskreis also, der jetzt Covid-19-Patienten auf Intensivstationen zum Verhängnis werden könnte. Das erklärt SLK-Sprecher Matthias Burkhardt auf echo24.de-Anfrage. Burkhardt: "Es gibt zwar einen generellen Medikamenten-Mangel, die SLK-Kliniken haben aber wichtige Medikamente in Reserve.

Auch die medizinische Versorgung schwerstkranker Coronavirus-Patienten auf der Intensivstation ist laut Burkhardt gesichert. Die Lagerbestände der SLK-Kliniken Heilbronn reichen bei wichtigen Medikamenten drei bis sechs Monate. Burckhardt: "Es besteht auch immer die Möglichkeit, von Stammartikeln auf Ersatzartikel umzusteigen." Heißt: Auf ein anderes Präparat, zum Beispiel auf ein anderes Schmerzmittel, umsteigen. Zumeist gibt es für ein Medikament auch sogenannte Generika, also der gleiche Wirkstoff nur in anderer Zusammensetzung und von verschiedensten Herstellern.

SLK-Klinik Heilbronn: So kämpfen die Kliniken gegen leere Lager

Update vom 5. April: Ein Problem, das der Klinik weit aus mehr größere Probleme macht, ist der Mangel an Medizinprodukten in der Region Heilbronn, die jedoch dringend benötigt werden. Insbesondere der steigenden Preise bei einzelnen Produkten bereitet der Klinik Sorgen. Und gerade dringend benötigte Schutzkleidung - wie zum Beispiel Atemschutzmasken - braucht es jetzt mehr den je. Um hier neue Beschaffungskanäle zu generieren, arbeitet das Klinikum mit Partnern regional ansässiger Unternehmen zusammen.

Ziel ist es - durch deren Kontakte - an Vertriebe in China zu kommen, die Nachschub liefern können. Denn auch in denSLK-Kliniken Heilbronn wird der Bestand mit steigenden Coronavirus-Patienten weiter schrumpfen. Und auch Spenden aus der Region - wie beispielsweise das Desinfektionsmittel der Experimenta oder die Atemschutzmasken von Daimler und VW - sind in Anbetracht steigender Fallzahlen ein Tropfen auf den heißen Stein.

Coronavirus/Heilbronn: Auch Medikamente werden in der Corona-Krise rares Gut

Ähnlich wie den Atemschutzmasken geht es auch dem Medikamenten-Bestand in Deutschland. Grund: Viele Präparate, wie zum Beispiel die Schmerzmittel Ibuprofen und Paracetamol, werden in China produziert und sind oftmals auf absehbare Zeit nicht lieferbar. Burkhardt: "Aktuell gibt es Vorräte, mit denen eine Medikamenten-Knappheit in Heilbronn mittelfristig überbrückt werden kann." 

Eigens dafür gibt es in den SLK-Kliniken eine angelegten Arzneimittelreserve, die bei Bedarf angezapft werden kann. "Hierzu wurden für den Betrieb einer Klinik essentielle Wirkstoffe identifiziert und entsprechend der jeweiligen Haltbarkeit ein Vorrat für drei bis sechs Monate eingelagert", erzählt der Pressesprecher. 

Coronavirus/Heilbronn: weitreichende Einschränkungen für Kliniken - auch bei der Geburt

Erstmeldung vom 3. April: Für viele ist es der schönste Tag im Leben, wenn der Sohn oder die Tochter das Licht der Welt erblickt. Für viele Papas ist es deshalb selbstverständlich, bei der Geburt dabei zu sein. Aber ist das in der aktuellen Corona-Krise überhaupt noch möglich? Hintergrund: viele Kliniken - wie das Universitätsklinikum Bonn - erteilen ein drastisches Besuchsverbot, das auch die Begleitung bei der Geburt beinhaltet. Kurz: Wegen Covid-19 dürfen Papas dort vorerst nicht bei der Geburt dabei sein.

Auch in den Heilbronner SLK-Kliniken gilt im Zuge der Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg ein "generelles Besuchsverbot", erklärt Mathias Burkhardt, Pressesprecher der SLK-Kliniken Heilbronn, im echo24.de-Interview. Und das gilt neben Heilbronn auch im Klinikum am Plattenwald, der Lungenklinik Löwenstein, dem Pflegeheim Haus Stefanie in Löwenstein und in der Geriatrischen Rehaklinik in Brackenheim. Aber es gibt Ausnahmen.

Auch für die werdenden Väter, die nach Klinik-Angaben weiterhin bei der Geburt dabei sein können.  Es gibt aber Einschränkungen. Heißt: während der Geburt darf nach wie vor eine Begleitperson - in der Regel der Vater - dabei sind. Nicht aber auf Station, wo Mutter und Kind in der Regel drei Tage nach der Geburt medizinisch versorgt werden. Hier sind - wie auch auf allen anderen Stationen - Besuche oder Übernachtungen der Begleitperson aktuell nicht mehr möglich.

Coronavirus/Heilbronn: Operationen verschoben, Terminvergabe gestoppt - was ist noch möglich?

Auch Operationen und geplante Behandlungen werden - wenn medizinisch vertretbar - verschoben oder abgesagt. Hintergrund: In den deutschen Kliniken werden Kapazitäten für einen möglichen Anstieg von schwerstkranken Coronavirus-Patienten geschaffen, was gleichzeitig aber einen Abbau anderer Ressourcen mit sich zieht. Für Heilbronn bedeutet das: Notfälle werden weiterhin behandelt. Und auch "Krebspatienten bekommen weiterhin ihre Chemo- und Strahlentherapie und werden ambulant weiter behandelt", erzählt Burkhardt. 

Für alle anderen gilt: Termine werden vorerst nicht vergeben. Zu den einzigen Ausnahmen gehören Notfälle, die keinen Termin brauchen, und Tumor-Patienten. Burkhardt: "Durch die Reduzierung des Regel-Krankenhausbetriebes auf ein Minimalmaß, sind auch Personalkapazitäten frei geworden." 

Und die können jetzt natürlich verstärkt die Corona-Kapazitäten betreuen, die aktuell weiter ausgebaut werden. Aktuell liegen die Corona-Patienten aus der Region Heilbronn zwar auf der Quarantäne-Station in Löwenstein, bei einem starken Anstieg der Fallzahlen sei aber auch der Standort Heilbronn gut aufgestellt.

Coronavirus/Heilbronn: Besuchsverbot in den SLK-Kliniken - auch auf der Palliativ-Station?

Das Kontaktverbot in der Coronavirus-Pandemie schränkt das öffentliche Leben weitestgehend ein. Unlängst sind daher auch alle Besuche auf Station ist den SLK-Kliniken Heilbronn untersagt. Aber was ist mit den Menschen, die vielleicht bald keine Besuche mehr empfangen können? Schwerstkranke, die insbesondere am Ende ihres Lebens auf die Liebe und Geborgenheit der Angehörigen angewiesen sind?

Burkhardt: "Für die Begleitung Sterbender gibt es Ausnahmeregelungen, die individuell abgestimmt und der Situation angepasst werden. Welche Regelungen das genau sind, lässt das Klinikum offen. Die Ausnahmen werden aber "individuell abgestimmt und der Situation angepasst", heißt es gegenüber echo24.de. Klar ist aber: Im Besuchsverbot der SLK-Kliniken Heilbronn gibt es Ausnahmen - Begleitpersonen bei Geburten oder Besuche am Sterbebett sind zwei davon.

Coronavirus/Heilbronn: Covid-19-Schutz-Maßnahmen auch in der Heilbronner Kinderklinik

Einschränkungen im Zuge von Covid-19 gibt es natürlich auch in der Kinderklinik. Doch auch hier greift eine Ausnahmeregelung, wie Pressesprecher Burkhardt erklärt. So sind Besuche weiterhin möglich, allerdings unter strengen Schutzmaßnahmen und immer nur einzeln. Und auch ambulante Behandlungen - die medizinisch zwingend notwendig sind - sowie Notfälle werden weiterhin in der Kinder- und Jugend-Klinik betreut. Somit ist der Klinik-Alltag dort noch weitestgehend in Takt - eben unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Auch in der Kinderklinik (Symbolbild) gelten wegen Corona strenge Sicherheitsmaßnahmen.

Rubriklistenbild: © Hans-Jürgen Wiedl/dpa

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