Hilfe, Kontaktsperre!

Coronavirus: psychologische Beratungsstelle richtet Corona-Hilfe-Hotline ein

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Aufgrund des Coronavirus gilt auch in Heilbronn eine Kontaktsperre. Ein Experte erklärt, was gegen "die Decke fällt mir auf den Kopf" hilft. 

  • Die Kontaktsperre in Baden-Württemberg schränkt das öffentliche Leben massiv ein.
  • Neue Verhaltensweisen, wie die Hamsterkäufe, prägen das Leben in der Corona-Krise.
  • Die Diakonie hat nun eine Corona-Hilfe-Hotline eingerichtet.

Coronavirus in Heilbronn: Die psychologische Beratungsstelle der Diakonie richtet eine Corona-Hilfe-Hotline ein

Update vom 26. März, 6 Uhr: Die Corona-Pandemie in Heilbronn zieht spürbare Einschnitte im Alltagsleben mit sich. Heißt konkret: Freizeitaktivitäten sind stark eingeschränkt, viele müssen ins Homeoffice und die Kinder haben erst mal keine Schule. 

Eine Verschlechterung der Stimmungslage ist daher nicht ausgeschlossen, erklärt Meinolf Zünkler, Leiter der psychologischen Beratungsstelle der Diakonie Heilbronn,im Gespräch mit echo24.de. Oft könne es daher helfen, sich über die Dinge Gedanken zu machen, die jetzt möglich sind. Das können Aktivitäten mit der Familie aber auch Gespräche mit Freunden sein. Denntrotz Kontaktverbot sind soziale Kontakte nach wie vor möglich - zum Beispiel über Video-Dienste wie Skype oder WhatsApp.

Wer trotz alledem Unterstützung braucht, kann sich ab sofort an das Hilfetelefon der psychologischen Beratungsstelle der Diakonie Heilbronn wenden. Egal ob einem "die Decke auf den Kopf fällt" oder es zu Schwierigkeiten innerhalb der Familie kommt - für seelische Unterstützung stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Psychologischen Beratungsstelle zur Verfügung. 

Klar ist: An den meisten wird die Corona-Krise nicht spurlos vorüberziehen. Und auch psychische Folgen sind in manchen Fällen nicht auszuschließen. Insbesondere nicht, wenn durch vermehrteQuarantäne-Maßnahmen ein Verlassen der Wohnung eigentlich unmöglich wird. Darüber hinaus gibt die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes Tipps, wie man sich verhalten kann, um nicht in einen Corona-Isolations-Lagerkoller zu geraten.

Coronavirus in Heilbronn: Ab morgen gibt es ein Corona-Hilfe-Telefon

DasHilfetelefon der psychologischen Beratungsstelle ist von Montag bis Freitag, in der Zeit von 8.30 bis 14 Uhr, unter der Telefonnummer 07131/964420 erreichbar. Nach Möglichkeit wird man direkt mit einem Mitarbeiter verbunden. Trotzdem kann es aufgrund einer Vielzahl von Anrufen möglich sein, dass ein Mitarbeiter zu einem späteren Zeitpunkt zurückruft. Zünkler: "Jeder kann anrufen, ganz egal ob Eltern, Kinder oder Jugendlicher. Wir sind auch in Zeiten von Corona weiterhin erreichbar."          

Coronavirus in Heilbronn: Kontaktsperre und Quarantäne-Maßnahmen gehen auf die Psyche

Usprungsmeldung: Die Zahl der Coronavirus-Infizierten in Deutschland nimmt stetig zu. Allein im drittgrößten Bundesland Baden-Württemberg sind mehr als 5.000 Menschen mit Corona infiziert, über 50 Menschen starben bereits an der Lungenkrankheit. Unlängst haben Bund und Länder Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung von Covid-19 zumindest zu verlangsamen. Und auch in Baden-Württemberg gilt eine Kontaktsperre, die das öffentliche Leben größtenteils lahm legt. Die Folge: Schulen und Kitas in Heilbronn sind geschlossen und Menschenansammlungen mit mehr als zwei Personen verboten (Familien sind ausgenommen). Zudem bleiben Viele Läden, Restaurants und Freizeiteinrichtungen, wie Fitnessstudios oder Schwimmhallen, bis auf Weiteres geschlossen. Folge: Die Heilbronner Innenstadt (Foto) ist wie ausgestorben und die Bürger halten sich größtenteils an das Kontaktverbot in Baden-Würtemberg, das von Bund und Ländern beschlossen wurde. 

Die Maßnahmen zeigen Wirkung: gähnende Leere in der Heilbronner Innenstadt.

  

Auch die Wirtschaft hat den ernst der Lage verstanden und viele Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Und täglich werden neue Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus erlassen. Auch eine Ausgangssperre in Baden-Württemberg war schon im Gespräch. Der Appell: Bleibt zu Hause und erledigt außerhalb nur das nötigste. Das Problem: Irgendwann fällt jedem die Decke auf den Kopf. Das merken auch die echo24.de-Mitarbeiter, die größtenteils von Zuhause aus arbeiten. Da stellt sich die Frage: Kann das Kontaktverbot zu psychischen Problemen führen? Und falls ja, was hilft dagegen? An dieser Stelle weiß zum Glück Meinolf Zünkler, Leiter der psychologischen Beratungsstelle der Diakonie Heilbronn, Rat.

Coronavirus-Pandemie in Heilbronn: Kontaktsperre trifft auf psychische Folgen: Ein Experte aus der Region gibt Tipps

Unbestreitbar ist:Einschränkungen durch die Kontaktsperre haben Auswirkungen auf die Stimmungslage. Und viele denken jetzt natürlich über all das nach, was sie eben nicht machen können. Freunde treffen, ausgehen oder so richtig abfeiern - das alles fällt flach. Zünkler: "Und genau das ist das Problem." Wir denken über genau das nach, was wir nicht tun können. Beispiel: Die anhaltenden Hamsterkäufe von Toilettenpapier, die seit Wochen beobachtet werden können.

Es zeigt: Etwasvöllig banales wird von heute auf morgen zu weißem Gold. Das Resultat sind leere Regale, Bilder in den sozialen Medien und das Gefühl, einer Versorgungsknappheit ausgesetzt zu sein. Und alles zusammen liefert immer mehr Zündstoff für ein Gut, das eigentlich ganz selbstverständlich ist und gerade jetzt lebensnotwendig wird. Und vielleicht nur deshalb, weil ein paar Leute in derCoronavirus-Krise es vermehrt eingekauft haben.

Coronavirus-Pandemie in Heilbronn: "Eine Kontaktsperre heißt nicht, keine sozialen Kontakte mehr zu haben"

Letztlich sei das alles ein einfacher, psychologischer Effekt, wie Zänkler erklärt. Hintergrund: Viele verlieren aus dem Blickfeld, dass sich in einer solchen Situation viele andere Möglichkeiten ergeben. Dinge, die unter normalen Umständen vielleicht nicht möglich wären. Ein Beispiel: Vertrauliche Gespräche mit Freunden oder der Familie, die nicht innerhalb einer Gruppe stattfinden müssen.

Sei es amTelefon oder über WhatsApp, jetzt ist die Zeit, sich mit anderen Person allein zu unterhalten. Jetzt können Kontakte gepflegt werden, die innerhalb einer Gruppe, nicht möglich wären. Zünkler: "Kontaktsperre heißt körperlicher Abstand. Das bedeutet aber nicht zwingend den Verlust von sozialen Kontakten." Daher gilt: Lieber über das Nachdenken, was jetzt möglich ist und nicht über das, was jetzt nicht geht.

Coronavirus-Pandemie in Heilbronn: Eine Kontaktsperre kann durchaus positive Auswirkungen haben 

Und auch positive Aspekte kann eine Kontaktsperre oder Quarantäne-Maßnahme mit sich bringen. Dazu muss sich jeder einfach mal fragen: Was bleibt mir in der jetzigen Situation eigentlich erspart? Sei es der stressige Weg zur Arbeit, die nervigen Kollegen oder auch der Geburtstag der Schwiegermutter am anderen Ende von Deutschland. Fast jedem fallen hier Situationen ein, die unter normalen Bedingungen unvermeidbar gewesen wären. 

Zünkler: "Soziale Kontakte sind nicht alles". Auch andere Aktivitäten, wie Sport oder ein spannender Krimi, können Freude bereiten. Zudem sind viele Aktivitäten, wie Joggen oder Radfahren, nach wie vor möglich. Und auch Spaziergängen mit der Familie oder gemütlichen Fernsehabenden steht nichts mehr im Weg. Und wer doch merkt, dass sich die Stimmung in der Corona-Krise stark verschlechter, kann mit derpsychologischen Beratungsstelle der Diakonie Heilbronn unter der Telefonnummer 07131/964420 Kontakt aufnehmen. 

Rubriklistenbild: © Symbolbild: Pixabay

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