Häusliche Gewalt in der Corona-Krise

Corona-Pandemie in Heilbronn: Frauenhäuser kämpfen mit Folgen von häuslicher Gewalt 

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Das Coronavirus und die damit einhergehende Kontaktsperre hat Auswirkungen auf die häusliche Gewalt in Heilbronn und die Frauenhäuser.

  • Das Coronavirus und die damit einhergehenden Maßnahmen sorgen für einen Anstieg von Fällen häuslicher Gewalt - auch in Heilbronn.
  • Auch Frauenhäuser bekommen die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus deutlich zu spüren und müssen Zimmer teilweise leer stehen lassen.
  • Trotz Corona-Krise stehen die Beratungsstellen und Frauenhäuser in Heilbronn nach wie vor in vollem Umfang zur Verfügung - jedes Opfer von häuslicher Gewalt ist aufgerufen sich zu melden! 

Coronavirus in Heilbronn: Kontaktsperre begünstigt häusliche Gewalt

Die Zahl derCoronavirus-Infizierten in Baden-Württemberg steigt Tag für Tag weiter an. Die Folge: Immer mehr Maßnahmen werden ergriffen, um Covid-19 weiter einzudämmen. Unlängst gilt in Baden-Württemberg eine Kontaktsperre, die das öffentliche Leben weitestgehend lahm legt. Und das wird zunehmend auch zum Problem. 

Grund: vermehrte Quarantäne-Maßnahmen in Heilbronn und das gewissermaßen erzwungene aufeinander sitzen können Fälle von häuslicher Gewalt begünstigen. Das merken auch Alexandra Gutmann, Leiterin der Beratungsstelle für häusliche Gewalt der Diakonie Heilbronn, und ihre Kollegen im Heilbronner Frauenhaus und der Mitternachtsmission

Oft sind Frauenhäuser die letzte Möglichkeit für Frauen, die tagtäglich häuslicher Gewalt ausgesetzt sind.

Dass die jetzige Situation in der Corona-Krise zu einem rasanten Anstieg von Fällen von häuslicher Gewalt führt, ist für die erfahrene Sozialarbeiterin, Alexandra Gutmann, eine logische Folge. Grund: Faktoren wie Homeoffice, Kurzarbeit oder Jobverlust führen zu einem intensiveren Kontakt innerhalb der eigenen vier Wände. Wenn dann auch noch Freizeitaktivitäten wegfallen, kann die Coronavirus-Pandemie psychische Probleme begünstigen, wie echo24.de in einem Interview mit der psychologischen Beratungsstelle in Heilbronn erfährt. Gutmann: "All diese Faktoren führen dazu, dass die Anzahl von Fällen häuslicher Gewalt zunehmen." Um die aktuelle Situation in Zahlen auszudrücken, sei es aber noch zu früh.

Coronavirus in Heilbronn: Frauenhäuser kämpfen mit drastischen Folgen

Ein damit einhergehendes Problem sind auch die dringend benötigten Plätze in Frauenhäusern. Gutmann: "Aktuell sind Vermittlungen in andere Frauenhäuser kaum noch möglich." Einerseits, weil die Plätze sowieso schon knapp sind, auf der anderen Seite sind es aber auch die neuen Coronavirus-Vorschriften in Heilbronn, die die sowieso schon angespannte Situation in Frauenhäusern noch zusätzlich belastet. Konkret heißt das: Genügend Abstand halten und Frauen - falls notwendig - auch in Quarantäne betreuen. Ein großes Problem, wenn der Platz sowieso schon fehlt.

Und gerade solche Maßnahmen können bedeuten, dass einzelne Zimmer teilweise auch leer bleiben müssen oder "Gemeinschaftsräume zu Quarantäne-Zimmern umfunktioniert werden müssen", erzählt Gutmann. Denn klar ist: Viele Frauen auf engem Raum sind Nährboden für möglicheInfektionen mit dem Coronavirus. Wenn dann auch noch der erwartete Anstieg von häuslicher Gewalt eintritt, treffen hier zwei Extreme aufeinander: ein hoher Bedarf nach Hilfe und der sowieso schon problematische Platzmangel, der durch Vorsichtsmaßnahmen noch zusätzlich verschärft wird.

Coronavirus in Heilbronn: Frauenhäuser ergreifen erste Maßnahmen

Und so stellt man sich auch im autonomen Frauenhaus in Heilbronn auf einen kommenden Anstieg von Fällen häuslicher Gewalt ein. Das Problem: aktuell sind jetzt schon alle Plätze im Heilbronner Frauenhaus belegt. Auch die Möglichkeit einer Überbelegung sei aufgrund der Coronavirus-Pandemie ausgeschlossen, erklärt Karola Volkmann vom Verein Frauen helfen Frauen

Um die Bewohnerinnen zu schützen, wurden aktuell schon Maßnahmen ergriffen. Volkmann: "Die Frauen meiden öffentliche Verkehrsmittel und versuchen so viel wie möglich zu Fuß zu erledigen." Auch müssten von häuslicher Gewalt betroffene Frauen bei einer Neuaufnahme auf das Coronavirus hin überprüft werden. Insbesondere dann, wenn Frauen in Corona-Krisengebieten, wie Südtirol oder Italien waren oder in Kontakt mit Infizierten waren.

Eine weitere Möglichkeit, um den zu erwartenden Anstieg von häuslicher Gewalt in der Coronavirus-Pandemie Herr zu werden, sindjuristische Maßnahmen. Konkret sind damit Platzverweise gemeint, die die Polizei im Extremfall aussprechen kann. Voraussetzung dafür ist, dass ein Mann tatsächlich gewalttätig wird, und seine Frau beispielsweise schlägt. 

Gutmann: "Solchejuristischen Maßnahmen sollten in Anbetracht der aktuellen Situationvoll ausgeschöpft werden." Aber wird das tatsächlich reichen, um einzelne Frauen vorgewalttätigen Übergriffen zu schützen? Denn klar ist: Platzverweise können zwar Wirkung zeigen, gewährleisten aber keinen anonymen Schutz. Heißt: Männer wissen, wo sich ihre Frauen aufhalten und niemand kann zu hundert Prozent gewährleisten, dass sich der Mann tatsächlich an den ausgesprochenen Platzverweis hält.

Coronavirus in Heilbronn: Appell an die Bevölkerung - Hilfe wird dringend benötigt

Daher gilt es, andere Möglichkeiten einer vorübergehenden Unterbringung auszuschöpfen. Beispielsweise durchleerstehenden Wohnraum, der von derMitternachtsmission der Diakonie für wenig Geld angemietet werden kann. Gutmann: "Wenn es Menschen gibt, die aktuellleere Wohnungen zur Vermietung haben, wäre das für uns eine große Hilfe." 

Voraussetzung ist, dass die Unterkunft in allzu weit weg von Heilbronn ist, damit eine Betreuung durch die Mitternachtsmission gewährleistet werden kann. Auch sei es aufgrund der aktuellen Situation von Vorteil, wenn die Anmietung von leerstehendem Wohnraum möglichst unbürokratisch möglich wäre. Oberstes Ziel ist es laut Gutmann, weiterhin die Betreuung von Frauen in häuslicher Gewalt zu gewährleisten. Dafür arbeiten Gutmann und ihre Kollegen mit zwei Teams.

Die Coronavirus-Pandemie stellt auch die Mitternachtsmission um Alexandra Gutmann vor große Herausforderungen.

Damit ist sichergestellt, dass im Krankheitsfall die Betreuung der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen und Männer auf jeden Fall fortgeführt werden kann. "Zudem wird versucht, möglichst viele Anliegen telefonisch zu bearbeiten", erklärt Volkmann. Und selbst wer keinenleerstehenden Wohnraum zur Verfügung hat, kann die gerade jetzt so dringend benötigte Arbeit der Frauenhäuser und Beratungsstellen in Heilbronn unterstützen. 

Denn auch Geldspenden können dazu beitragen, dass es künftig mehr Wohnraum für die Betroffenen von häuslicher Gewalt gibt. Was wiederum zeigt, dass nicht nur dringend benötigte Medizinprodukte in Baden-Württemberg knapp sind, sondern auch ganz elementar wichtige Dinge, wie Wohnraum für Opfer häuslicher Gewalt, fehlen - nicht nur in derCorona-Krise

Coronavirus in Heilbronn: Hier gibt es Hilfe - auch in Zeiten des Coronavirus

Gutmann: "Corona-bedingt ist bei uns Land unter." Trotzdem stehen Gutmann und ihr Team nach wie vor in vollem Umfang zur Verfügung. Heißt: Wer von häuslicher Gewalt in Heilbronn betroffen ist, sollte sich unbedingt an eine der beiden Beratungsstellen in Heilbronn wenden. Das sind:

Die Beraterinnen in derMitternachtsmission und im Heilbronner Frauenhaus stehen nach wie vor in allen Fällen von häuslicher Gewalt zur Verfügung - egal ob Coronavirus oder nicht. Und auch Menschen, die die Arbeit im Bereich häuslicher Gewalt unterstützen möchten, sind aufgerufen, sich unter den oben genannten Kontaktdaten, mit den beiden Einrichtungen in Heilbronn in Verbindung zu setzen. Den gerade jetzt in der Coronavirus-Pandemie zählt jede Hilfe - egal in welcher Form.

Aber nicht nur Kontaktverbot und das isolierte Dasein macht die Menschen krank. Auch wer im Homeoffice arbeitet, kann durchaus psychisch erkranken. Die Langweile zu Hause kann zu einer Last werden. 

Rubriklistenbild: © Fotolia

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