Coronavirus trifft auch Spargel- und Erdbeer-Bauern

Corona-Krise: Landwirte fürchten um Ernte - Problemlösung liegt nahe, aber... 

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Das Coronavirus sorgt in Heilbronn für Probleme bei der diesjährigen Spargel- und Erdbeerernte. Landwirtschaftliche Betriebe aus der Region sind sehr besorgt und hoffen auf Hilfe. 

  • Das Coronavirus (Sars-CoV-2) breitet sich in Heilbronn und Region immer weiter aus.
  • Da viele europäische Grenzen schließen, machen sich Spargel- und Erdbeerbetriebe Sorgen um ihre Arbeitskräfte aus dem Ausland.
  • Mitarbeiter aus Gastro-Betrieben sollen auf Vorschlag der Bundeslandwirtschaftsministerin bei der Ernte helfen.

Coronavirus in Heilbronn: Spargel- und Erdbeerernte stehen vor dramatischen Herausforderungen

Update vom 28. März: Nach wie vor bleiben für Saisonarbeiter aus dem Ausland die deutschen Grenzen dicht. Grund: Das sich ausbreitende Coronavirus. Ein Desaster für viele landwirtschaftlichen Betriebe in Baden-Württemberg, die insbesondere in der Spargel- und Erdbeerernte die auf vielen ausländischen Helfer angewiesen sind. 

Daher die Idee von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Mitarbeiter aus der Gastro-Szene als Erntehelfer einzusetzen. Dieser Vorschlag ist vor allem deswegen in die Kritik geraten, da Branchenfremde erst noch eingelernt werden müssten und nicht von heute auf morgen die erfahrenen Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa ersetzen könnten.

Hier ist Vorsicht geboten: Bei der Spargelernte braucht erfahrene Saisonarbeiter - und die fehlen.

Coronavirus in Heilbronn: Ausnahme für Pflegekräfte

Jetzt wird bekannt: Pflegekräfte aus Osteuropa dürfen weiterhin nach Deutschland einreisen. Grund dafür dürfte auch die steigende Zahl an Coronavirus-Infizierten in Baden-Württemberg sein, die den sowieso schon angespannten Pflegenotstand zumindest etwas entlasten sollte. Ein Schlag ins Genick für die Spargel- und Erdbeerbetriebe, die sich "bei dieser schweren Erntearbeit immer auf ihre Erntehelfer aus Osteuropa verlassen können", erklärt Verbandspräsident Joachim Rukwied. Kritik an der Entscheidung, Pflegekräfte einreisen zulassen und Erntehelfer nicht, kommt auch vom baden-württembergischen Landwirtschaftsminister Peter Hauk.

Coronavirus in Heilbronn: Arbeitslose sollen bei der Spargel und Erdbeerernte helfen

Für Hauk ist diese Entscheidung in keinster Weise nachvollziehbar, zumal in den letzten Tagen alles versucht wurde, um eine entsprechendeLösung mit dem Bundesinnenminister zu finden - allerdings ohne Erfolg. Daher jetzt die Idee, Arbeitslose aus Baden-Württemberg als Erntehelfer zu beschäftigen. Das wäre laut Rukwied eine kurzfristig-unbürokratische Lösung, um die Situation auf den baden-württembergischen Spargel- und Erdbeerfeldern zumindest etwas zu entschärfen. Die große Herausforderung aber: Arbeitslose für die Erntearbeit zu motivieren, was in Anbetracht der Verdienstmöglichkeiten äußerst schwierig werden dürfte.

Und auch hier ist wieder das Problem, dass Arbeitslose in der Regel keine Ernte-Erfahrung haben und erst noch eingelernt werden müssen. Den gerade bei derSpargelernte kann ein falscher Handgriff die komplette Pflanze nachhaltig schädigen. Trotzdem gilt es natürlich, Menschen für die Spargel- und Erdbeerernte zu mobilisieren. 

Denn sollte es nicht gelingen, dasErnte-Problem zu lösen, könnten viele Spargel und Erdbeerpflanzen in diesem Jahr auf den Feldern verderben. Um das zu verhindern, suchen die baden-württembergischen Betriebe fleißige Helfer, die auch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie als Erntehelfer zur Verfügung stehen.

Coronavirus in Heilbronn: Spargel- und Erdbeerernte in Gefahr - jeder kann helfen!

Dafür wurde unter www.daslandhilft.de extra eine neue Plattform errichtet, auf der Landwirte und private Helfer zusammengebracht werden sollen. Hauk: "Jetzt ist die Zeit für Solidarität." Denn die braucht es nicht nur für die vielen Mitmenschen, die besonders von der Corona-Krise betroffen sind, sondern auch für die Landwirte, die unsere tägliche Grundversorgung in Baden-Württemberg gewährleisten.

Coronavirus in Heilbronn: Spargel- und Erdbeerernte in Gefahr

Ursprungsmeldung vom 19. März: Das Coronavirus in Heilbronn breitet sich immer weiter aus. Und auch die Stadt verschärft ihre Maßnahmen - im Kampf gegen das neuartige Virus - immer weiter. Die Folge: Events werden abgesagt, Kultureinrichtungen schließen. Jetzt wird bekannt: Auch allen Spargel- und Erdbeeren-Liebhabern könnte das Coronavirus ein Strich durch die Rechnung machen. Grund: Es ist nicht auszuschließen, dass das Virus einen Mangel an frischem Obst und Gemüse begünstigt. Diese Vorahnung teilt auch Simon Schumacher vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE). 

Hintergrund: "Obst- und Gemüseernten sind abhängig von günstigen Arbeitskräften aus dem EU-Ausland, die nur den Mindestlohn verdienten und bis zu drei Monate lang sozialversicherungsfrei beschäftigt werden können", erklärt Schumacher. Und gerade die Spargel- und Erdbeerernte in Heilbronn und Region sei auf mehr als  180.000 Saisonarbeitskräfte pro Jahr angewiesen. Heilbronns größter Erdbeeren- und Spargel-Anbieter, der Landwirtschaftsbetrieb Wormser, kann das nur bestätigen.

Coronavirus in Heilbronn: Wo bleiben die Saisonarbeiter?

Auch Worms sei auf die vielen Saisonarbeiter angewiesen, die bei der zeitintensiven und körperlich anstrengenden Arbeit helfen, erklärt Andreas Wormser vom gleichnamigen Landwirtschaftsbetrieb. Zumeist kommen die aus osteuropäischen Staaten wie Polen oder Rumänien, um bei den jährlichen Erntearbeiten zu helfen. 

Doch dieAngst vor einer Infektion schreckt viele ab. Hinzu kommen die zunehmenden Grenzschließungen innerhalb Europas, die eine Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen sollen. Das heißt aber eben auch, dass potenzielle Arbeitskräfte nicht über die Grenze kommen. Worms: "Ich gehe davon aus, dass sich die Lage weiter verschärft." Eine Übersicht zur aktuellen Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg zeigt der Übersichtsartikel auf echo24.de

Das sich die Lage weiter verschärfen könnte - diese Meinung teilt auch Schumacher und erklärt: "Unsere größte Sorge ist, dass Österreich und Ungarn die Grenzen komplett schließen". Denn das hätte zur Folge, dass Spargel- und Erdbeeren-Bauern nicht mehr wüssten, über welchen Weg sie Saisonkräfte anheuern könnten. Und nicht nur das. Auch Baden-Württemberg schließt seine Grenzen, um weiter gegen das Coronavirus vorzugehen.   

Und die Zeit drängt. Bereits an Ostern möchte Worms mit der Spargel- und Erdbeeren-Ernte in Heilbronn und Region beginnen. Das Unternehmen aus Heilbronn hat bis jetzt noch keine Absage von Saisonarbeitern aus dem Ausland erhalten. "Das kann aber noch passieren", erklärt Worms auf Anfrage von echo24.de. Jetzt müsse man abwarten, was in den nächsten drei Wochen passiere. 

Klar muss aber sein: In Land breitet sich das Coronavirus weiter aus. Aktuell (Stand: 18. März) gibt es mehr als 1.500 Infizierte in Baden-Württemberg. Welche schlimmen Folgen eine Infektion mit Sars-CoV-2 haben kann, zeigt ein Fall aus dem Raum Freiburg: Dort wurde ein Erntehelfer tot in seiner Unterkunft gefunden, ein Covid-19-Test fiel positiv aus. Das Gesundheitsamt überwacht die Kontaktpersonen.

Coronavirus in Heilbronn: Gastro-Arbeiter sollen aufs Spargel- und Erdbeeren-Feld

Einen Vorstoß, um zur Lösung der Problematik beizutragen, macht Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Ihr Vorschlag: Deutsche Beschäftigte aus der Gastronomie für die Ernte einzusetzen. Sollen also Gastro-Betriebe die von Corona-Maßnahmen betroffen sind aufs Feld schicken? Für Schuhmacher ist das keine Lösung. Grund: Teureres Personal mit geringerer Effizienz sei ein Problem bei einer Produktion, die schon öfter Schwierigkeiten gehabt habe, profitabel zu sein.

Auch Andreas Worms sieht eine solche Lösung kritisch. Das sei zwar grundsätzlich ein guter Ansatz, "jedoch fehlen solchen Arbeitern dielangjährigen Erfahrungen der Erntehelfer". Und gerade die könne man nur schwer ersetzen. Jedoch sei es für ihn prinzipiell denkbar, Arbeiter aus der Gastro-Branche einzustellen. Aber eben unter der Berücksichtigung, dass Erfahrung und damit Ernteleistung fehlen werden.

Coronavirus in Heilbronn: Das könnte auf Spargel- und Erdbeer-Liebhaber zukommen

Natürlich dürfen keine voreiligen Schlüsse gezogen werden. Klar muss aber sein: Wenn die Corona-Pandemie in der Region weiter andauert, wird das für Heilbronner Spargel- und Erdbeer-Freunde Konsequenzen haben. Wormser: "Je nach Erntehelfer-Situation kann die Ware nicht geerntet werden und muss auf den Feldern verderben." Folglich kommen Spargel und Erdbeeren nicht in die Läden und Verkaufsstände in der Region. Wormser: "Panik ist aber der falsche Weg. Wir nehmen es wie es kommt."

Aber auf das Coronavirus reagieren - das macht auch Wormser. Und zwar im eigenen Hofladen, der an den Betrieb angegliedert ist. Dort biete man ab sofort einenLieferservice an, der die ausgewählten Artikel aus dem Hofladen bis vor die Haustür liefert. Ob das im Frühjahr mitErdbeer, Spargel und Co. genauso sein wird? Ungewiss. Eine gute Nachricht gibt es aber: Erste Coronavirus-Patienten in Heilbronn sind geheilt. Das erklärte die Stadt auf Anfrage von echo24.de

Coronavirus in Heilbronn: "Regionale Landwirtschaft muss erhalten bleiben"

Andreas Worms aus Heilbronn geht jedenfalls mit gemischten Gefühlen in dieSpargel- und Erdbeer-Saison 2020. Sein Appell: "Gerade in Krisenzeiten ist die Regionale Landwirtschaft ein wichtiges Versorgungsstandbein der Bevölkerung, dass auf jeden Fall erhalten bleiben muss."  

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

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