Hat die Stadt Heilbronn zu spät gehandelt?

Corona-Hotspot Heilbronn: Lage in SLK-Kliniken kritisch – Personal am Limit

Debatte um Intensivbetten
+
Die Dauer-Belastung macht den Mitarbeitern auf den Intensivstationen in den SLK-Kliniken zu schaffen. (Symbolbild)
  • Lisa Klein
    vonLisa Klein
    schließen

Die Intensivstationen der SLK-Kliniken füllen sich, das Klinikpersonal ist am Limit und steht seit über einem Jahr unter Dauer-Belastung. Hat die Stadt zu spät gehandelt?

Die Intensivstationen füllen sich deutschlandweit. Laut Experten-Prognosen wird die Zahl der intensivpflichtigen Corona-Patienten auch in den kommenden zwei Wochen noch weiter steigen. Die Stadt Heilbronn zählt schon seit Langem zu den Corona-Hotspots in Baden-Württemberg. Inzwischen sinken die Inzidenzen in Heilbronn wieder leicht, dennoch beträgt die 7-Tage-Inzidenz derzeit im Stadtkreis Heilbronn 239,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Stand: 29. April). Die hohe Zahl an Corona-Infizierten spiegelt sich auch auf den Intensivstationen wieder.

Die Heilbronner Stimme hat am Freitag (30. April) eine Live-Debatte initiiert*, bei der in einem Online-Forum mit Vertretern aus der Kommunalpolitik, der Medizin und der Wirtschaft darüber gesprochen wurde, wie die aktuelle Lage aussieht. Oberbürgermeister Harry Mergel überraschte dabei mit seiner Aussage, warum die Infektionen in Heilbronn so hoch sind.

Von 11 bis 12 Uhr haben Oberbürgermeister Harry Mergel, der Heilbronner IHK-Präsident Harald Unkelbach, Professor Wolfgang Linhart der SLK-Kliniken, der Gastronom Matthias Kern sowie Kitty Molnár, Centermanagerin der Stadtgalerie, live in einem Zoom-Meeting auf stimme.de diskutiert. „Bei der Debatte geht es auch um die Lage in den SLK-Kliniken, wo zuletzt wieder mehr Covid-Patienten behandelt wurden, und um die Situation der Wirtschaft: Gastronomie und Handel fordern dringend eine Perspektive“, heißt es in der Veranstaltungsbeschreibung auf stimme.de. Moderiert wurde die einstündige Diskussion von den Stimme-Redakteuren Tanja Ochs und Alexander Hettich. 

Corona-Hotspot Heilbronn: Intensiv-Mitarbeiter unter Dauerbelastung

Die SLK-Kliniken verzeichnen derzeit 35 Corona-Intensivpatienten, rund 100 Corona-Patienten werden pro Tag in den Krankenhäusern der SLK-Kliniken behandelt. Derzeit sei das noch zu händeln, der Klinikdirektor Professor Dr. med. Wolfgang Linhart möchte die Dauer-Belastung der Mitarbeiter in den SLK-Kliniken seit inzwischen 14 Monaten allerdings noch einmal unterstreichen: „Die Belastung ist sehr hoch.“

„Wir sind sehr darauf bedacht, die Kapazitäten möglichst gleichmäßig auszulasten. Im Moment sind wir bei 40 Prozent der Beatmungsbetten in den Verbünden beziehungsweise den großen Kliniken, die sollen oder müssen für Covid-Patienten zur Verfügung gestellt werden. Da achtet auch das Sozialministerium drauf“, erklärt der Klinikdirektor.

„Wir haben Berechnungen, wie weit es noch nach oben gehen wird, wie viele Beatmungsbetten wir noch brauchen werden. Es werden in Baden-Württemberg in den nächsten zwei Wochen noch ungefähr 80 mehr sein“, sagt Professor Dr. med. Wolfgang Linhart. „Wir sind noch nicht am Ende“, mahnt er – die Infektionszahlen werden noch etwa „zehn Tage lang ansteigen.“

Intensivstationen an den Belastungsgrenzen – hat die Stadt zu spät gehandelt?

„Wir haben eine begrenzte Kapazität an Krankenhausbetten, trotzdem kommen wir in Regionen, wo man das Gefühl hat, viel mehr sollte nicht mehr passieren“, beschreibt der Klinikdirektor die aktuelle Situation in den SLK-Kliniken. Eine Reaktion, wenn die Krankenhäuser zu voll sind, sei zu spät. „Wir sind dankbar für alles, was die Infektionszahlen reduziert“, erklärt Linhart.

Die Belastung für die Mitarbeiter auf den Intensivstationen ist sehr hoch. (Symbolbild)

Hätte Heilbronn schon früher die Notbremse ziehen müssen? „Nein, ich glaube, wir haben in Heilbronn alles getan, was wir hätten tun können“, stellt Harry Mergel klar. Der Oberbürgermeister bestreitet nicht, dass keine Fehler gemacht wurden, doch es sollte in die Zukunft und nicht ständig zurückgeblickt werden.

Corona-Hotspot Heilbronn: Lage in SLK-Kliniken kritisch – Impffortschritt macht Hoffnung

Zum Thema Impfen hofft der Klinikdirektor, dass die Priorisierung im Juni aufgehoben werden kann, dann eröffnen sich ganz neue Perspektiven, auch für Heilbronn. „Wir werden die Betriebsärzte brauchen“, stellt er klar. Linhart äußerte zudem, er habe das Gefühl, wir sind „auf einem guten Weg“. „Wir haben AstraZeneca extrem schlecht geredet in Deutschland“, kritisiert der Klinikdirektor allerdings. Dennoch macht er Hoffnung: Noch einen Monat Geduld, dann ist so viel Impfstoff da, dass es einen Aufschwung gibt.

Harry Mergel ist zuversichtlich, dass das Impfzentrum in Horkheim gut aufgestellt ist, dass sobald genügend Impfstoff da ist, auch 24 Stunden an jedem Tag der Woche geimpft werden kann. Ab wann könnte Corona nicht mehr das beherrschende Thema sein? Der Klinikdirektor geht davon aus, dass die Zahlen der Intensivbelegungen in zwei Wochen wieder rückläufig sein werden. Zudem denkt er, dass sich Corona über den Sommer nur „in einer kleinen Ecke des Krankenhauses“ abspielen wird. Wie es im Herbst 2021 aussieht, lässt sich bislang noch nicht sagen. Für ihn ist deshalb auch wichtig: Wie können wir uns auf die Zukunft vorbereiten? „Wir müssen wachsam sein“, mahnt er.

Das könnte Sie auch interessieren