Offenbar immer noch Alpträume

Nach Horror-Flug: Passagierin fühlt sich von Condor im Stich gelassen

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Ein Triebwerk an einer Maschine von Condor hatte während eines Fluges offenbar Probleme bereitet. (Symbolbild.)
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Eine Passagierin benötigt dringend psychologische Hilfe, doch Condor reagiere einfach nicht auf Anfragen.

+++ Update 2. Oktober +++ Horror-Flug: Wohl keine psychologische Hilfe von Condor

Knapp zwei Monate nach dem Horror-Flug mit Condor, bei dem es offenbar technische Probleme am Triebwerk und unglückliche Personal-Reaktionen gegeben hat (siehe unten), ist Marzena Pereira Meireles aus Murr laut eigener Aussage immer noch trauamtisiert. Sie hatte im betroffenen Flieger DE217 gesessen und hofft immer noch darauf, dass ihre Ängste von damals Ernst genommen werden.

Bisher habe sie keinerlei psychologische Hilfe erhalten. Denn: Die Wartezeit für einen Termin beim Psychologen dauere rund sechs bis acht Monate. Und Condor rühre sich auf Hilfsanfragen nicht. Mittlerweile habe sich deshalb eine Gruppe von Passagieren aus dem Horror-Flieger auf Whats-App zusammengeschlossen. 

Condor-Flug wird für Passagierin zum Horror: Sie hofft auf psychologische Hilfe

Pereira Meireles und auch andere Fluggäste wollen sich mehrfach an den Flugdienst Condor gewandt haben - bislang ohne Erfolg. "Ich erwarte nicht viel. Mir geht es dabei auch nicht um Geld. Ich finde es einfach schade, dass uns nicht einmal psychische Hilfe gestellt wird." Und laut Pereira Meireles hätten auch andere Passagiere eine psychologische Behandlung "bitter nötig". 

Von der Kassenärztlichen Vereinigung hat Pereira Meireles einen Termin bei einem Psychologen Anfang Oktober erhalten. Der wird aber erst prüfen, wie notwendig eine Behandlung ist. Pereira Meireles fühlt sich von allen "im Stich gelassen". 

Horror-Flug mit Condor: Passagierin hat immer noch Alpträume

Besonders schlimm seien die Nächte. "Seit dem Flug habe ich keine Nacht durchgeschlafen. Ich habe Alpträume, bin tagsüber abgelenkt, kann mich dadruch nicht mehr richtig konzentrieren. Ich mache kleine Fehler, die mir früher nicht passiert wären." 

Obwohl Pereira Meireles früher gerne geflogen ist, kann sie sich zurzeit überhaupt nicht vorstellen jemals wieder in einen Flieger zu steigen. "Allein wenn ich schon Flugzeuge auf Bildern oder im Fernsehen sehe, wird mir ganz mulmig. Ich kann seitdem auch nicht mehr unter größere Menschenmengen. Auch Karrussellfahren geht nicht mehr. Ich habe einfach Angst wieder die Kontrolle in andere Hände abzugeben."

Nach Thomas-Cook-Pleite: Ehepaar bangt um seinen Rückflug aus Mexiko

+++ Update 19. September +++ Personal bei Horror-Flug auch noch "frech"?

Das, was beim Horror-Flug DE217 passiert ist, ist der Alptraum eines jeden Passagiers. Ein Paar aus Heilbronn, dass das Horror-Szenario in der Condor-Maschine miterlebte, meldet sich nun zu Wort und schildert gegenüber echo24.de ihre Eindrücke an Bord.

"Am 15. August startete der Flug mit rund einer Stunde Verspätung. An Bord der Maschine wurden wir darauf hingewiesen, dass wir schnell Platz nehmen sollen, um weitere Verzögerungen zu vermeiden. Es wurde außerdem durchgesagt, dass unser Flug aufgrund von einem technischen Defekt beim vorherigen Flug Verspätung hat. Dies wurde aber nur auf Englisch gesagt, eventuell damit es nicht jeder versteht", erklärt Jasmin Beyer aus Heilbronn, die mit ihrem Lebensgefährten während des Horror-Flugs auf der rechten Seite auf Höhe des Triebwerks saß. 

Das Paar berichtet von einem "von Beginn an turbulenten Flug". Davon ließen sich die Heilbronner aber nicht verunsichern und hörten mit ihren Kopfhörern Musik aus dem Bordprogramm. Eine ältere Dame, die auf der linken Seite, direkt neben dem betroffenen Triebwerk saß, soll dann plötzlich "Hilfe, Feuer!" geschrien haben. Beyer: "Zu diesem Zeitpunkt gab es auch stärkere Turbulenzen, weswegen ich die Kopfhörer herausgenommen habe und mich umgeschaut habe. Viele Passagiere fokussierten sich auf den linken Bereich des Flugzeuges und schauten sich ebenfalls um. Nach kurzer Zeit schrie die Dame wieder 'Hilfe, es brennt!'." 

Horror-Flug mit Condor: Personal reagiert unprofessionell - Passagiere beunruhigt

Daraufhin eilten zwei Bordmitarbeiter zu ihr und schauten aus dem Fenster. Sie überprüften die Situation und eilten wieder zurück in Richtung Cockpit. "Wir erhielten keine Informationen von den Flugbegleitern oder vom Cockpit, stellten aber fest, dass wir uns im Sinkflug befanden." Durch das als unprofessionell empfundene Verhalten des Bordpersonals "brach im Flugzeug Panik aus. Es gab zwar Passagiere, die den Vorfall von Beginn an gelassen sahen, die meisten waren aber sehr beunruhigt."

Nach zehn Minuten habe ein Flugbegleiter gesagt, dass man nicht wisse, was los sei, die Kollegen im Cockpit aber ihre Checkliste abarbeiten würden. Das Flugpersonal versuchte die Passagiere laut Beyer mit den Worten "sie sollen NOCH die Ruhe bewahren", zu beruhigen. "Die Beunruhigung wurde dadurch natürlich nur noch größer." Wie auch die Familie Pereira Meireles aus Murr, berichteT Jasmin Beyer, dass die Angst dem Flugpersonal "sehr stark anzusehen" gewesen sei. 

Horror-Flug mit Condor: Trotz brennendem Triebwerk weitergeflogen - Passagiere verunsichert und ängstlich

Später hätten die Passagiere die Information, dass ein Reparaturprogramm am Triebwerk durchgeführt wurde und man mit verminderter Geschwindigkeit und Höhe versuche nach Stuttgart weiterzufliegen, erhalten. "Die Aussage des Flugbegleiters war außerdem: 'Wieso sollten wir landen, wenn das Triebwerk im Moment funktioniert?'", erklärt Beyer.

Einen weiteren Zwischenfall mit Flammen soll es, laut dem Paar aus Heilbronn, nicht gegeben haben. 50 Minuten vor der Landung meldete sich die Pilotin des Flugs stattdessen und sagte demnach, dass die Situation unter Kontrolle sei. 

Horror-Flug mit Condor: Heilbronner üben Kritik an Crew

Obwohl alles glimpflich ausging, übt auch das Paar aus Heilbronn Kritik an Condor - insbesondere an der Besatzung des Flugzeugs. "Es war sehr bedrückend, dass die Crew über den ganzen Flug hinweg den Grund des Vorfalls nicht kannte. Wir hatten zwei Stunden lang Angst und waren uns sehr unsicher. Der Einzige, der versucht hat, den einzelnen Passagier zu beruhigen, war der Flugbegleiter. Der hat uns aber auch gesagt, dass er zu diesem Zeitpunkt gerade lieber selber zu Hause wäre."

Zudem habe niemand erklärt, dass selbst mit einem vollständigen Ausfalls des betroffenen Triebwerks ein Weiterfliegen möglich gewesen wäre - und auch eine Landung hätte durchgeführt werden können. Jasmin Bayer und ihr Lebensgefährte können bis heute nicht einschätzen, ob sie in einer gefährlichen Lage waren, oder nicht. Die Aussagen und Reaktionen der Crew haben die Unsicherheit an Bord in ihren Augen aber noch verstärkt. 

"Frech fanden wir dann die Verabschiedung der Pilotin: 'Vielen Dank, dass sie sich heute für einen Flug mit Thomas Cook entschieden haben. Wir freuen uns, sie bald wieder als unseren Gast an Bord begrüßen zu dürfen.'" Die Standardfloskel, die Condor-Piloten immer wieder nach der Landung verwenden, hat bei den Heilbronnern einen allzu bitteren Beigeschmack gehabt.

Bei einem weiteren Flug verfassten die Passagiere schon Abschiedsbriefe, nachdem eines der Triebwerke Feuer fing und sich in der Kabine Brandgeruch breitmachte.

Viele Fluggäste haben auf Verspätungen keine Lust mehr und ziehen deshalb drastische Konsequenzen!

+++ Update 18. September +++ Passagiere nehmen den Flug unterschiedlich wahr

Zu dem für eine Familie dramatischen Condor-Flug aus dem Ägypten-Urlaub zurück nach Stuttgart hat sich ein weiterer Passagier geäußert, er bestätigt die Schilderungen der Passagiere aus Murr. Doch so traumatisierend wie die Familie hat er die Triebwerk-Probleme am Flugzeug anscheinend nicht wahrgenommen.

Michael Beck ist aus Weinstadt und saß am 15. August ebenfalls in der Maschine der Condor aus Ägypten, die über Zagreb plötzlich Triebwerk-Probleme hatte und dann mit nur einem funktionierenden Triebwerk auf dem Flughafen in Stuttgart landete. Der Bietigheimer Zeitung erzählte er, dass er wohl laute Geräusche gehört habe und das Flugzeug dann auch abgesunken sei. Doch dass sich das Flugzeug zur Seite geneigt habe und gar Flammen aus dem Triebwerk kamen, habe er nicht mitbekommen. Er sagte sogar, dass das Triebwerk "definitiv nicht gebrannt" habe.

Ein anderer Passagier habe die Funken aus dem Triebwerk anscheinend tatsächlich gesehen und das Flugpersonal sei "wirklich aufgescheucht" gewesen. Die Wahrnehmungen der Passagiere im Flugzeug gehen also auseinander. Michael Beck erklärt: "Als wir wieder unten waren, war es dann auch okay." Doch für die Familie aus Murr bedurfte es nach dem Flug einer psychotherapeutischen Aufarbeitung.

+++ Update 17. September +++ Video aus dem Horror-Flug ist aufgetaucht

Nachdem der Horror-Flug einer Familie aus Murr bekannt wurde, haben sich auch weitere Passagiere zu den Erlebnissen geäußert. Die Reaktionen reichen von verständnisvoll bis hin zu sehr wüsten Reaktionen, dass die Familie sich nicht so anstellen solle.

Nun gibt es angeblich ein Video, dass das brennende Triebwerk der Condor-Maschine beim Flug am 15. August zeigen soll. Die Bietigheimer Zeitung hatte Einblick in das Handyvideo und es einem Experten der Piloten Vereinigung Cockpit vorgelegt. Für den Piloten von Cockpit steht fest: "Wenn mir die Crew oder Passagiere Flammen aus einem Triebwerk melden würden, würde ich keine lange Strecke mehr bis zum Zielflughafen zurücklegen."

Weshalb plötzlich Flammen aus dem Triebwerk der Condor-Maschine schlugen, kann der Cockpit-Pilot auch nur mutmaßen. Ein mechanischer Schaden oder verunreinigter Treibstoff seien bei diesem Vorfall die wahrscheinlichsten Ursachen, denn dass ein Vogel auf dieser Höhe ins Triebwerk geflogen ist, sei nahezu unmöglich.

Doch der Experte unterstützt auch die Meinung der Fluggesellschaft Condor, denn grundsätzlich könne man mit einem Triebwerke auch weiterfliegen. Es käme nur anfangs zu einer leichten Schieflage. 

+++ Ursprungsmeldung +++ Urlaub endet mit Horror-Flug von Condor

Fliegen soll ja die sicherste Reiseart sein. Von wegen! Das beweist das traumatische Erlebnis einer Familie aus Murr. Was war aber genau passiert?

Die Familie Pereira Meireles aus Murr machte Urlaub in Ägypten und flog am 15. August mit der Fluggesellschaft Condor von Hurghada zurück nach Stuttgart. Es begann alles sehr harmlos mit einer Flugverspätung und endete in einem absoluten Horror-Trip! Der Flug hatte eine Verspätung, das kommt bekanntlich sehr oft vor, als jedoch die Tragflächen Feuer fingen, hörte der Spaß auf. 

Condor-Flug: Tragfläche fängt Feuer 

Die Familie hatte Plätze auf der Höhe der rechten Tragfläche. "Über Zagreb haben wir sehr laute Geräusche gehört, die sich anhörten, als würden wir beschossen", sagt Marzena Pereira Meireles. Plötzlich riefen die Passagiere, die auf der Höhe der linken Tragflächen saßen, FEUER! Eine Flugbegleiterin kam angerannt und schlug entsetzt die Hände vor dem Gesicht zusammen fing zu weinen an.

Die Reaktion löste große Panik bei den Passagieren aus. "Wir hatten Todesangst", erzählt Pereira Meireles. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam endlich ein männlicher Flugbegleiter und erklärte, dass die Piloten gerade eine Checkliste durchgehen, um das Problem zu finden, berichtet Bietigheimer Zeitung.

Kostenloser Alkoholausschank - fatales Zeichen

Wirklich beruhigend war die Aussage des Flugbegleiters wohl nicht. Vor allem, weil die Flugbegleiterin in einer Ecke des Flugzeugs begonnen habe, eine Zigarette zu rauchen. Auch dass bei dem Touristenflieger plötzlich kostenlos Alkohol ausgeschenkt wurde, nahmen die Passagiere wohl eher als fatales Zeichen wahr.

"Als dann die Stadtlichter immer weiter wegrückten, habe ich gedacht, die lassen uns jetzt crashen über unbewohntem Gebiet", erinnert sich Pereira Meireles. Einige Passagiere forderten eine sofortige Notlandung, das wurde jedoch von der Flugzeug-Crew ignoriert. Stattdessen wurde den Fluggästen erklärt, man versuche nach Deutschland zu kommen. 

Condor-Flug: Zweistündiger Horror

Der Horror-Flug dauerte ganze zwei Stunden. Beim Landeanflug auf Stuttgart gab es erneute Schläge an den Tragflächen. Trotzdem glückte die Landung. Aber: Die Passagiere waren dazu gezwungen eine weitere halbe Stunde in dem Flugzeug auszuharren. "Wir wollten nur raus und konnten nicht verstehen, warum wir das nicht durften. Wir hatten Angst, dass das Flugzeug explodiert", sagt Pereira Meireles. 

Und auch nach der Landung wollte der Horror kein Ende nehmen. Denn: Es gab keine Hilfe und keine Betreuung für die Passagiere! Bis heute gibt es keine Entschädigung oder Hilfestellung von Seiten der Fluggesellschaft. Nach dem Flug begab sich die Familie in psychotherapeutische Behandlung. Nach Auskunft des Flughafens liegen zu dem Flug keine besonderen Ereignisse vor. Der Pilot hat weder einen Notfall noch technische Schwierigkeiten gemeldet. 

Horror-Flug: Das sagt Condor dazu 

Condor-Sprecherin Magdalena Hauser teilt der Bietigheimer Zeitung mit: "Auf dem Flug DE217 von Hurghada nach Stuttgart am 15. August stellte die Crew eine leichte Vibration an einem der beiden Triebwerke fest. Gemäß der geltenden Verfahren wurde rein vorsorglich die Leistung des Triebwerks reduziert, es wurde jedoch nicht abgeschaltet. Der Flug konnte dann ganz normal fortgesetzt werden und das Flugzeug des Typs Airbus A320 landete sicher in Stuttgart. Sicherheit hat in der Luftfahrt zu jedem Zeitpunkt höchste Priorität und unsere Crews sind auf diese Verfahren geschult. Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Gäste oder die Crewmitglieder an Bord." Weiterhin entschuldigt sich die Fluggesellschaft dafür, dass einige Passagiere sich unwohl gefühlt haben. 

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