Gutes wiederholen, Kritik Ernst nehmen

Nach Heilbronner BUGA: Was kommende Ausrichter-Städte lernen könnten

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Auch für Kinder bot die Heilbronner Bundesgartenschau 2019 einiges.
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Die nächsten Bundesgartenschauen stehen schon fest. Von Heilbronn können sie lernen, was funktioniert - und was nicht.

Die Bundesgartenschau ist immer umkämpft. Und immer umstritten. Jede potenzielle Ausrichter-Stadt muss sich nicht nur gegen andere Bewerber durchsetzen, sondern die BUGA auch gegenüber gerechtfertigter Kritik verteidigen. Das war 2019 in Heilbronn so - und betrifft auch die kommenden Bundesgartenschauen sowie die Städte, die bislang nur über eine Bewerbung nachdenken. Lernen können sie alle von der BUGA in Heilbronn - was gut ankommt und was man besser lässt.

BUGA: Ausrichter-Städte brauchen ein Aushängeschild

Eine der größten Wassershows Europas begeisterte in Heilbronn Millionen Zuschauer. Die von Musik und Licht begleiteten Fontänen waren vielleicht DAS Highlight der diesjährigen BUGA. Weil sie hochwertig, kreativ und mitreißend waren. 

Bilder vom Wassershow-Spektakel bei der BUGA 2019 in Heilbronn

Dass ein herausstechendes Merkmal die BUGA besonders machen kann, haben längst auch andere Städte erkannt. Erfurt, Ausrichter der nächsten Bundesgartenschau in 2021, plant beispielsweise einen Baumkronenpfad mithilfe einer Brücke an der historischen Zitadelle. Für die BUGA 2031, um die sich Wuppertal bewerben will, sieht ein Konzept eine spektakuläre Hängebrücke über der Stadt vor. Beide Installationen sind aber durchaus nicht unumstritten. Die eine wegen des Eingriffs in die Natur, die andere wegen der immensen Kosten.

BUGA: Nachhaltigkeit war Thema in Heilbronn - und wird es auch bleiben

Ob nun auf die Finanzierung, auf längerfristigen Touristenboom oder auf Entwicklung mit und nicht gegen die Natur bezogen - Bundesgartenschauen müssen vor allem für die Bewohner der Ausrichter-Städte mit Nachhaltigkeit punkten.

Wie das Fruchtschuppen-Areal in Heilbronn sollten vor allem Gebiete eine positive Wandlung erfahren, die diese bitter nötig haben. Das in Heilbronn neu entstandene Stadtviertel am Neckarbogen wurde deshalb von Experten als vorbildhaft gelobt. Kritik gab es, weil viele Grünflächen, die zur BUGA entstanden sind, jetzt im Anschluss Bauland werden und damit ein Stück Natur wieder wegnehmen.

Bilder: Best of BUGA 2019

In Mannheim (BUGA 2023) soll das anders werden. Das entstehende Naherholungsgebiet soll gleichzeitig zu einem der größten Artenschutzgebiete in der Metropolregion Rhein-Neckar werden. Außerdem sind gleich drei neue Wohngebiete geplant. Man spüre deshalb "deutlich eine Entwicklung – weg von starker Skepsis hin zu positivem Interesse", sagte Michael Schnellbach, Geschäftsführer der Mannheimer BUGA-Gesellschaft, bereits 2018.

BUGA: Ausrichter müssen Kritik ernst nehmen - und offen bleiben

Dass die Kritiker der Mannheimer Gartenschau bis zur Eröffnung in vier Jahren dauerhaft verstummt sein werden, ist aber unwahrscheinlich. Denn immer brachten Bundesgartenschauen bislang auch einen deutlichen Einschnitt in die Natur mit sich.

In Mannheim wird laut BUND beispielsweise eine seltene Orchideen-Art vom Umbau betroffen sein. Dies könne demnach noch zum Problem werden, sollte die Stadt ihre Planungen nicht zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Pflanze anpassen.

Wie ein unsensibler Umgang mit Natur- und Tierschützern durchaus dem Image schaden kann, mussten die BUGA-Verantwortlichen in Heilbronn am eigenen Leib erfahren. Eine Fehlkonstruktion hatte Entenküken den Ausstieg aus einem Becken unmöglich gemacht - mehrere waren ertrunken. Die BUGA reagierte verspätet und wurde zumindest kurzzeitig bundesweit zum Aufreger. Spätestens hier wurde klar: Offenheit, Ehrlichkeit und Tatkraft von allen Beteiligten sind wichtige Bestandteile einer gut funktionierenden Bundesgartenschau.

BUGA: Gastronomie spielt wichtige Rolle für Besucher

Das lernten auch die Heilbronner Ausrichter und machten es im Bezug auf die Gastronomie besser. Hagelte es anfangs schlechte Kritiken wegen überforderter Servicekräfte und schlechter Vorbereitung auf Stoßzeiten, wurde hier mit Erfolg nachgebessert. So gaben Besucher im Schnitt deutlich mehr für Essen und Trinken aus, als bei anderen Gartenschauen.

Auch die Vielfalt des Angebots kam gut an. Besonders gelobt dabei: das von Handicap-Café Samocca, dessen Konzept viele Interessierte anlockte. Frei nach dem Motto: Wenn für das leibliche Wohl gesorgt ist, kommt der Rest gleich noch einmal so gut an.

BUGA-Fazit: Bundesgartenschau durchaus Möglichkeit zur Image-Stärkung

Und dass dem so war, bestätigten 99 Prozent zufriedene Besucher der Heilbronner BUGA. Zukünftige Ausrichter oder solche, die es werden wollen, können also durchaus viel aus Heilbronn lernen: Die Ausrichter-Stadt muss sich mit der Gartenschau weiterentwickeln und einen echten Mehrwert schaffen, der langfristig sichtbar ist. Zudem braucht es technische Innovation, die in Zeiten von Klimawandel und Insektensterben mit der Natur nicht nur vereinbar, sondern förderlich für diese ist.

Wichtig außerdem: 

  • funktionierender Nah- und Fernverkehr (der BUGA-ICE nach Heilbronn war mehr Top als Flop, die Shuttle funktionierten ohne größere Auffälligkeiten)
  • Familienfreundlichkeit: Kinderfeste und allgemeines Angebot kamen in Heilbronn sehr gut an
  • Wetter: Dieser Punkt lässt sich nicht beeinflussen und ist dennoch nicht zu unterschätzen. Das "Sommermärchen" in Heilbronn, wie Oberbürgermeister Harry Mergel die BUGA bezeichnete, hatte ganz sicher etwas mit den vielen strahlend-schönen Wochenenden zu tun.

Fazit: Wiederholen, was gut war und abstellen, was nicht rund lief. Kritik sollte alles in allem ernst genommen werden und nicht geplante, aber sinnvolle Verbesserungen auch wirklich umgesetzt werden. Dann kann die BUGA tatsächlich für einen Image-Aufschwung auch für die künftigen Ausrichter-Städte bedeuten - nicht nur bei Touristen, sondern vor allem bei den eigenen Bewohnern. Das hat Heilbronn nicht bei allen, aber doch bei vielen geschafft. Selbst, obwohl Maskottchen Karl wohl für immer eine Hass-Liebe mit den Heilbronnern führen wird.

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